Pendler und Partylöwe Carl Gustaf wird 80: "König zu werden, war kein Traum von ihm"
König Carl Gustaf
Wenn der schwarze Volvo vor dem Stockholmer Schloss vorfährt, kann es gut sein, dass der König selbst am Steuer sitzt. Carl XVI. Gustaf, so suggeriert es der schwedische Dokumentarfilm "Der König und ich" von 2023, ist Pendler. Mit Königin Silvia auf dem Beifahrersitz fährt er von seinem Zuhause Drottningholm aus eine gute halbe Stunde zu seinem Arbeitsplatz in der Stadt - inzwischen seit über 50 Jahren. So lange saß noch kein Monarch vor ihm auf dem schwedischen Thron.
Sein Leben lässt sich ziemlich gut in dem Satz zusammenfassen, den die Journalistin und Filmproduzentin Karin af Klintberg in der ersten Szene von "Der König und ich" sagt: "Es stürmt um ihn herum, aber er landet auf den Füßen."
Carl XVI. Gustaf hatte es mitunter nicht leicht - in seinem jungen Leben, und auch nicht mit seinem Volk.
Plötzlich König statt Landwirt
Seinen Vater verliert der junge Prinz schon als Baby bei einem Flugzeugabsturz. Als sein Großvater stirbt und er den Thron erbt, ist er 27 Jahre alt. "König zu werden, war kein Traum von ihm", sagt die Adelsexpertin Jenny Alexandersson von der schwedischen Zeitung Aftonbladet. "Er interessierte sich für Autos, Bagger und Traktoren." Einmal habe der schüchterne Junge seine Schwester Christina wütend angeschrien, dass er auf keinen Fall König werde. Ein Grund ist seine Wortblindheit. Vor vielen Menschen zu reden ist ihm als junger Mann ein Graus. "Er mochte es nicht, wenn die Leute ihn ansahen und ständig auf ihn zukamen", erzählt Alexandersson.
Zu seiner Schulzeit schämt sich Carl Gustaf, weil ihm das Lesen und Schreiben nicht so leicht fällt wie anderen. Lieber ist er draußen in der Natur - erst als Pfadfinder, dann als Jäger und Landwirt. Auf dem Traktor fühlt sich der König wohl. Hätte er die Wahl gehabt, wäre er gerne Bauer geworden, sagt er einmal in einem Interview.
Plötzlich Liebe - Silvia wird Fels in der Brandung
Dann hätte er aber wohl Silvia Sommerlath nicht kennengelernt. Die Deutsche arbeitet bei den Olympischen Spielen 1972 in München als Chefhostess und läuft dort Carl XVI. Gustaf in die Arme. Die Funken springen über, ein paar Jahre später heiraten die beiden und bekommen drei Kinder: Kronprinzessin Victoria (48), Prinz Carl Philip (46) und Prinzessin Madeleine (43). Mit seiner Frau hat Carl XVI. Gustaf einen echten Glückstreffer gelandet. Sie steht ihm auch noch zur Seite, als 2010 das Buch "Der widerwillige Monarch" erscheint. Das zeichnet ein Bild von dem Monarchen als Partylöwen mit wilden Affären, der sich gerne mal im Rotlichtmilieu herumtreibt. Der Skandal stürzt das Königshaus in eine Vertrauenskrise. Es stürmt mal wieder um Carl XVI. Gustaf, aber er landet auf den Füßen - wohl auch dank Silvias Loyalität. "Die Königin sagte keinen einzigen Termin ab, obwohl diese Zeit für sie sicher sehr schwer war", erzählt Alexandersson. Über das Buch habe sie kein Wort verloren.
Plötzlich populär - Schweden mögen den Monarchen
Seit der Sturm vorübergezogen ist, hat der König Pluspunkte bei seinen Landsleuten sammeln können - auch durch seine modernere Sicht auf die Monarchie, meint Alexandersson. "Der König will, dass das Königshaus für alle Menschen im ganzen Land da ist." Er habe die Schlösser für die Öffentlichkeit geöffnet und schon zu Beginn seiner Amtszeit die tiefen Verbeugungen abgeschafft. Auch sein Engagement für Umwelt und Klimaschutz kommt gut an. Die Schweden haben sich an ihren König gewöhnt, und er sich an sie. "Viele kennen nur Carl XVI. Gustaf als schwedisches Staatsoberhaupt und haben sein Leben mitverfolgt", sagt Alexandersson.
In manchen Situationen gerät der Monarch heute geradezu zum Vorbild: In der Corona-Pandemie etwa sorgte er dafür, dass er bei seiner Impfung fotografiert wurde, um seinen Landsleuten Ängste davor zu nehmen. Alter und Erfahrung hätten dem Regenten mehr Selbstsicherheit verliehen, meint die Expertin. "Außerdem hat er die großartige Unterstützung der Königin. Er musste sich in seiner beruflichen Rolle nie allein fühlen."
Silvia ist natürlich auch dabei, wenn Carl XVI. Gustaf seinen 80. Geburtstag am Donnerstag (30. April) feiert. Und nicht nur sie. Zum Gala-Dinner reisen Freunde und Familie aus den europäischen Königshäusern an, darunter das dänische und das norwegische Königspaar, Kronprinz Haakon aus Norwegen und Carl XVI. Gustafs Cousine, Dänemarks Alt-Königin Margrethe II. Die hat vor einigen Jahren abgedankt und den Thron an ihren Sohn, König Frederik X. übergeben. Etwas, das für den Schweden nicht infrage kommt, meint Adelsexpertin Alexandersson: "Er wird bis zu seinem Tod Regent bleiben."
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