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Interview
06/18/2016

Vanessa-Mai: "Ich finde hohe Schuhe schrecklich"

Nachwuchs in der Schlagerfamilie: Vanessa Mai, 24, ist auf dem besten Weg, der neue Star der Szene zu werden. Ob als Jurorin bei „Deutschland sucht den Superstar“ oder in den Charts: Mai ist immer vorn dabei. Im Juli kommt Mai zur Starnacht am Wörthersee. Vorher erzählt sie in der freizeit, wie es ist, mit Schlager-Ikone Andrea Berg verwandt zu sein.

von Barbara Reiter

Frau Mai, draußen vor der Wiener Stadthalle stehen einige Leute, die auf Sie gewartet haben. Was ist das für ein Gefühl, wenn Fanliebe so weit geht, dass Menschen auf einen warten?

Ich freu mich natürlich sehr. Manche stehen da ja wirklich ganz, ganz lange, auch bei schlechtem Wetter. Das ehrt mich dann schon sehr.

Heute sind Sie an den Fans vorbeigehuscht. Hat man kein schlechtes Gewissen, wenn man keine Autogramme gibt?

Eigentlich schon. Aber in diesem Fall war das Interview vereinbart und die Zeit wäre knapp geworden. Normalerweise machen wir das immer. Die Menschen da draußen sind ja auch die, die meine CD kaufen und denen ich das alles zu verdanken habe.

Sie sind 24 Jahre alt und relativ schnell zum Schlagerstar geworden. Haben Sie diesen Raketenstart eigentlich schon realisiert?

Ehrlich gesagt, realisiere ich das alles immer noch nicht ganz. Aber ich kann es sehr schätzen, weil ich vorher mit „Wolkenfrei“ (Anm.: Vanessa Mai als Sängerin gemeinsam mit zwei Musikern) zwei Jahre lang jedes Festzelt und jedes Stadtfest mitgemacht habe. Es gab Tage, an denen vor der Bühne nicht mehr als zwei Leute gestanden sind. Wir haben uns die Fans wirklich erarbeitet. Auch wenn die Vorlaufzeit kurz war, habe ich diese ganze Ochsentour mitgemacht.

Und jetzt haben Sie als Solokünstlerin bereits den „Echo“ in der Tasche.

Es stimmt schon, dass sich die Ereignisse überschlagen. Kaum habe ich ein Erlebnis verarbeitet, kommt schon das nächste. Das mit dem „Echo“ war schon verrückt. Aber ich versuche mir jeden Tag vorzusagen: „Genieße die Zeit. Wer weiß, wie lange das noch so geht.“

Sehen Sie es als Vor- oder Nachteil, so schnell Karriere gemacht zu haben?

Sowohl als auch. Ich konnte meinen eigenen Weg gehen – und das alles in der Kürze. Das ist schon toll. Andererseits würde ich noch gerne zehn Jahre Musik machen und denke mir schon: „Jetzt hast du so schnell den Echo gekriegt.“ Es fühlt sich manchmal so an, als müsste ich beweisen, dass ich den Preis zurecht so schnell bekommen habe. Als müsste ich nachlegen, damit ich den „Echo“ auch wirklich verdient habe. Aber das ist okay für mich. Ich bin ein sehr, sehr ehrgeiziger Mensch und brauche diese Unruhe auch, um wieder vor Ideen zu sprühen.

Die Vorzeichen für eine lange Karriere stehen gut. Sie sind mit Andreas Ferber, dem Stiefsohn von Andrea Berg verlobt. Berg ist in der Schlagerwelt eine echte Größe. Das hilft schon auch, oder?

Einerseits schätzen wir die Konstellation, weil wir einfach ’ne Familie sind, die sich gegenseitig Rückhalt gibt. Andererseits behaupten böse Zungen, dass ich es nur so weit geschafft habe, weil Andrea Berg ... Das ist ärgerlich, weil ich selber weiß, was ich für meine Karriere tue. Mir wurden sicher mehr Türen geöffnet als anderen. Dafür bin ich dankbar. Aber durchgehen musste ich selber. Und letztlich entscheiden die Fans, egal welchen Background man hat.

Wie muss man sich ein Leben als Schlagerfamilie vorstellen? Laufen bei Frau Berg und Ihnen daheim die eigenen Hits?

