Nach Mette-Marits Epstein-Interview: Schwere Vorwürfe und Ermittlungen gegen TV-Sender
Prinzessin Mette-Marit und Kronprinz Haakon
Im März gab die norwegische Kronprinzessin Mette Marit ein 20-minütiges TV-Interview über ihre Verbindung zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Die lang erwarteten Erklärungen der Prinzessin zu ihrem Kontakt zu Epstein hatten die Öffentlichkeit größtenteils enttäuscht. Im Interview mit dem Sender NRK blieben viele Fragen unbeantwortet und ließen die Norweger und Norwegerinnen ratlos zurück. Auf viele Aspekte wollte die 52-Jährige nicht eingehen.
Bei dem zuständigen Sender sollen nach der Ausstrahlung des Interviews, das am 19. März aufgezeichnet und am darauffolgenden Tag veröffentlicht wurde, zahlreiche Kritiken eingetroffen sein. Norwegischen Medien zufolge wurde das Interview nun vom Rundfunkrat geprüft - wobei dort Uneinigkeit herrsche.
Mette-Marits Interview zu Epstein: Vorgehensweise des Senders kritisiert
NRK steht nun wegen mangelnder journalistischer Unabhängigkeit in der Kritik. Auslöser ist unter anderem der Vorwurf, dass der Sender die Fragen bereits im Vorfeld an das Kronprinzenpaar übermittelt haben soll - obwohl der Palast dies nicht angefordert hatte. Da zentrale Fragen dabei unbeantwortet geblieben sind, wird das Interview zudem als zu wenig informativ und zu unkritisch bewertet.
Das Interview des staatlichen Senders wurde am 29. April vom Rundfunkrat erörtert, nachdem der Sender laut finansavisen.no insgesamt 193 Beschwerden zu dem Interview erhalten hatte.
Dabei warf ein Beschwerdeführer dem NRK vor, lediglich als Sprachrohr für die Königsfamilie zu fungieren. Ein anderer war der Ansicht, dass der Sender mit der Art und Weise der Interviewführung seiner gesellschaftlichen Aufgabe nicht gerecht geworden ist.
Auch NRK nahm Stellung vor dem Rundfunkrat.
Stellungnahme von NRK
Sofie Gran Aspunvik, Redakteurin der NRK-Nachrichtenredaktion, verteidigte indes die Vorgehensweise des Senders: "Wir hielten es für wichtiger, der Kronprinzessin die zentralen Fragen des Falls zu stellen und ihre Antworten darauf zu hören, als sie mit vorab unbekannten Fragen zu überraschen." Laut Aspunvik wollte NRK die kurze Interviewzeit von zwanzig Minuten optimal nutzen und die Angelegenheit, die in die Vergangenheit zurückreicht, so detailliert wie möglich beleuchten. "Es ist uns wichtig zu betonen, dass NRK die Fragen selbst ausgewählt hat und nicht der Palast sie angefordert hat", erklärte die Redakteurin.
NRK habe die Fragen frei stellen können und es habe keine Einschränkungen gegeben.
"Wie ein Podcast des Palasts"
Ratsmitglied Anders Anundsen zeigte sich wenig beeindruckt von der Stellungnahme. Seiner Ansicht nach hätte das Interview inszeniert gewirkt. In seiner Tirade gegen den Sender behauptete er, dass es sich genauso gut um einen "Podcast des Königshauses" hätte handeln können - aufgenommen vom Kommunikationsdirektor des Palastes. Das Interview habe keinen klaren Mehrwert geboten, was in seinen Augen in einer so wichtigen Angelegenheit von entscheidender Bedeutung sei. Er erklärte, dass die Vorabzusendung dieser Fragen "darauf hindeutet, dass diese Befragte ganz anders behandelt wird als andere".
Der stellvertretende Vorsitzende des norwegischen Rundfunkrats, Jarle Roheim Håkonsen, stimmte Anundsens Analyse weitgehend zu, nicht aber der scharfen Kritik. "Hätte sich die Kronprinzessin an mehr erinnern und klarer antworten können, wäre der Journalismus kaum als schwach wahrgenommen worden. Hätte man die gewünschten Antworten gegeben, wäre die Bewertung anders ausgefallen", lautete sein Kommentar.
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