Clint Eastwood im Interview

© REUTERS/MARIO ANZUONI

Interview
02/24/2020

Was Hollywoodstar Clint Eastwood von seinem Großvater geerbt hat

Der alte Haudegen und Trump-Fan Clint Eastwood im Interview über die gute alte Zeit, die nie gut war.

von Elisabeth Sereda

Alter schützt vor Leinwand nicht: Clint Eastwood, der am 31. Mai 90 wird, ist in vielerlei Hinsicht ein Dinosaurier, nicht nur des Filmbusiness. Der US-Actionheld aus San Francisco, dessen neuestes Regiewerk dieser Tage auch in Österreichs Kino anläuft („Richard Jewell“ über den fälschlich verhafteten und angeklagten   Mann, der mit dem Bombenanschlag bei Olympia 1996 in Atlanta gar nichts zu tun hatte),  ist Hardcore-Republikaner und gilt als Verteidiger Donald Trumps, obwohl er jüngst den „demokratischen Trump“, Milliardär  Michael Bloomberg,  lobte. Wie auch immer – eine Legende bleibt er . . .

KURIER: Können Sie Trump heute wirklich noch verteidigen?

Clint Eastwood: Schauen Sie, die Präsidentschaft der USA ist einer der schwierigsten Jobs, den man haben kann – täglich neue Überraschungen. Manchmal stimme ich einer Sache zu, manchmal nicht. Das galt aber genauso für Bush oder Obama. Sie alle haben Gutes geleistet und gleichzeitig  Dummheiten gemacht. Ich war immer ein politischer Außenseiter in Hollywood. Ich erkenne Dummheit, wenn ich sie wo sehe. Und heutzutage sehe ich sehr viel davon.

Sie haben  auch international gedreht. Und Sie waren jung in der TV-Serie „Rawhide“  – gab Ihnen das Jobsicherheit?

Mein Traum war stets, aus „Rawhide“ auszusteigen, es gab Angebote aus Italien, die ich ja auch angenommen habe  – die Spaghetti-Western (wie „Für eine Handvoll Dollar“, 1964) –, und die waren enorm erfolgreich. Ich hatte in Europa Glück, ich hatte  in Amerika Glück. Ich habe 1953 meinen ersten Film gemacht, in dem ich einen einzigen Satz hatte. Mein Leben war nichts als Glück.

Nicht Talent?

Nein, Hollywood ist wie Las Vegas: du wettest auf einen Film, du hoffst, dass er erfolgreich ist, aber wissen oder gar beeinflussen kannst du es nicht. Dazu gibt es viel zu viele Komponenten, die du nicht kontrollieren kannst. Jedes Mal, wenn du das glaubst, geht etwas schief und die Industrie lässt dich wie eine heiße Kartoffel fallen. Oder wie eine zornige Frau . . .

Sie werden bald 90 . . .

Müssen Sie das so laut sagen? Du weißt nie, wie lange du noch hast. Ich habe vor 60 Jahren begonnen. Da dachte ich, es wird nie enden, das ganze Leben liegt vor mir. Manchmal denke ich, warum bin ich der Glückliche? Warum lebe ich nicht in einem Altersheim? Ich habe offenbar die guten Gene meines Großvaters geerbt. Und ich tue, was ich kann.

Wer und was war Ihr Großvater?

Er hatte eine Hühnerfarm. Ich bin 1930 geboren, also in der Depression. Wir hatten nichts. Alle waren arm. Ich habe da keine Nostalgie wie andere alte Leute. Ich rede nicht von den guten, alten Tagen, denn die alten Tage waren nicht gut.

Haben Sie ein neues Projekt?

Ja, ein paar sogar, Ich habe so lange selbst gespielt, dass es mir jetzt richtig Spaß macht, anderen, jüngeren beim Schauspielen zuzusehen. Deshalb bin ich Regisseur geworden. Und weil es langweilig wurde, mich selbst auf der Leinwand anzuschauen.

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