Adelsexpertin: Persona non grata Andrew spaltet im Hintergrund die Royal Family

Seit längerem gilt Ex-Prinz Andrew als Persona non grata, als jemand, mit dem niemand etwas zu tun haben möchte - zumindest offiziell.
Die königliche Familie, darunter König Charles, Prinz William und Prinzessin Kate, winkt vom Balkon des Buckingham-Palasts.

Schon seit Längerem gilt der britische Ex-Prinz Andrew als Persona non grata, als jemand, mit dem niemand etwas zu tun haben möchte. Andrew musste seine Umzugskartons packen und aus der Royal Lodge in Windsor ausziehen - verfügt hatte das sein älterer Bruder, König Charles III. In seine neue Bleibe in Sandringham in der englischen Grafschaft Norfolk ist er als Andrew Mountbatten-Windsor eingezogen. 

Am traditionellen Ostergottesdienst auf Schloss Windsor durfte Andrew dementsprechend nicht mehr teilnehmen. Im Zuge des Skandals um US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein war er zwischenzeitlich festgenommen worden.

Der 66-Jährige wurde aus der Familie verbannt - zumindest offiziell. Britischen Medienberichten zufolge soll Andrew mit Schwester Prinzessin Anne und Bruder Prinz Edward in Kontakt stehen. Edward und dessen Ehefrau Herzogin Sophie sollen ihn zu Ostern in seinem neuen Haus, der sogenannten Wood Farm zum Dinner besucht haben, schreibt der Mirror. Anne habe telefonischen Kontakt zu Andrew gehabt, heißt es. Charles und Prinz William sollen kein Interesse an Besuchen haben.

Zukunft der Monarchie steht auf dem Spiel

Der britischen Adelsexpertin Jennie Bond zufolge gebe es Gründe für die Spaltung innerhalb der Familie. Im Mirror-Gespräch analysiert sie: "Ich denke, dies ist ein Beispiel für die Trennung zwischen der Institution der Monarchie und der königlichen Familie. Der König und sein Thronfolger William haben ein persönliches Interesse daran, die Monarchie zu schützen – und sehen es als ihre Pflicht an, dies zu tun. Andrew stellt eine Bedrohung für den guten Ruf der Monarchie dar, und deshalb halten sowohl Charles als auch William Abstand. Ich bin sicher, dass Anne und Edward die gleiche Loyalität gegenüber der Krone empfinden, aber sie haben auch etwas mehr Freiheit, den Kontakt zu ihrem Bruder Andrew aufrechtzuerhalten. Und es scheint, als täten sie dies."

Dem früheren Prinzen wird Fehlverhalten in einem öffentlichen Amt vorgeworfen. Er soll in seiner früheren Rolle als Handelsbeauftragter Informationen an den US-Finanzier Epstein weitergeleitet haben. Vorwürfe, bei denen es um mutmaßliche Sexualdelikte ging, hatte Andrew immer zurückgewiesen.

Charles hatte öffentlich erklärt, die Polizei bei etwaigen Ermittlungen gegen Andrew unterstützen zu wollen - ein ungewöhnlicher Akt für die sonst unter so vielen ungeschriebenen Gesetzen handelnden Royals.

Aus Sicht des Autors Andrew Lownie war dieser Schritt längst überfällig. Die königliche Familie stehe derzeit "an einem Scheideweg", so der Adelsexperte. Wie sie mit dem Skandal um Andrew umgehe, habe auch Bedeutung für die Zukunft der britischen Monarchie. "Sie müssen den Stall ausmisten, bevor William das Amt übernimmt, denn er will dieses Problem nicht erben", ist sich Lownie sicher, der damit auf Prinz William verweist. 

Ansonsten drohe die Monarchie unter Charles in die Bedeutungslosigkeit zu rutschen, warnt Lownie. "Er kann entweder als jemand angesehen werden, der die Monarchie geprägt hat, oder als jemand, der im Grunde genommen zugelassen hat, dass sie irrelevant geworden ist."

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