Matthias Gebauer will mit seiner Kaschmir-Mode bei der Start-Up-Show punkten

© Gerry Frank

Style
03/12/2019

2 Minuten 2 Millionen: Kaschmir-Label von Jurist sahnt ab

Matthias Gebauer präsentierte in der Start-up-Show sein Label "Direct Cashmere". Martin Rohla überzeugte das Konzept.

Kaschmir gilt unter Modefans als der ultimative Luxus. Was die meisten nicht wissen: Mit der weichen Wolle wird viel Schindluder getrieben. Auf dem Markt werden viel mehr Kaschmir-Produkte angeboten als es Rohmaterial gibt. Denn es ist nur in einer begrenzten Region verfügbar: In den abgelegenen Hochebenen der Mongolei, Chinas, Afghanistans und des Irans leben die Kaschmirziegen, deren Unterhaar einmal pro Jahr während des natürlichen Haarwechsels herausgekämmt wird.

Der enormen Nachfrage versuchen die Händler durch Tricksereien gerecht zu werden. Das luxuriöse Material wird mit anderen Tierhaaren gestreckt und chemisch aufbereitet. Kurz: Wo Kaschmir draufsteht ist nicht unbedingt Kaschmir drin.

Matthias Gebauer hat das Problem erkannt und will mit seiner Marke Direct Cashmere neue Wege gehen. Am Dienstagabend stellte er sein Konzept den Investoren bei der Start-up-Show "2 Minuten 2 Millionen" vor. "Die Unternehmen können in den meisten Fällen gar nicht mehr garantieren, dass ihre Produkte reines Kaschmir enthalten", sagt der Unternehmer im Gespräch mit dem KURIER. "Wir kennen jede unserer Ziegen und haben alle Produktionsschritte selbst in der Hand."

Möglich macht dies ein langjähriger Freund von Gebauer, der in der Mongolei lebt. Dieser sprach ihn vor einigen Jahren an, ob er mit ihm zusammenarbeiten wolle. Eigentlich wollte der Jurist nach seinem Studium ein Gerichtsjahr machen. Daraus wurde nichts - er stieg stattdessen ins Mode-Business ein.

Direct Cashmere: Komplette Produktion in der Mongolei

"Nicht nur die Rohstoffe kommen aus der Mongolei, die Kollektion wird dort auch produziert", erklärt der 27-Jährige das Konzept seines Labels. So kann garantiert werden, dass nicht, wie sonst oft der Fall, in chinesischen Fabriken anderes Material hinzugemischt wird.

Auch mit seiner Preispolitik will sich Gebauer von der Konkurrenz absetzen. Denn nachhaltige Kaschmir-Mode gibt es bereits auf dem Markt - jedoch meist zu sehr hohen Preisen. Direct Cashmere bietet Pullover ab 149 Euro an. Kann die Produktion bei solchen Preisen mit rechten Dingen zugehen? "Ja", sagt Gebauer. "Unsere Marge ist sehr klein."

Außerdem werden im Onlineshop bewusst nur wenige Schnitte in maximal sechs Farben angeboten. "Wir haben kein Produktrisiko, weil ein schwarzer Rollkragenpullover mit Sicherheit verkauft wird."

Hinzu kommt, dass keine großen Mengen vorproduziert werden. "Wir haben ein sehr kleines Lager, wodurch wir wiederum den Preis niedriger halten können", so der Wiener. Produziert wird in den meisten Fällen erst, nachdem eine Bestellung eingegangen ist. Kunden sollen sich in Vorfreude üben: Erst nach zwei bis drei Wochen wird das Kaschmir-Teil geliefert.

Bei den Kunden kommt das Konzept gut an. "Wir haben eine Retourenqoute von gerade einmal fünf Prozent - was für einen Onlineshop sehr niedrig ist", weiß Matthias Gebauer. Jetzt konnte er auch die Investoren bei "2 Minuten 2 Millionen" überzeugen. Vor allem Martin Rohla: 180.000 Euro für 15 Prozent der Anteile hat sich der Jungunternehmer gewünscht. Er bekam von ihm 120.000 Euro für 25,1 Prozent.