Stars
27.06.2017

Patrick Knapp: Der Advokat der Superstars

Wie Patrick Knapp-Schwarzenegger zum Topjuristen Hollywoods wurde.

Wenn "Ghost Rider" Nicolas Cage Rat braucht, wenn "The Transporter" Jason Statham seine Verträge ausgehandelt haben möchte oder wenn Action-Legende Jackie Chan juristischen Beistand benötigt, dann wählen alle drei eine Nummer, nämlich die von Patrick Knapp-Schwarzenegger (49), seines Zeichens Star-Anwalt und der Neffe von Gouvernator Arnold Schwarzenegger. Mit drei Jahren verlor er seinen Vater Meinrad (verstarb 1971 bei einem Unfall), mit 19 holte ihn Arnie in die USA. Der KURIER traf den charismatischen Advokaten im Park Hyatt Vienna zum Interview

KURIER: Sie sind ja der Anwalt der Superstars wie Nicolas Cage, Jason Statham, Jackie Chan oder Conor Mc. Gregor, haben aber auch selbst einen sehr berühmten Namen, war das immer von Vorteil oder manchmal auch etwas Bürde?

Knapp-Schwarzenegger: Das ist immer zweischneidig, natürlich ist es manchmal ein Vorteil und natürlich ist es manchmal auch ein Gewicht. Mit diesem Namen trägt man natürlich eine gewisse Verantwortung. Aber es war für mich immer wichtig, dass ich meine eigene Identität kreiere. Deswegen war ich auch als Student und dann beruflich immer mit dem Namen meiner Mutter (Knapp) aktiv. Gerade in jungen Jahren ist es wichtig, dass man seine eigene Identität kreiert und für seine eigenen Qualitäten und Leistungen beurteilt wird und nicht wegen des Namens besser oder schlechter. Das Gleiche gilt für unsere Kinder. Seid stolz auf Euren Namen, aber vergesst nie, dass ihr dazu noch nichts beigetragen habt.

Der Name steht ja auch für einen unfassbaren Erfolg. Was ist Erfolg für Sie, was macht Erfolg aus oder wie kann man erfolgreich sein? Gibt es irgendein Grundrezept?

Ich glaube nicht, dass es Grundrezept gibt, jeder definiert Erfolg und erreicht ihn wie es für einen selbst wichtig ist. Harte Arbeit und Talent sind sicher zwei wichtige Eigenschaften und dann gehört natürlich auch Glück dazu. Und es ist auch immer wichtig, dass man Hilfe von anderen anerkennt. Wo wäre ich heute, wenn mich mein Onkel nicht nach Amerika gebracht hätte? Es gibt diesen „Selfmade Man“ eigentlich nicht, man braucht immer Unterstützung von anderen. Und dann kann man Erfolg in verschiedenen Bereichen haben, ob es nun im Beruf ist, ob es in der Familie ist. Also ich bin stolz auf viele Sachen, die ich bis jetzt erreicht habe. Ich kam als Immigrant in die USA und bin Partner in der mächtigsten Anwaltskanzlei Hollywoods, bin seit zwölf Jahren glücklich verheiratet und habe vier tolle Kinder. Das ist Erfolg.

Als Anwalt von Klienten mit wirklich prominenten Namen verhandeln Sie auch Verträge mit Summen, die wir uns so gar nicht vorstellen können. Was sind da die kuriosesten Geschichten?

Ich muss dann natürlich auch aufpassen und kann nicht zu viel ausplaudern (lacht), denn diese Klienten, die einen gewissen Spleen haben, sind auch dafür bekannt, dass sie diesen Spleen haben. Jeder hat so seine Eigenheiten und Eigenschaften. Als Anwalt und als Berater ist es dann für mich wichtig, dass ich das anerkenne, und weiß, wie ich damit umgehe, damit ich dann effizient bin in meiner Beratung. Hollywood ist natürlich dafür bekannt, dass es sehr exotische Charaktere gibt. Ich habe täglich damit zu tun, das macht aber wiederum Spaß, denn dieses Element der Unberechenbarkeit macht meinen Job dann auch wieder spannend.

Sie sind ja auch Berater ihres Onkels. Wie würden Sie ihn charakterlich beschreiben, wie erleben Sie ihn, wie empfinden Sie ihn?