Die eigene Musik hören wir nie, weil man auch abschalten will. Wir sehen uns gar nicht so oft, wie man denken mag. Falls doch, läuft das ganz normal ab. Das hört sich vielleicht blöd an. Aber für mich ist das dann nicht Andrea Berg, sondern einfach die Andrea.

In einem Interview stand zu lesen, dass Sie schon als Kind den Wunsch hatten, berühmt zu werden.

Das habe ich auch gelesen, aber das stimmt so nicht und ich habe mich auch darüber geärgert. Das klingt nach: „Hauptsache berühmt, egal womit.“ Wahr ist, dass ich schon als Kind Sängerin werden wollte und das in einem Brief aufgeschrieben habe. Das war meine Art, mir das ganz fest zu wünschen und es dem lieben Gott, oder was auch immer es geben mag, mitzuteilen.

Jetzt sind Sie beides: Sängerin und berühmt. Vor allem seit Sie in der Jury von „ Deutschland sucht den Superstar“ neben Dieter Bohlen gesessen sind. Er hat auch Ihre neues Album „Für Dich“ produziert. War er so resolut wie im Fernsehen oder durften Sie bei den Aufnahmen auch mitreden?

Dieter kann es gar nicht leiden, wenn man das kleine Mädchen gibt und nur tut, was er sagt. Er braucht jemandem, der ihm Konter gibt und sich einbringt.

Vanessa Mais Handy piepst zum wiederholten Male.

Tut mir wahnsinnig leid. Ich habe vorher etwas gepostet. Generation Smartphone. Aber ich habe gehört, dass Dieter Bohlen wahnsinnig zufrieden war, weil ich vorbereitet, ehrgeizig und fleißig war. Wir sind uns auf einer anderen Ebene begegnet, als das bei „DSDS“ in der Regel der Fall ist. Das kann man nicht vergleichen.

Was haben Sie vorher gepostet?

Ein Foto von Wien. Wir waren Sachertorte essen. Das war wunderschön. Viele glauben ja nicht, dass ich alles selber poste und schreibe. Aber ich will mir das nicht aus der Hand nehmen lassen, weil ich das gerne mache. Ich schaue mir die Kommentare durch, auch wenn sie nicht immer schön sind. Das gehört eben auch dazu.

Sie wirken trotz Ihres jungen Alters sehr selbstbewusst.

Oh, ich bin auch oft ein unsicherer Mensch. Aber meine ganzen Freunde waren immer älter als ich, schon in der Schule. Ich habe auch viel mit meinen Eltern gemacht und habe eine Beziehung mit jemandem, der acht Jahre älter ist als ich. Vielleicht kommt das Selbstbewusstsein daher.

Ihr Verlobter Andreas ist auch ihr Manager. Ist das nicht zu viel des Guten?

Es stimmt schon, dass wir viel Zeit miteinander verbringen. Aber ich bin ein Beziehungsmensch und brauche keinen Abstand. Ich tanke bei ihm auf. Und wenn er nicht dabei ist, zehre ich von meinen Reserven. Wenn die aufgebraucht sind, wird es schwierig. Dann fehlt er mir sehr.

Dort hinten kommt gerade DJ Ötzi durch die Türe. Haben Sie ein gutes Verhältnis zu ihm?

Wir kennen uns schon länger, weil wir ja immer wieder bei den gleichen Sendungen und Touren eingeladen sind. Der DJ Ötzi ist wie ein Papabär, achtet auch immer auf mich und motiviert mich, wenn ich mal nervöser bin als sonst. Dann sagt er: „Komm Nessie, du schaffst das.“

Nessie ist ein interessanter Spitzname.

Ich hatte noch nie einen Spitznamen, aber DJ Ötzi sagt das zu mir. Das darf er auch.

Es gibt die Schlagerfamilie also doch.

Um eine Familie zu sein, sieht man sich dann doch zu selten. Aber man freut sich immer wieder über die bekannten Gesichter. Ich fühle mich wohl und habe noch keine negativen Erfahrungen gemacht. Vielleicht, weil ich noch sehr jung bin und mich alle als kleine Maus sehen. Ich weiß es nicht.

Auch wenn Sie noch kein alter Hase in der Branche sind: Kürzlich waren in den „Media-Control-Charts“ zum ersten Mal seit 1976 drei Schlager-CDs auf den vorderen Plätzen ...

Andrea (Anm.: Berg) auf Platz eins, Matthias Reim auf zwei und ich auf Platz drei ...

Was denken Sie, warum Schlager immer noch beliebter wird?

