Die bekannteste Wiener Puffmutter im pikanten Interview

Nina Janousek
Foto: KURIER/Jeff Mangione Nina Janousek "Madame Nina" im Hotel Marriot

Sex-Kolumnistin trifft Puffmutter: Ein Gespräch mit der legendären Nachtklub-Königin Nina Janousek, die ihre Memoiren veröffentlicht.

Madame Nina empfängt ihre Gäste – diesmal in der Lounge eines Wiener Innenstadthotels und diesmal sind es Journalisten, die mit ihr über ihre Memoiren sprechen wollen. „Was wollen Sie trinken?“ – eine  Frage, die die Nachtclub-Legende Nina Janousek wohl noch im Schlaf aufsagen kann.

Der Kellner bringt Wasser mit Zitrone, der Duft schweren Parfums liegt in der Luft. Und dann plaudert die Sex-Kolumnistin der KURIER-Freizeit mit der Puffmutter, die nun ihre Geschichte schrieb. Und manchmal mischt sich auch ihr Ehemann Baldur (79) ein, mit dem sie seit 44 Jahren verheiratet ist.

Nina Janousek Foto: KURIER/Jeff Mangione
KURIER:  Sie haben viel erlebt, viel gesehen. Doch wie wahrt man über diese vielen Jahre die Diskretion?
Nina Janousek: Schauen Sie, ich hatte über all die Jahre Contenance. Ich habe wie ein Marmorgrab geschwiegen. Ich habe immer gesagt, ich bin nicht der Hund, der die Hand  jener, die mich füttern,  beißt. Ich war immer diskret. Nur nicht bei den Männern, die selbst zugegeben haben, dass sie in meinem Etablissement waren.  Das war etwas anderes. Ich erzähle  Anekdoten – aber mehr nicht. Das ist das Geheimnis meines Geschäfts.

Ich stelle mir das schwierig vor...
Ah, wenn manche wüssten. Aber das geht nicht. Ich kann mich noch dunkel erinnern, da war ein weltberühmter Minister,  ein entzückender Mensch.  Er hat den Champagner aus  Stöckelschuhen getrunken. Solche Herren hatten wir viele.

Apropos, hat jeder Mann zwei Seiten?
Davon bin ich zu 1000 Prozent überzeugt. Das finde ich schön.  Wenn sie zu mir kamen, hatten sie oft Schwellenangst. Aber dann öffneten sich die Herren wie eine Blume. Dann waren sie entzückend, man konnte mit ihnen reden und reden. Ich sagte immer: Männer sind Gottesgeschenke, sowas Liebes, Nettes, einfach pflegeleicht. Wir Frauen sind  Teufelinnen und kompliziert.

Was leicht geht in diesem Umfeld, oder?
Ja das stimmt wohl, der Champagner, das Umfeld. Da lässt alles nach…

Warum kamen die Herren zu Ihnen?
Das war sehr oft Stressabbau. Die Männer sind nach einem harten Business-Tag gekommen, wo es um Millionen gegangen ist. Bei mir wurden sie locker, haben sich gehen lassen. Die haben sich gedacht, jetzt kann ich relaxen. Das war so, jaja.

Warum entscheidet man sich als Frau für den Job als Nachtklubbesitzerin?
Das ist ein harter Männerjob, das überlegen sich sogar Männer. Bei mir ist das einfach passiert.  Mein Mann war immer dagegen, ich wollte das. Ich war dann sehr glücklich, dass ich mich so entschieden habe.

Nina Janousek Foto: KURIER/Jeff Mangione
Sind Sie nie seitens der Unterwelt unter Druck gekommen?
Ein paar Mal, anfangs. Die wollten mich ein bisschen in die Knie zwingen. Ich war von der Polizei vorgewarnt. Und habe mich entschieden, wer auf mich aufpassen wird, nämlich der Staat. Dafür zahle ich Steuern. So war das perfekt. Ich hatte nie Probleme.

