Style
03.04.2017

Zu Besuch beim Haar-Guru der Stars

David Mallett ist Liebling der internationalen Beautyszene. Der KURIER schaute in seinem schicken Pariser Salon vorbei.

Schon der Fahrstuhl, der in den Salon von David Mallett führt, wirkt atemberaubend. Mit einem luxuriösen Samthocker, Goldverzierungen und einem riesigen Spiegel ausgestattet, bringt er Kundinnen ins Untergeschoß des frisch renovierten Ritz Hotels in Paris. Dort hat der berühmteste Friseur der Stadt vor Kurzem seinen zweiten Salon eröffnet. Spontan nach einem Umstyling zu fragen, kann man hier vergessen. Mehrere Monate Wartezeit sind in Kauf zu nehmen, um von dem 52-Jährigen persönlich die Haare geschnitten zu bekommen.

Zu einem der gefragtesten Haarprofis der Welt zu werden, bedingte eine Mischung aus harter Arbeit, Talent – und ein wenig Glück. Mit 16 Jahren begann Mallett als Friseur zu arbeiten, mit 21 Jahren wurde er bereits als bester Friseur Australiens ausgezeichnet. Sechs Jahre später folgte ein Jobangebot, das ihm endgültig zum Durchbruch verhalf: Die französische Vogue wollte ihn als Haarstylisten für ein Shooting mit Lenny Kravitz. Dafür kam Mallett mit 27 Jahren nach Paris – und ist danach einfach geblieben.

Starauflauf im Salon

Heute liest sich die Kundenkartei des 52-Jährigen wie die Gästeliste eines Red Carpet-Events in Hollywood: Marion Cotillard, Natalie Portman und Diane Kruger sind regelmäßig in seinem Salon anzutreffen. Mit Letzterer verbindet den Australier eine lange Freundschaft. "Diane war eine meiner ersten Kundinnen", erzählt Mallett. "Nach Lenny Kravitz war mein zweiter Job in Paris mit ihr."

Wenige Tage vor unserem Treffen hat ihn Schauspielerin Lea Seydoux besucht. "Ihren Look würde ich gerne an dir sehen", sagt er und platziert seine Hände auf Kinnhöhe. Den Wunsch nach einer dezenteren Veränderung akzeptiert er sofort: "Gute Friseure lieben es, ihre Kunden glücklich zu machen." Von extravaganten Looks hält man in Paris sowieso nicht viel, wie Mallett weiß: "Französinnen mögen es zurückhaltend." Ausgefallene Colorationen und übertriebener Einsatz von Haarspray sind verpönt. "Und sie hassen platte Haare." Deshalb habe er auch vor einigen Jahren seine eigene Produktlinie auf den Markt gebracht, die die Haare mit Feuchtigkeit versorgen soll, ohne sie zu beschweren.

Hauptsache natürlich

Viel wichtiger als gute Produkte ist jener Friseur, der auch das Wissen vermittelt, wie die Mähne Zuhause gestylt werden kann. Ob Promikunde oder nicht – für jeden Haarschnitt nimmt sich der Coiffeur ausnahmlos eine Stunde Zeit. Und scheut dabei nicht davor zurück, jemandem von dem gewünschten Look abzuraten. "Man sollte jemanden finden, der einem dabei hilft, den eigenen Stil zu entwickeln. Und der sagt, wenn etwas nicht passend ist oder unnatürlich aussieht", so Mallett. Die Natürlichkeit stehe auch bei den aktuellen Haartrends im Vordergrund. "Im Moment sehen wir viel schulterlanges Haar mit sanften Wellen."

Die typische Französin wolle nicht einmal, dass jemand bemerkt, dass sie gerade mehrere Stunden in einem Salon verbracht hat. "Nach dem Föhnen werden die Haare gleich zu einem Dutt zusammengebunden", verrät der 52-Jährige. "Und erst nach ein paar Stunden wieder aufgemacht, damit die Frisur lässiger aussieht."

Ein Ziel bleibt noch

Seine eigenen Haare interessieren den Australier hingegen herzlich wenig. "Ich dusche mich morgens, trockne sie mit einem Handtuch und das war’s. Es kümmert mich nicht, wie ich aussehe – sondern wie es andere tun." Nur bei seinen Outfits wird der Haarprofi wählerisch: Ohne seinen dreiteiligen Anzug verlässt er nicht das Haus.

David Mallett hat beruflich alles erreicht, wovon er jemals geträumt hat. Zur Ruhe setzen möchte er sich jedoch noch lange nicht. "Viele träumen davon, so viel zu arbeiten, bis sie genügend Geld haben, um aufzuhören. Das ist nichts für mich", sagt er beim Abschied. Nur eines möchte er noch unbedingt schaffen: Russisch und Spanisch zu lernen.