Werner Herzog

© APA/AFP/ALBERTO PIZZOLI

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07/30/2020

Regisseur Werner Herzog: „Endlich habe ich richtig Geld verdient“

Der Regisseur ist in der Erfolgsserie „Mandalorian“ Schauspieler, dreht auf Japanisch und hat sich einst mit Kinski betrunken.

von Elisabeth Sereda

Der Münchner Meisterregisseur Werner Herzog (77) übersteht die strikte Quarantäne in Kalifornien in seinem Haus in Los Angeles. In 50 Jahren hat er unfassbare 74 Filme gemacht.

Er erzählt dem KURIER, warum er auf einmal japanische Filme dreht, wie sehr er seine Arbeit vor der Kamera in „Mandalorian“ genoss und dass er den guten alten Zeiten nachweint, in denen er sich mit dem so genialen wie gefürchteten Enfant terrible Klaus Kinski (1926-1991) in Salzburg hemmungslos der Trunksucht hingab.

KURIER: Sie haben einen neuen Film, „Family Romance“, auf Japanisch gedreht. Sprechen Sie denn Japanisch?

Werner Herzog: Nein. Ich brauchte für alles einen Übersetzer. Aber ich bin an allererster Stelle ein Geschichtenerzähler, und diese Geschichte musste erzählt werden. Und ich wollte sie authentisch machen, nicht mit englischsprachigen Schauspielern besetzen. Dieses Thema ist japanisch, über eine Firma, bei der man verlorene Familienmitglieder mieten kann, die vorgeben echt zu sein, um ein Kind oder einen Ehepartner glücklich zu machen. Das ist ein Phänomen, das es derzeit nur in Japan gibt.

Haben Sie wahre Geschichten erzählt?

Nein, ich habe sie erfunden. Aber die Firma gibt es. Ich war ja immer schon an Themen interessiert, die sich mit menschlichen Zuständen auseinandersetzen, egal, ob „Aguirre“, „Kaspar Hauser“ oder bei„Grizzly Man“.

Machten Sie alles selbst?

Ja. Ich schreibe, führe Regie und bin mein eigener Kameramann. Ich mag diese Art zu drehen, im Guerilla-Stil. Das habe ich bei „Aguirre, der Zorn Gottes“ (1972) so gemacht, als wir auf Holzbooten im Amazonas gedreht haben, in „Queen oft the Desert“ (2015) mit Nicole Kidman, „Rescue Dawn“ (1997) mit Christian Bale und „Bad Lieutenant“ (2009) mit Nicolas Cage, die ich ja alle nicht engagiert habe, weil sie so berühmt, sondern weil sie so talentiert sind. So arbeite ich. Ich bin da nicht der Einzige. Steven Soderbergh (US-Regisseur, Autor und Kameramann) arbeitet ganz genauso. Er ist brillant.

Wie war es zur Abwechslung einmal, als Schauspieler in „Mandalorian“ Anweisungen anderer zu befolgen?

Ich habe es sehr genossen, auch deshalb, weil ich endlich richtig Geld verdient habe. Aber ich war nur in drei Teilen, dann haben sie mich ja gekillt.

Es waren Ihre Filme, die Kinski groß machten. Wie wussten Sie, dass er gut ist?

Ich folgte meinem Bauchgefühl. Er hatte damals 150 mittelmäßig bis schlechte Filme gemacht, keiner hat ihn ernstgenommen.

Sie waren oft in Österreich, mit welchen Erlebnissen?

Ich war mit Kinski von München auf dem Weg nach Süditalien im Bus unterwegs, den wir gemietet hatten. Mit Bierfässern als Gastgeschenk für die Italiener. Die haben ein Fass aufgemacht, bevor wir Salzburg erreichten. Ich hatte meine Schreibmaschine mit, weil ich an „Aguirre“ arbeitete. In Salzburg waren alle besoffen und kotzten mir in die Schreibmaschine. Ein Zeichen für mich, dass es eine großartige Geschichte war!

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