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17.08.2017

Einst Junkie, heute gefeierter Hollywoodstar

Tom Hardy spielt toughe Typen nur, weil er hofft, "sie färben auf mich ab".

Er kam im Londoner Arbeiterbezirk Hammersmith zur Welt und bezeichnet sich selbst gern als "Proletarier unter den Hollywoodstars", obwohl er mit Künstlereltern aufwuchs. Aktuell ist Tom Hardy (39) im historischen Drama "Dunkirk" zu sehen, das ihn mit seinem langjährigen Förderer, Regisseur Christopher Nolan (47), wiedervereint, der ihn schon für "The Dark Knight" (2008) und "Inception" (2010) engagierte.

Eine ungeahnt steile Karriere für einen, der in seiner Jugend mit Alkoholproblemen kämpfte, fast im Gefängnis gelandet wäre und obdachlos war. Das Interview.

KURIER: Mit 23 hatten Sie zwei Schauspielschulen mit Bravour absolviert, hatten Bühnenengagements und Filmangebote. Was ist dann passiert?

Tom Hardy: Ich bin völlig aus der Spur geraten. Ich kann mich nur glücklich schätzen, dass ich nicht einen schrecklichen Unfall hatte, hinter Gittern landete oder starb. Denn ich war auf dem besten Weg dazu. Jetzt kenne ich mein Biest und kann es kontrollieren. Es ist wie mit einem 200 Kilo schweren Gorilla zu leben, der dich töten will. Er ist viel mächtiger als du, spricht eine andere Sprache und rennt im Dunkel deiner Seele herum.

2002 gingen Sie dann freiwillig in die Reha. Warum?

Ich dachte jahrelang, ich mach ein bisschen Party, wird schon nicht so schlimm sein – und es endete immer gleich: ich war high, bekam Angstzustände an seltsamen Orten. Ich hatte Blackouts, in denen ich irgendwo aufwachte – im Bett mit jemanden, den ich nie zuvor gesehen hatte. Irgendwann gab mein Körper auf: Alter, du bist kaputt. Ich hatte Glück, dass ich nicht Aids oder Hepatitis bekam.

Was war der Grund dafür?

Was es immer ist – man rutscht da rein aus irgendeiner Rebellion heraus. Ich habe die Erwartungen nicht erfüllt – wer ich bin und wer ich hätte sein sollen.

Sie gelten als ganz harter Kerl. Sehen Sie sich selbst so?

Ich fühl mich nicht besonders männlich. Ich seh’ mich nicht so, wie ich mir einen toughen Kerl vorstelle. Deshalb spiele ich aber gern solche Typen, weil ich hoffe, dass irgendwas auf mich abfärbt. Ich imitiere sie, damit sie mir danach keine Angst mehr machen. Ich selbst bin ein Weichei, nur so ein kleiner Künstlersohn aus London. Ich kämpfe ja nicht, ich tue nur so. Aber ich mag düstere Typen – und ich kenne eine Menge davon.

Ihr größtes Vorbild ist Gary Oldman. Wie äußerte sich das?

Ich war wie ein idiotischer Fan, habe ihn dauernd imitiert. Er ist mein Hero. Ich konnte alle seine Filme auswendig nachsprechen.

Können Sie sich eigentlich selber auf der Leinwand sehen?

Ich sehe mich da nur als Stück Fleisch – andere sehen mich als das, was immer sie in mir sehen wollen. Das ist alles subjektiv. Ich weiß bloß, dass ich das Beste gegeben habe, zu dem ich fähig bin.