König Charles, der Umweltaktivist: In neuer Doku kommt auch Harry vor

König Charles III. hält ein Getränk in einem formellen Rahmen.
Superstar Kate Winslet führt durch die Doku "Finding Harmony: A King's Vision".

"Kommt schon!", ruft der König den gackernden Hühnern zu, als er gemächlich mit zwei Strohkörben durch seinen grünen Garten spaziert und einen Stall betritt. "Cluckingham Palace" - angelehnt an den Buckingham Palace - heißt das Zuhause des Federviehs, dessen frische Eier Charles III. vorsichtig aus dem Nest fischt. Szenen wie diese der neuen Royal-Doku "Finding Harmony: A King's Vision", zeichnen das Bild eines Monarchen, der schon immer eins mit Natur und Umwelt war.

Und, der sich genau deshalb seit Jahrzehnten für deren Erhalt einsetzt. "Ich hatte einfach das Gefühl, dass dies der Weg war, den ich einschlagen und beibehalten würde. Ein Kurs, den ich festgelegt hatte, und von dem ich mich nicht abbringen lassen wollte", erzählt Charles in der Doku, die ab Freitag (6. Februar) auf Prime Video in mehr als 240 Ländern zu sehen ist. 

In dem eineinhalbstündigen Film besucht der 77-Jährige allerdings nicht nur seine Hühner. Vielmehr wird von Charles' frühem Umweltaktivismus und seiner "Philosophie der Harmonie" berichtet, die - so seine Hoffnung - viele Menschen über die Jahre zu mehr Umweltbewusstsein inspirieren sollte.

Häme statt Anerkennung

Durch die Dokumentation führt die britische Schauspielerin Kate Winslet (50, "Titanic"). Auch Wissenschafter und Wegbegleiter des Königs, etwa von seiner Organisation King's Foundation, kommen zu Wort. Und selbst Charles' Söhne hüpfen in manchen Szenen durchs Bild. So wird gezeigt, wie Charles dem kleinen Harry das Angeln beibringt oder mit dem noch recht jungen William einer Herde Kühe einen Besuch abstattet.

Untermalt von Archivmaterial und vielen mächtig wirkenden Naturaufnahmen erzählt Winslet, wie Charles bereits in einer seiner ersten öffentlichen Reden von den "erschreckenden Auswirkungen der Umweltverschmutzung" sprach - eine für ein Mitglied der Königsfamilie damals noch ungewöhnliche Praxis, wie Winslet betont.

"Als ich in den Sechzigern ein Teenager war, sah ich, wie um uns herum so viel zerstört wird", erinnert sich Charles, als ihm auf einem roten Stuhl sitzend Aufnahmen seines Lebensweges auf einer Leinwand vorgespielt werden. Schon damals sei ihm klar gewesen: "Das geht zu weit."

Auf viel Verständnis stieß der damalige Thronfolger mit seinen Sorgen jedoch zunächst nicht. Für viele seiner Aussagen und Projekte erntete er Stirnrunzeln statt Anerkennung. Als er sich etwa auf seinem Anwesen Highgrove in biologischer Landwirtschaft versuchte und offenbarte, dass er auch mal mit den Pflanzen spreche, schrieb die Times von "einer Art Aussteigerprogramm für Hippies". Schlagzeilen wie diese hätten den damaligen Prinzen gekränkt, erinnert sich ein Wegbegleiter in der Dokumentation.

Die Menschheit zerstöre ihre Lebensgrundlagen immer weiter, warnt Charles auch Jahrzehnte später noch. "Es geht rapide rückwärts. Das sage ich schon seit 40 Jahren", erklärt er sichtlich bewegt und mit ernster Miene, bevor er den Blick senkt. "Ich kann nur das tun, was ich kann, und das ist nicht sehr viel."

Dennoch habe er nicht aufgegeben und versucht, seine Theorie der Harmonie des Menschen mit der Natur immer wieder an Menschen heranzutragen, wie der König selbst erklärt. "Ich habe versucht zu zeigen, wie Harmonie in der Praxis funktionieren kann, anstatt nur über all diese Dinge zu reden."

Erdäpfel statt Prunk

Die Dokumentation zeigt - gewollt oder nicht - ein etwas anderes, nahbares Bild eines Königs, der sich unermüdlich für seine Anliegen einsetzt. Keine Kutschen, keine Kronen, kein Glitzer. Stattdessen wird immer wieder ein Mann vor die Kamera geholt, der Bäumchen zurechtstutzt, Eier einsammelt und die geeignete Sorte für die knusprigen Kartoffeln anbaut, die er, wie er selbst sagt, so gerne auf seinem Teller hat. Alles im Einklang mit der Natur. Dass dieser Mann der König Großbritanniens ist, wirkt fast wie eine Nebensache.

Ein Sprecher des Königs sprach der Nachrichtenagentur PA zufolge zuletzt von einem Film, der "neue Maßstäbe für royale Dokumentarfilme" setzen soll. Es gehe dem König um eine "sehr persönliche Auseinandersetzung" mit seinen eigenen Ideen und seinem Lebensweg.

Wenn Charles mitsamt Gehstock durch seinen riesigen Garten wandelt und über seine Liebe zur Natur und sein Umweltengagement spricht, wirkt dies tatsächlich ehrlich und wenig aufgesetzt. Die Hoffnung, dass die Menschheit das Ruder doch noch herumreißt, will er ohnehin nicht aufgeben: "Vielleicht wird es, wenn ich diese Welt einmal verlassen habe, etwas mehr Bewusstsein geben für die Notwendigkeit, die Dinge wieder zusammenzufügen."

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