Da spielen sicher mehrere Faktoren eine Rolle. Ich glaube, deutschsprachige Musik ist generell in den Vordergrund gerückt ist. „Ein Hoch auf uns“ von Andreas Burani hat sich bei der WM 2014 zu einer Fußballhymne entwickelt. Oder „Atemlos“ von Helene Fischer. Sie hat dazu beigetragen, dass alles jünger und sexyer wird. Durch diese Türe konnte ich schon durchgehen.

Dabei spielen Sie den Erotikfaktor nicht so aus wie andere Kolleginnen und sind bei Auftritten relativ züchtig gekleidet.

Ich habe am Anfang auch mit Bühnenklamotten gearbeitet und dachte, ich muss aussehen wie ein Star, wenn ich auf der Bühne stehe. Ich habe mich aber nicht wohlgefühlt. Ich finde hohe Schuhe schrecklich. Irgendwann habe ich dann beschlossen, dass ich auf die Bühne gehe, wie ich mich wohlfühle – mit Turnschuhen und Jeans. Das war dann ich. Zum Glück kam das beim Publikum an, und darauf möchte ich nicht mehr verzichten.

Sie haben vorhin Helene Fischer angesprochen, die wirklich Fischer heißt. Sie heißen eigentlich Mandekic. Wie kam es zu Ihrem Künstlernamen Mai?

Als ich mit „Wolkenfrei“ begann, brauchten wir drei Namen, um einzeln vorgestellt zu werden. Da dachte ich mir: „Gut, ich habe im Mai Geburtstag. Also nenne ich mich Mai.“ Das war eine Entscheidung von zwei Minuten und ich bin zufrieden mit dem Namen. Aber hätte ich gewusst, dass ich einmal solo auftreten werde, hätte ich mir vielleicht was anderes ausgedacht.

Die Assoziation zu Geigerin Vanessa Mae war Zufall?

Genau. Die Verwechslung mit ihr ist mir bisher vielleicht zwei Mal passiert.

Angenommen, ich möchte Schlagersängerin werden, was raten Sie mir?

Hm, schwierig. Bei mir waren viele glückliche Zufälle dabei. Ich war einfach am richtigen Ort. Natürlich gehört auch ein tolles Team dazu. Aber ich denke, alles, was man von Herzen macht, gelingt. Pauschalrezept gibt’s keines.

In Schlagerliedern geht es oft um das große Glück. Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie glücklich sind Sie derzeit?

Über zehn. Ganz klar.

Sie sind also wunschlos glücklich?

Ja, ich freue mich sehr auf meine Tour, meine erste große eigene Tour.

Und sonst?

Wünsche ich mir ’nen Hund, einen ganz großen. Ich weiß aber nicht, wie lange es noch dauert. Dann hätte ich gerne noch ein Haus und – noch so ein Traum – einen Garten. Und heiraten möchte ich natürlich. Dieses Jahr nicht mehr, aber vielleicht nächstes. Und Musik machen. Das wär’s.

Vanessa Mai, 24, wurde in Deutschland geboren und lebt heute in der Nähe von Stuttgart. Von klein auf wurden ihre musikalischen Ambitionen von ihren Eltern unterstützt. Der Vater, selbst Musiker, nahm seine Tochter oft zu Auftritten mit. Sie selbst stand im Schulmusical „Der Zauberer von Oz“ erstmals öffentlich als Sängerin auf der Bühne. Später schloss Mai, die eigentlich Mandekic heißt und ihren Künstlernamen nach ihrem Geburtsmonat wählte, eine Ausbildung zur Mediengestalterin ab. Im Sommer 2012 wurde sie als Sängerin für die Band „Wolkenfrei“ engagiert. Seit dem Ausstieg ihrer zwei Partner im April 2015 startet Mai als Solo-Künstlerin durch. 2016 war sie Mitglied der Jury von „Deutschland sucht den Superstar“ und gewann einen „Echo“. Seit 2013 ist das Schlagerkücken mit Andreas Ferber, dem Stiefsohn von Schlager-Queen Andrea Berg, liiert und seit kurzem verlobt.

Info: „Für Dich“, das neue Album von Vanessa Mai, ist Mitte April erschienen. Es wurde von Dieter Bohlen produziert. Vanessa Mai in Österreich: 16. 7. ORFStarnacht am Wörthersee 19. 8. Musikfestival Kitzbühel.

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