Ich kenne natürlich mehrere Seiten von ihm. Ich kenne Arnold, den Familienmenschen, den Freund, und dann kenne ich ihn auch beruflich als zielstrebigen Menschen, der sich Ziele setzen kann und Sachen bewegen kann. Ihm wurde sein ganzes Leben gesagt, das schaffst du nie, ob es jetzt die Bodybuilding-Karriere war, ob es in Hollywood war oder als Gouverneur. Aber Arnold hat ein unheimliches Talent, sich Ziele zu setzen und diese dann zielstrebig zu verfolgen. Menschen verstehen und wissen auch gar nicht wie hart er an seinem Erfolg arbeitet. Und er hat nie Angst zu versagen oder zu fallen, sucht nie die Sicherheit, sondern er geht voll auf sein Ziel los. Wenn er fällt, was ja auch schon öfters vorkam und was ja jedem schon mal passiert, dann rappelt er sich wieder auf und macht wieder da weiter wo er aufhörte. Das bewundere ich sehr an ihm.

War er auch irgendwie Vaterersatz?

Ja, sicherlich. Mein Vater ist ja früh gestorben, als ich ein kleines Kind war. Und er hat mich dann unter seine Fittiche genommen, hat sich sehr um mich gekümmert, hat mich dann auch nach Amerika gebracht und war finanziell, sowie als Beispiel und Berater für mich da, er war ein Onkel, eine Vaterfigur, bester Freund, einfach alles in einem.

Er ist ja sehr politisch und bezieht auch offen Stellung zu Donald Trump. Wie schätzen Sie die politische Lage in Amerika ein? Sie sind ja auch Österreicher und haben die Staatsbürgerschaft, aber ihr Leben, ihre Familie ist in Amerika.

In Amerika gibt es derzeit einen großen Spalt, aber den gibt es nicht erst seit Donald Trump. Und den gibt es ja auch nicht nur in den USA, denn man sieht es zum Beispiel ja auch in der Politik in Österreich. Wir hatten ja jetzt gerade Präsidentschaftswahlen, wo es sehr knapp herging und wo das Land sehr gespalten war zwischen zwei Extremen. Und das Gleiche war auch in Frankreich der Fall. Es gibt zurzeit viele innenpolitische Spannungen, wir machen das gleiche in den USA mit. Wir hatten eine sehr harte Wahl und viele Leute machen sich Sorgen um den Kurs des Landes. Natürlich mache auch ich mir Gedanken und frag mich manchmal, ist das der richtige Kurs, aber das Wichtige ist immer, dass man nicht gegen etwas ist, sondern dass man für etwas ist. Also Arnold und ich sind nicht generell gegen Donald Trump, sondern wir sind für den Umweltschutz. Das ist ein sehr wichtiges Thema und Präsident Trump hat sich leider entschieden, dass es für ihn nicht so wichtig ist. Unsere Kinder verdienen es, eine saubere Luft und ein sauberes Wasser zu haben, und wir haben in Kalifornien schon gezeigt, dass sich das auch wirtschaftlich rechnen kann, denn Kalifornien hat als Vorreiter der erneuerbare Energien ein höheres Bruttosozialprodukt als der Durchschnitt der anderen Bundesstaaten. Gerade deshalb fühlt sich unsere Familie dann verpflichtet, dass man sich auch für den Umweltschutz ausspricht und sagt: Das ist der falsche Weg, Herr Präsident.

Weil Sie Ihre Familie ansprechen: Was möchten Sie Ihren vier Kindern mit auf Ihren Lebensweg geben?

Ich möchte meinen Kindern eine perfekte Mischung zwischen Österreich, Europa auf der einen Seite, und den USA auf der anderen Seite geben. Ich hatte das Glück, hier aufzuwachsen. Ich glaube, die österreichischen Wurzeln haben mir sehr gut getan, und ich will, dass unsere Kinder auch stolz sind auf ihre österreichische Herkunft. Österreicher sind bodenständig, sehr tolerant, und weltoffen. Wir Österreicher sind auch sehr naturverbunden und familienbewusst und ich versuche das auch, so meinen Kindern weiterzugeben. Ich denke, wenn man diese Grundeinstellung hat, die ich von hier mitbringe, kann ich ihnen eine ganz andere Perspektive geben als anderen Kinder, die halt nur in Amerika aufwachsen. Mein Ziel ist es, das Beste aus diesen beiden Kulturen miteinander zu verbinden, dass sie ehrgeizige und produktive Menschen werden, die hungrig auf Erfolg sind, aber dabei auch bodenständig, verantwortungsvoll und respektvoll bleiben.

Sie sprechen ja nur Deutsch mit den Kindern und Sie kommen mit ihnen immer wieder gerne nach Österreich.

Ich bin verliebt in Wien. Diese Stadt hat so ein Ambiente, soviel Ruhe und Lässigkeit, in Los Angeles ist es immer busy, jeder jagt den amerikanischen Traum und rennt von einem Platz zum anderen und ist noch geschäftiger als der nächste. Es geht nur darum, was man als nächstes machen muss. Deshalb genieße ich es immer, wenn ich nach Österreich komme, dann besuche ich Familie und Freunde und unternehme Sachen mit den Kindern.

