Style
31.08.2018

Cover mit Plus-Size-Model: Bewerbung von Übergewicht?

Die Titelseite der neuen "Cosmopolitan"-Ausgabe wird von vielen gelobt - und ebenso auch kritisiert.

Sie gehört zu den Gallionsfiguren der Body-Positivity-Bewegung und hat nun erreicht, wovon die meisten Plus-Size-Models nur träumen können: Tess Holliday ziert das Cover der neuesten Ausgabe der britischen Cosmopolitan. Darauf ist die 33-Jährige in dunkelgrünen Dessous zu sehen, wie sie einen Luftkuss Richtung Kamera wirft. Der passende Titel: "Tess Holliday möchte, dass ihre Hater ihr den Arsch küssen".

Ebenso ungesund wie Magersucht

Nicht nur für sie, sondern auch für Tess Hollidays Fans ist es ein Zeichen, dass auch Models mit unkonventionellen Maßen erfolgreich sein können. "Ich bin buchstäblich ein Cosmo-Girl. Ich kann es einfach nicht glauben", verkündete die Amerikanerin auf ihrem Instagram-Account. "Ich habe geweint, als sie mich angerufen haben", verriet sie im Interview mit BBC. "Dass ein Magazin wie dieses eine fette Frau wie mich auf das Cover gibt, bedeutet nicht nur viel für mich, sondern auch für Millionen andere, die wie ich aussehen." Dass sich Magazin-Käufer mit jemandem identifizieren können, bedeute ihr sehr viel.

Doch es gibt nicht nur positive Reaktionen auf das mutige Fotoshooting. Auf dem Instagram-Account der Cosmopolitan ist innerhalb kürzester Zeit eine hitzige Diskussion ausgebrochen. Während die einen sich über die vermehrte Vielfalt auf Magazin-Covern freuen, finden andere, dass damit Übergewicht beworben wird. "So etwas sollte nicht glorifiziert werden. So starkes Übergewicht wie dieses ist eine Epidemie und ich denke, dass es unverantwortlich ist, einen ungesunden Lebensstil zu promoten", schrieb eine Frau unter das Foto vom Cover. Ein anderer User fügte hinzu: "Ich denke, dass es offensichtlich ist, dass sie nicht gesund ist - ebenso wenig, wie es eine Frau mit Magersucht ist. Eines von beidem zu bewerben ist falsch."

In einer kürzlich im Obesity Journal veröffentlichten Studie fanden Wissenschafter heraus, dass sich die Body-Positivity-Bewegung auf das Gewicht der Menschen - oder zumindest deren Wahrnehmung - auswirkt. Von 1997 bis 2015 habe sich die Prozentzahl an übergewichtigen Frauen, die ihr Gewicht als genau richtig einschätzen von 24.5 auf 30.6 Prozent erhöht. Fazit: Bei den Befragten, die ihr Übergewicht nicht als solches wahrnehmen, waren Abnehmversuche um bis zu 85 Prozent weniger wahrscheinlich.