Sie beschäftigten  Damen, die Geld für Sex genommen haben.  Weshalb tun Frauen das?
Die Damen sind gekommen, sie sind bei mir zu nichts gezwungen worden. Auch nicht, dass sie mit Männern ins Zimmer gehen und Sex haben. Wir haben oft gelacht und die Mädchen haben gesagt: „Nur beim ersten Mal tut‘s weh“. Viele haben sich ja bereits  im Voraus in einen Herrn verschaut und dann haben sie guten Sex gekriegt, ein bisschen Zärtlichkeit und sehr viel Geld. Das hat ihnen Spaß gemacht. Viele haben auf diese Weise  dann auch reich geheiratet.

Dass  Prostituierten ihr Job Spaß macht, ist allerdings ein Mythos.
Bei mir garantiere  ich Ihnen zu 99,9 Prozent, dass die Mädchen es wirklich mit Gefühl und Liebe und gerne gemacht haben. Nur in den letzten Jahren war kein Gefühl beim Sex, da ging es nur um Geld.

Man konnte zu Ihnen gehen und einfach sagen „Ich möchte bei Ihnen arbeiten“ – wie lief so ein Vorstellunggespräch denn genau ab?
Zuerst habe ich mir immer die Zähne der Mädchen angeschaut. Wenn die nicht in Ordnung waren, also wenn da ein Friedhof war, habe ich sie zu meinem Zahnarzt geschickt. Manche waren vielleicht nicht ganz so appetitlich und duftend. Das musste ich alles in den Griff kriegen. Man musste sich die Mädchen schon sehr genau anschauen.

… Foto: /Privat Insgesamt waren über die Jahre an die 4000 Mädchen bei Ihnen im Geschäft?
Ja genau. Manche waren nur sehr kurz da, manche blieben vom ersten bis zum letzten Tag.

Was haben Sie versucht, Ihren Mädchen mitzugeben?
Ich habe immer gesagt, du musst auf deinen Körper aufpassen. Und: Kinder, verkauft Euren Körper, aber nicht euren Geist und eure Seele. Die soll bei euch bleiben.

So ein Nachtleben stelle ich mir anstrengend vor.
Ich war dort jeden Tag – ich war immer die erste und die letzte, oft bis acht, neun oder zehn Uhr früh. Das ging Jahre ohne Ruhetag. Ich bin Workaholic. Und ich bin ein Nachtmensch, auch jetzt noch, wo es die Bar nicht mehr gibt.  Ich bin nachts auf,  kann nicht umschalten. Erst wenn ich das  Tageslicht sehe, schlafe ich ein.
(Ninas Ehemann Baldur kommt dazu – nachdem sie sagt: „Gugsi, willst nicht herkommen?“) Auch mein Mann ist durch mich  ein Nachtmensch geworden.

Baldur: Sie hat mich umgemodelt, jetzt bin ich auch nur mehr in der Nacht munter. Alles eine Gewöhnungssache.

Nina Janousek Foto: KURIER/Jeff Mangione

Im Buch schreiben Sie  über Ehefrauen und dass sie mit dem Bordellbesuch ihrer Männer gelassener umgehen sollten.
Es wäre gut, wüssten mehr Frauen, dass Männer diese Form von Sex brauchen. Manche  haben bei uns  Gutscheine gekauft und ihren Männern geschenkt. Wissen Sie, wo die Gefahr lauert? Wenn er eine Freundin hat,  da hat die Frau keine Chance.

Warum brauchen Männer das mehr als Frauen?
Es gibt genug Frauen, die sich einen Callboy kaufen, glauben Sie mir.

Haben Sie auch Herren vermittelt?
Ja – ja! Das war nicht schlecht. Die Frauen haben das schon auch gebraucht. Viele sind zu mir gekommen und haben nach käuflicher Liebe mit einem Mann gefragt, haben das dann bei mir bestellt.

Ist das im Sinne der Gleichberechtigung?
Ja, das finde ich. Denn die Frauen haben natürlich auch Lust.