Arnold Schwarzeneggers Sohn heißt ja auch Patrick. Hat das etwas mit Ihnen zu tun und sind Sie auch sein Taufpate?

Ich bin der Taufpate der älteren Tochter Katherine. Aber der Patrick wurde nach mir benannt und er ist ein super Junge auf den wir alle riesig stolz sind.

Ich habe auf Facebook gesehen, Ihr Hund heißt Aurelia. Nach Ihrer Großmutter?

Das war auch kein Zufall, denn Arnold hat selber einen schwarzen Labrador, der nach meinem Großvater Gustav benannt wurde. Arnold hat dann unseren Kindern einen weißen Labrador geschenkt, dem wir dann den Namen Aurelia gaben. Somit sind meine Großeltern Aurelia und Gustav mit ein bisschen mehr Fell wieder vereint.

Ihrem Onkel Arnold wird ja auch immer wieder - neben seiner Zielstrebigkeit - Gefühlsarmut nachgesagt. Haben Sie ihn so empfunden oder ist er als Familienmensch herzlich?

Ich kenne ihn als sehr warmen und großzügigen Familienmensch. Ich sehe ihn, wenn er zu unserem Haus rüberkommt, mit den Kindern spielt und sie einander Kissenschlachten liefern. Er ist ein fantastischer Onkel, er ist ein fantastischer Familienmensch. Meine Frau und meine Kinder lieben ihn. Ich denke, oft identifizieren ihn die Menschen auch mit den Rollen, die er in den Filmen spielt, und sie denken dann, er ist privat auch der Terminator.

Wenn Sie Eigenschaften benennen müssten, die Sie mit Arnold Schwarzenegger gemeinsam haben, welche wären das?

Ich würde sagen Genauigkeit, Loyalität und Humor.

Humor - das wollte ich zuvor schon ansprechen. Ihr Onkel wirkt, als hätte er sehr viel Humor.

Wir haben beide viel Humor und lieben es auch immer wieder, Späßchen zu treiben. Oft bin ich der Leidtragende, etwa, wenn er mir Salz in meinen Kaffee gießt oder mir einen Löffel, der im heißen Kaffee war, an den Hals drückt, wenn ich gerade mal nicht hinschaue. Er kann manchmal ein richtiger Blödler sein und natürlich zahle ich es ihm dann immer wieder bei nächster Gelegenheit zurück. Aber Arnold verbindet immer harte Arbeit mit Spaß und das war schon sein ganzes Leben so. Wenn man oft die steifen Politiker sieht, sie werden das auch öfters wahrnehmen, wenn Arnold eine Rede hält, er fängt dann oft mit einem Witz an und die Leute wissen erst gar nicht, wie sie damit umgehen sollen, weil sie das eben nicht gewohnt sind von einem Gouverneur. Sie können sich vorstellen wie es dann manchmal zugeht wenn wir zusammen Sachen unternehmen, ob es nun Motorradfahren ist, beim Sport, oder wenn wir mit den Kindern unterwegs sind.

Bei der Show "Celebrity Apprentice", sind Sie ja beide ausgestiegen. Was sind die genauen Gründe?

Das Format besitzt MGM. Mit uns geht sie nach heutigem Stand auf keinen Fall weiter. Wenn Arnold aussteigt, steige ich natürlich auch aus, ich bin ja sein Berater. Das war nicht einfach in dieser politischen gespaltenen Atmosphäre. Es kann sein, dass, wenn sich das alles wieder ein bisschen beruhigt hat, dass man sich das wieder überlegt, ob man das vielleicht wieder macht. Die Show ist ja eine fantastische Show und wir haben in unserer Staffel über zwei Millionen Dollar für wohltätige Zwecke gespendet, also es ist nicht nur gutes Entertainment, sondern auch für den guten Zweck. Es ist natürlich sehr schade, dass diese Show ein Opfer der politischen Situation wurde. Aber wir kamen da eben in dieses Feuer rein, wo wir von der linken Seite boykottiert wurden, weil Präsident Trump dort einen Credit hatte und Leute gesagt haben, sie unterstützen überhaupt nichts, was mit Donald Trump zu tun hat. Und lustigerweise wurden wir dann auch von den Konservativen auch teilweise boykottiert, weil sie es Arnold sehr übel nahmen, dass er Donald Trump kritisierte und nicht seine Kandidatur unterstützte. Unsere Fernsehshow wurde sehr politisiert, und aus Reality TV wurde Politik und die Politik wurde zum Reality TV.