Adelsexpertin: Warum Queen Elizabeth Sohn Andrew so lange schützte
Charles, Königin Elisabeth und Andrew (2019)
Im vergangenen Jahr hatte ihm sein Bruder König Charles III. seinen Prinzen-Titel entzogen - an seinem 66. Geburtstag im Februar wurde er von der britischen Polizei festgenommen: Andrew Mountbatten-Windsor gerät immer tiefer in den Strudel des Skandals um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Ihm wird vorgeworfen, als Handelsgesandter vertrauliche Berichte an Epstein weitergegeben zu haben.
Epstein-Opfer Virginia Giuffre hatte Andrew vorgeworfen, sie mehrmals missbraucht zu haben, auch, als sie noch minderjährig gewesen war. Diese Vorwürfe stritt Andrew stets ab. Epstein hatte jahrelang einen Missbrauchsring mit einer bis heute unbekannten, hohen Zahl an Opfern betrieben.
Die 2022 gestorbene Königin tat sich schwer damit, ihren angeblichen Lieblingssohn zu verstoßen. Für Aufsehen sorgte, dass sie ihn dennoch auswählte, um sie zu einer wegen der Corona-Pandemie erst mit Verspätung abgehaltenen Trauerfeier für ihren Mann Prinz Philip in die Westminster Abbey zu begleiten. Das wurde als Signal gedeutet, dass die Königin weiterhin zu ihrem zweitältesten Sohn hält.
Queen "sah keinen Widerspruch zwischen Monarchie und Schutz ihres Sohnes"
Die britisch-amerikanische Adelsexpertin Autorin Catherine Mayer ("Charles III. - mit dem Herzen eines Königs") glaubt, den Grund dafür zu kennen. "Sie sah keinen Widerspruch zwischen der Monarchie und dem Schutz ihres Sohnes", sagt sie im Gespräch mit dem Magazin People. "Das eine war ihre Pflicht als Monarchin, das andere ihre Pflicht als Mutter – und sie war der Meinung, dass diese beiden Dinge vollkommen miteinander vereinbar waren."
Nur Monate nachdem Epstein in einer New Yorker Gefängniszelle 2019 tot aufgefunden wurde, ließ sich Andrew zu einem Interview mit der BBC hinreißen. Doch was als Befreiungsschlag gedacht war, wurde zum PR-Desaster. Andrew ließ kaum Mitleid mit den Opfern Epsteins erkennen. Er bereute nicht einmal, mit ihm befreundet gewesen zu sein. Als er mit Giuffres Vorwürfen konfrontiert wurde, stritt er ab, sie jemals getroffen zu haben. Dabei gibt es ein Foto, das die beiden Arm in Arm zeigt, Andrews Hand ruht dabei auf der Hüfte von Giuffre. Laut Giuffre stand Epstein hinter der Kamera.
Sind Sie Opfer einer Straftat geworden? Informationen, kostenlose Beratung und Unterstützung erhalten Sie bei der Verbrechensopferhilfe WEISSER RING. Telefonberatung unter: 0800 112 112
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In dem Interview tischte Andrew zudem krude Alibis auf, wie den Besuch im Restaurant einer Pizza-Kette, an den er sich deswegen so gut erinnern könne, weil das normalerweise nicht sein Niveau sei. Dann behauptet er, nicht schwitzen zu können, weil er im Falkland-Krieg einen übermäßigen Adrenalinschub erlitten habe. Giuffre hatte sich an seine Schweißausbrüche erinnert. Das Interview wurde zum Schlusspunkt seiner offiziellen Rolle als Repräsentant für das Königshaus. Andrew musste seine Aufgaben niederlegen. Später erkannte ihm die Queen seine militärischen Ehrenränge ab.
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