Was haben Sie über Männer im Laufe dieser vielen Jahre gelernt?
Männer sind entzückend, sie sind so einfach. Sie sind lieb. Ich kann kein böses Wort über einen Mann sagen. Die haben sich bei uns eine Freude gegönnt, die waren danach glücklich.

Viele Männer sagen, sie würden niemals für Sex bezahlen oder sagen, dass sie nie in ein Bordell gehen würden. Glauben Sie das?
Ich kenne das, das haben viele gesagt. Und dann haben sie  doch bezahlt. Viele haben die Philosophie: Ich zahle nicht für eine Frau. Denen habe ich folgendes erklärt: Die lebt davon, sie will sich morgen vielleicht eine Tasche, Schuhe oder sonst etwas kaufen. Du bezahlst nicht für Sex, du bezahlst für ihren Lebensunterhalt.
Baldur: Aber geh‘… so Superg’scheite hat’s gegeben – aber die Telefonnummer hat er ihr dann doch gesteckt. Der dachte sich vielleicht, er kommt billiger davon. Das darf man nicht so ernst nehmen.

Madame Nina, war da auch einmal ein Gast, der Sie persönlich haben wollte?
Ja,  ein sehr berühmter Scheidungsanwalt in Österreich. Das war einer, der hat den Rolls Royce geschickt und hunderte Baccara-Rosen. Er sagte, ich habe so viele Ehen geschieden, und deine werde ich auch scheiden. Morgen kommt der Rolls Royce mit Chauffeur. Wo willst du leben – am Stephansplatz, in Paris, Rom, New York? Er wollte mich heiraten, war sehr verliebt in mich.

… Foto: /Privat Gab es bei Ihnen beiden nie ein Eifersuchtsthema?
Baldur: Aber nein, wir sind 44 Jahre verheiratet. Wir hatten nie Probleme. Meine Frau war ja sehr attraktiv und jung, die Männer sind gekommen und haben ihr alle ein Bussi gegeben. Wäre ich da eifersüchtig gewesen, wäre ich gestorben. Oder zum Mörder geworden. Ich hatte dazu nie einen Grund.

Und Sie haben immer gemeinsam gearbeitet?
Ja, er war im Restaurant „Rosa Elefant“, das ebenfalls mir gehörte und sich neben der Bar befand. Ich war in der Bar. Viele haben gar nicht gewusst, dass wir verheiratet sind.

Was unterscheidet Nachtklubkönig von Nachtklubkönigin?
Wissen Sie, ich habe mich nie als Königin bezeichnet. Aber ein sehr toller Gast hat mich als solche bezeichnet. Er meinte: Du bist meine Königin. Ich sagte daraufhin, dass eine Königin eine Krone brauche. Daraufhin hat er mir eine so schöne Krone gemacht, extra von einer Künstlerin für mich entworfen. Eine Dornenkrone (lacht).  Die habe ich heute noch daheim.
Baldur: Sie war ja berühmt als Frau, die das so führt. Die sagten alle zu ihr „Königin der Nacht“.
Nina: Ich bin  einfach ein Mensch. Ich habe nur meinen Job geliebt, meine Gäste und meine Damen. Und wenn ich noch einmal die Chance hätte, würde ich es wieder so machen. Ich habe es geliebt.

Gab es da nicht auch manchmal Momente mit Stimmungstiefs?
Ich war ja immer auch ein bisschen ein Clown. Ich war der Bajazzo, der jeden Tag auf die Bühne gestiegen ist und gelacht hat, wenn ihm zum Weinen war. Meine Mutter ist eines Tages gestorben, im Sommer. Und niemand hat es bemerkt.  Ich habe gelacht, aber das Herz hat geblutet. Oft war der Raum  voller Leute, und ich war einsam darin.
Baldur: Die war wie ein Schmetterling, hat die Gäste empfangen, geküsst, begrüßt und gesagt „Hallo, mein Schatz“. Sie hat sich alle gemerkt, hatte ein fotogenes Gedächtnis. Und mit allen war sie auf du und du. Sie hat die Mädchen dann vorgestellt, und sie – auf gut Wienerisch – zusammengekobert. Hat mitgetrunken, mitgetanzt – die Abrechnung gemacht. Sie war ein Universalgenie. Das hat sie sehr gerne gemacht. Sie hatte nie den Moment, wo sie sagte: Heute freut‘s mich nicht. Sie ist auch krank in die Arbeit gegangen. Mit Leib und Seele, das ist schon einmalig.

