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01.04.2012

Peter Puskas: "Ich bin freiwillig abgetreten"

Heimlich, still und leise verkaufte Peter Puskas alias Puschi sein In-Beisl und gibt die schönsten Anekdoten zum Besten.

Irgendetwas stimmt nicht an diesem Bild. Peter Puskas alias Puschi sitzt mit seiner Frau Angela bei einem gemütlichen Kaffee im "Kanzleramt" und sagt: "Zahlen, bitte!"

Am 16. Februar wurde der legendäre Wirt 65, am nächsten Tag verkaufte er sein In-Beisl im Wiener Regierungsviertel: "Ich bin sozusagen der längstdienende Kanzler und freiwillig abgetreten." Das Angebot war gut, das Geschäft mittlerweile schleppend. Die Gemütlichkeit, die Stammgäste wie Karl Spiehs, Elfriede Ott und viele mehr genossen, verpuffte irgendwie mit dem Rauchverbot. "Vielleicht mache ich irgendwann mal wieder ein kleines Lokal auf, ohne Nachtgeschäft."

Seit drei Wochen ist Puschi nun in "Pension", den KURIER empfing er dennoch an jenem Ort, an dem so viele Geschichten passiert sind: "16 Jahre, das ist eine lange Zeit – vier Kanzler-Perioden. Insgesamt habe ich fünf Kanzler verbraten." Aber nicht alle bekocht.

Den Mittagstisch beanspruchten sehr gerne Viktor Klima (er war ganz wild auf die gerösteten Knödeln) und Wolfgang Schüssel, da das Restaurant ja tatsächlich nur einen Steinwurf vom echten Kanzleramt entfernt liegt. Zu Schüssel sagte Puschi zum Gruße das herrlich wienerische "du, Herr Bundeskanzler". Man kannte einander schon lange vor dem großen Amt. Puschi arbeitete 1977 bei Radio Adria und interviewte den damaligen Generalsekretär des Österreichischen Wirtschaftsbundes. Jahre später servierte er Schüssel Grießnockerl-Suppe mit zwei Grießnockerln, aber ohne Gemüse, Spiegelei mit Spinat und Palatschinken. Puschi: "Er wollte partout nur Marillenpalatschinken. Ich ging in die Küche, der Koch machte mir Preisbeerpalatschinken, da die Marillenmarmelade aus was. Doch Schüssel schickte sie zurück. Das ging ein paar Wochen so, bis Wolfgang eines Tages aufstand, ganz ohne Bodyguard zum Meinl am Graben marschierte, und mit einem Glas Marillenmarmelade wiederkam."

Auf Du und Du mit der ganzen Welt von Österreich zu sein, das gehört nun mal zu einem guten Gastgeber wie das Salz in die Suppe. Puschi: "Einer unserer Stammgäste war der Professor Fritz Molden. Als er auf sein Taxi wartete, lud ich ihn auf ein Fluchtachterl ein. Er sagte zu mir, er trinke das aber nur, wenn der Wirt von hier zu ihm Fritzi sage. Das war schon ein sehr berührender Moment."

Nur ein Mal, auch weil er es kein zweites Mal erleben wollte, sprach Puschi das einzige Lokal-Verbot in den 16 Jahren aus: " Helmut Elsner hat mit einem Gast geschrien, weil dieser seinen Hund schief angeschaut hätte. Aber wenn hier einer geschrien hat, dann war das der Wirt. Die Ruth hat dann noch gefragt, ob sie aufessen darf, doch Elsner zog wütend mit ihr von dannen."