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02.07.2017

Ricky Martin: "Würde mich nochmal outen"

Der Latino-Star über Sexszenen, Liebesheirat und sein Coming-out.

Pop-Star Ricky Martin (45) lebt das "Vida Loca", über das er schon, als ihn der weibliche Teil der Weltbevölkerung zwischen acht und achtundachtzig anhimmelte, vor 20 Jahren gesungen hat. Der Unterschied zu damals ist, dass er es seit 2010 offen als Homosexueller macht. Wie passend, dass er nun Designer Gianni Versaces ( Juli 1997) Liebhaber Antonio in der TV-Serie "American Crime Story" spielt. Der KURIER traf den Latin Lover in der Versace-Villa in Miami.

Ein sehr offenes Gespräch über Sexszenen, Liebesheirat und sein Coming-out:

KURIER: Sie hatten lange den Ruf des Ladykillers, dem alle Frauen zu Füßen fallen. Wann war der Punkt gekommen, sich zu outen?

Ricky Martin: Ich hatte so lange ganz große Angst davor. Angst, dass ich meine Fans verlieren würde, Angst, angegriffen zu werden. Ich wusste, es würde eine Riesensache werden, und das war sie auch, aber in einer ganz anderen Hinsicht. Denn es war großartig. Wenn ich gewusst hätte, wie gut ich mich fühlen würde, hätte ich mich schon viel früher geoutet! Ich würde es am liebsten nochmal tun. Die Liebe, die mir aus der ganzen Welt zu Teil wurde, war fantastisch. Aber, gut Ding braucht Weile. Man kann das nicht erzwingen. Ich mache immer den Vergleich mit dem Ei. Wenn du ein Ei von außen öffnest, ist es der Tod. Wenn es sich von innen öffnet, dann schenkt es Leben.

Wie ist Ihr Leben derzeit?

Ich bin der stolze Vater von zwei wunderbaren Zwillingsbuben, und ich habe einen wundervollen Mann an meiner Seite, den ich bald heiraten werde. Wir leben in L.A. und Las Vegas.

Hatten Sie auch mal richtige Misserfolge?

Als ich begann, einen nach dem anderen! Ich habe ja schon mit 12 unbedingt Sänger sein wollen, und meine einzige Chance war, Mitglied einer Boyband zu werden. Die haben mich viermal abgelehnt, und auch, als sie mich endlich aufgenommen haben, waren wir nicht rasend erfolgreich. Und weil ich das jüngste und neueste Mitglied war, haben sie mir die Schuld dafür gegeben. Das tut weh, besonders wenn du so jung bist.

Sie stehen gerade als Gianni Versaces Lover in "American Crime Story" vor der Kamera. Können Sie sich an den Tag seines Mordes erinnern?

Ja, ich habe ja damals in Miami gelebt. Ich kam gerade aus Europa zurück und merkte sofort, wie sich die Atmosphäre verändert hatte. Der Aktienmarkt brach zusammen. Die Leute hatten Angst um ihr Leben, weil da ein Killer frei herumlief. Madonna, Sylvester Stallone, die Bee Gees, sie alle verkauften ihre Villen. Ich war damals zwar das Testimonial für Giorgio Armani, also die Konkurrenz, aber die Bedeutung die Versace für uns Schwule hatte, hat mich stark beeinflusst, denn er war der erste Modedesigner, der sich outete.

Sie drehen auch hier in der Casa Casuarina, Versaces Villa. Gehörten Sie in den 1990er Jahren zu seiner Miami-Clique?

(Lacht) Ich wünschte! Ich lebte hier 15 Jahre und war nie eingeladen! Keiner wollte mich. Ich hörte nur immer von den aufwendigen Partys, die hier gefeiert wurden.

Es gibt hier eine Dusche für acht und in Versaces Bett können auch so viele schlafen. Haben Sie Bedenken wegen Nackt- und Sexszenen?

Wir haben noch keine Nacktszene in der Dusche gedreht, aber schon eine Sexszene. Aber die war mit Edgar Ramirez, der Gianni spielt, und wir kennen uns schon sehr lange. Wir gehören der Latino-Community an, und haben kulturell sehr viel gemeinsam. Er ist wie ein Bruder für mich.