Style 05.12.2011

Claudia Schiffers triumphales Comeback

Supermodel: Mit knapp 41 Jahren kehrt Claudia Schiffer als Vogue-Covergirl und Neo-Designerin auf die Modebühne zurück

Sie trägt zu Recht den Beinamen Fräuleinwunder. Claudia Schiffer zählte in den 80er- und 90er-Jahren neben Cindy Crawford, Linda Evangelista und Naomi Campbell zu den gefragtesten Topmodels der Welt. Frankreichs heutige First Lady Carla Bruni, prägte einst den Satz: "In dieser Branche ist ein Model mit 30 tot." La Schiffer beweist derzeit das Gegenteil. Auf ihre für das Model-Business, "alten" Tage (sie wird im August 41) feiert sie ein fulminantes Comeback - als Neo-Designerin einer begehrten Kaschmir-Kollektion, als imposantes Chanel-Eyewear-Testimonial, und ab Mittwoch ist das Jahrhundert-Model erneut das Gesicht Cover der deutschen Vogue.

Rasanter Aufstieg

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© Bild: Chanel, Vogue

Als die Anwaltstochter mit 17 entdeckt wurde, packte sie der Ehrgeiz. Sie zog nach Paris und wurde von Star-Fotografin Ellen von Unwerth für das Label Guess in Szene gesetzt. Ihre blonde Mähne, ihr markanter Blick und ihr Traumkörper mit den Maßen 86-61-92 ließen viel Raum für Assoziationen mit Brigitte Bardot. Von da an ging alles Schlag auf Schlag: Karl Lagerfeld erkannte ihr Potenzial, buchte sie für seine Chanel-Show und machte "Cloodia" zu seiner Muse. Mit diesem Ritterinnenschlag eroberte sie im Eiltempo den heiligen Boden der Haute Couture. Alle namhaften Top-Designer von Cavalli bis Yves Saint Laurent setzten auf das deutsche Fräuleinwunder. Nach nur einem Jahr (1989) darf sie mit Top-Fotograf Herb Ritts für die UK-Vogue arbeiten. Das Resultat, ihr erstes Vogue-Cover, katapultiert sie in den Mode-Olymp. Im Laufe der folgenden Jahre wird sie für fast jede renommierte Haute-Couture-Show gebucht, lächelt von mehr als tausend nationalen und internationalen Magazincovers und arbeitet Seite an Seite mit den bestbezahlten Topmodels der Welt. Sie wird mit Linda Evangelista, Christy Turlington, Cindy Crawford, Stephanie Seymour und Naomi Campbell in einem Atemzug genannt und prägte die Ära der Supermodels entscheidend mit. Obwohl Claudia Schiffer sie alle zu ihren Freundinnen zählte und 1995 sogar das Fashion-Café in New York mit ihnen eröffnete, blieb sie stets am Boden und sich selbst treu. Alkohol- oder Drogenexzesse, wilde Partys und Skandalmeldungen? Fehlanzeige!

Eiserne Disziplin

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© Bild: Chanel, Vogue

Im Gegensatz zu ihren Kolleginnen hat Claudia Schiffer keinen besonderen Geltungsdrang, daher scheitern auch ihre Schauspielversuche kläglich. Sie gilt als medienscheu, tüchtig, bescheiden und höflich, Kritiker halten sie für kühl, gar unnahbar. Das ist dem Vollprofi herzlich egal. Schiffer pflegt ihr Sauber-Image, ist lieber distinguiert als kaputt. Fehltritte erlaubt sie sich nicht, engagiert sich lieber sozial und wird zur UNICEF-Botschafterin für Kinder und gegen AIDS. Lukrative Kampagnenshots wie für die Beautymarke Revlon oder Vöslauer wählt sie penibel aus. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeine Zeitung erklärt sie: "Ich wollte nie nur etwas, auf das ich schnell mal meinen Namen drucke. Ich wollte mich nie leichtsinnig verschenken, dafür habe ich zu lang, zu hart und zu hochklassig in der Haute Couture gearbeitet, als dass ich meinen Namen verramsche." Ihr Gesamtvermögen wird von Forbes auf 250 Millionen Euro geschätzt.

Verschmäht

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© Bild: Chanel, Vogue

Mit 30 Jahren steht das Supermodel plötzlich vor dem Aus. Selbst ihr Förderer Karl Lagerfeld lässt sie fallen, bezeichnet sie öffentlich als "gestrige Erscheinung". Sie kämpft mit einem Burn-out, fühlt sich ausgepowert. Später erzählt sie in Interviews, mit 30 habe ihr die Arbeit keinen Spaß mehr gemacht, alles schien Routine zu sein, sie habe nur noch schlafen wollen, an einem Ort bleiben und Freunde sehen. In dieser Zeit lernt sie den Filmregisseur Matthew Vaughn kennen und lieben und sagt später: "Mit ihm hatte ich zum ersten Mal ein richtiges Leben." Sie zieht nach London, 2002 folgt die Hochzeit in einer glamourösen Couture-Robe von Valentino. Ihr Erstgeborener, Caspar, ließ nicht lange auf sich warten. Fortan genießt sie ihr Bilderbuchleben, geht in ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter auf. Mittlerweile ist sie Mutter von drei Kindern, Clementine und Cosima machen die Familienidylle perfekt.

Stille Wasser

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© Bild: Chanel, Vogue

Zu ihrem 40. Geburtstag wendete sich das Blatt schlagartig. Nackt und schwanger mit Kind Nummer drei, Cosima, posiert sie auf dem Cover der deutschen Vogue. Kritiker sind begeistert, feiern das fulminante Comeback eines Jahrhundert-Models. Tatsächlich ist sie nach wie vor wunderschön, wirkt selbstsicher, zufrieden und weiß, "heute muss ich nichts mehr beweisen, ich mache nur noch, worauf ich Lust habe". Lange Zeit von der High Fashion verschmäht, gelingt ihr ein dreifacher Triumph: Zum einen hat Karl Lagerfeld "Cloodia" für Chanel reaktiviert. Mit fast 41 Jahren beeindruckt sie als neues Chanel-Testimonial seiner Brillenkollektion "Prestige". Zudem feiert sie ihr Debüt als Designerin und lanciert ihre Kaschmir-Kollektion an den Top-Adressen aller Modemetropolen, etwa bei The Corner in Berlin. Und - als wäre die Zeit stehen geblieben, ist sie wieder das aktuelle Cover-Face der deutschen Vogue. Damit ist klar: Sie gehört noch lange nicht zum alten Eisen.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011