Adelsexpertin: Wo William als König wohl nicht in Charles' Fußstapfen treten wird
Prinz William
Als Oberhaupt der anglikanischen Kirche von England ist König Charles III. auch "Defender of the Faith" - Verteidiger des Glaubens. Sein Sohn William wird diese Rollen einmal mit seiner Thronbesteigung übernehmen. In Sachen Religion hält sich der Thronfolger bislang aber noch eher zurück.
Der britischen Adelsexpertin Jennie Bond zufolge könnte sich daraus auch nur unter bestimmten Umständen ein Problem ergeben. Im Gespräch mit der Zeitung Mirror sagte sie: "Ich denke, es wird nur dann zu einer heiklen Situation, wenn die Kirche beschließt, daraus eine zu machen. Ich bewundere Williams Ehrlichkeit in Bezug auf seinen Glauben. Er hat vielleicht nicht den gleichen tiefen Glauben wie seine Großmutter oder die Spiritualität seines Vaters, aber er hat deutlich gemacht, dass er die Bedeutung der Kirche anerkennt und dass er sich dafür einsetzt, eine 'starke und bedeutungsvolle Verbindung' zur Church of England aufzubauen. Das ist Teil seiner zukünftigen Rolle, und er ist sich dessen bewusst."
William "kein regelmäßiger Kirchgänger"
Es sei bekannt, dass William "kein regelmäßiger Kirchgänger ist", so Bond. "Aber er ist sich vollkommen bewusst, dass er eines Tages das Oberhaupt der Church of England sein und den Titel 'Verteidiger des Glaubens' tragen wird. Er ist nicht dumm." Mit Blick in die Zukunft sagt sie dem Mirror: "Charles versuchte, 'defender of faith' (etwa: Verteidiger von jedem Glauben) zu werden – ein weitaus inklusiverer Begriff – aber seine Idee stieß auf allerlei Widerstand. Es ist also unwahrscheinlich, dass William versuchen wird, allzu viel aufzurütteln. Er wird seine Rolle auf seine eigene, ruhige Art angehen, und ich denke, das ist viel besser, als heuchlerisch vorzugeben, einen tiefen persönlichen Glauben zu haben. Es wurde berichtet, dass Catherine infolge ihrer Krebsdiagnose einen stärkeren Glauben entwickelt hat, und William könnte sich von ihr beeinflussen lassen."
Charles wollte Bezeichnung "Verteidiger des Glaubens" umdeuten
Als Charles 1994 laut darüber nachdachte, dass er die Bezeichnung "Verteidiger des Glaubens" als "Verteidiger aller Religionen im Königreich" verstehe und vielleicht sogar die Krönungszeremonie oder den Krönungseid entsprechend ändern lassen würde, wurde er attackiert. Er war - wie in vielen anderen Dingen auch - seiner Zeit voraus. 2012, zu ihrem 60-jährigen Thronjubiläum, hielt Elizabeth II. eine Rede, in der sie genau das zum Ausdruck brachte, was ihr Sohn schon viele Jahre zuvor angedacht hatte. "Die Aufgabe der Church of England ist nicht, den anglikanischen Glauben zum Nachteil der anderen Religionen zu verteidigen. Nein, stattdessen hat die Church of England die Pflicht, die freie Ausübung aller Religionen im Land zu beschützen. Tatsächlich hat die Kirche eine Umgebung geschaffen, in der andere Glaubensgemeinschaften und Menschen ohne Glauben frei leben können." Mit dieser Grundsatzrede verlieh sie den Gedanken ihres Sohnes die königliche Zustimmung und zeigte, dass sie die Veränderungen im Land klar erkannte.
Mittlerweile fühlen sich viele Menschen keiner Religion mehr zugehörig. Charles, der sich selbst als verankert im anglikanischen Glauben sieht, zeigt eine große Offenheit gegenüber anderen Religionen.
Religion und Spiritualität sind wichtige Themen für ihn. In einem BBC-Interview vom Februar 2015 ging er noch einmal auf die Frage ein, wie er seine Rolle als "Verteidiger des Glaubens" sehen würde. Er gab zu, damals hätte er seine Ideen eher unklar vermittelt. Er wolle bei der traditionellen Formulierung bleiben, verstehe sich aber als Beschützer aller Glaubensgemeinschaften - und bezog sich dabei auf besagte Ansprache der Queen.
Kommentare