Nina Janousek Foto: KURIER/Jeff Mangione Sie schwärmen  von den  1980er- und 90er-Jahren. Was  ist der Unterschied zu heute?
Die Herren waren international. Politiker, Businessleute, Kunstszene –  picobello. Dazu hatte ich die tollsten Damen der Welt, sehr viele Wienerinnen. Die hatten noch Stil, Niveau und Benehmen. Jede einzelne hat Matura gehabt. Das ist heute anders.

Was hat sich sonst noch geändert?
Baldur: Die Handys  sind gekommen, das Internet. Enorm viele Annoncen in Zeitungen, die Laufhäuser etc. Das gab es früher nicht. Das hat sich alles nicht günstig ausgewirkt. Aber das war letztendlich nicht der Grund, warum sie aufgehört hat. Sie hat müssen.
Nina: Alles billig, billig, billig.

Was war das Maximum, das ein Gast bei Ihnen ausgegeben hat?
Das weiß ich nicht mehr. Sehr hohe Summen jedenfalls. Wenn einer 10 oder 15 Flaschen Magnum Roederer Cristal Champagner getrunken hat, dann können Sie sich das ausrechnen…

Hat sich das Konsumverhalten zuletzt auch geändert?
Baldur: Ja sehr. Geiz ist geil. Früher hat keiner gefragt, heute fragt einer, was ein Bier kostet. Das gab es nicht. Es hat sich viel verändert.

Die Immobilie am Bauernmarkt 21, wo sich Ninas Bar befand, ist jetzt weg… - abgerissen. Baldur: Richtig, das wurde alles abgerissen, leider. Obwohl es so nicht sein dürfte, es war ja kein baufälliges Haus.
Nina: Bei mir waren Künstler, Politiker etc. – die waren jeden Tag da. Sowas hätte geschützt gehört.

… Foto: /Privat Aber keine Chance?
Es konnte und wollte uns niemand unterstützen und helfen. Diese ganze feinen Herren, mit denen wir uns gut verstanden haben, konnten nicht. Manche waren verheiratet, die wollten sich nicht äußern.
Baldur: Wir haben 12 Jahre lang darum gekämpft – via Gericht und Anwälte. Dass das Haus unterminiert und ruiniert wurde. Aber umsonst.  Das ist so, da kann man nix machen. Wir begehen ja nicht Selbstmord deshalb, es ist einfach schade.

Wie sehr geht Ihnen die Arbeit in der Bar ab, Madame Nina?  
Total. Das ist eine Katastrophe. Die letzte Nacht, wo ich gearbeitet habe, war sehr schlimm. Da wusste ich, dass ich auf die Straße muss. Ich hatte ja den Prozess um den Abbruch des Hauses verloren. Ich bin nach Hause gekommen, und sagte zu meinem Mann: Mir geht es nicht gut, alles hat sich gedreht. Ich bin schwindlig geworden, mein Mann hat die Rettung gerufen – ich war fast tot. Dann haben sie mich reanimiert und ins Spital gebracht. Eine Nacht war wunderbar, am nächsten Tag, war ich wieder tot, ich habe nicht mehr geatmet. Dann kam ich auf die Intensivstation. Das war voriges Jahr im Jänner. Ich habe jetzt einen Herzschrittmacher.

Ein gebrochenes Herz?
Ja, jetzt weiß ich, wie das ist, wenn ein Herz bricht oder das Herz blutet. Schauen Sie, meine Bar war für mich wie ein Baby. Auf einmal hat mir jemand mein Baby weggenommen.  Wissen Sie, wie schön und sauber es dort war? Sie konnten dort vom Boden essen. Da sind die Gäste gekommen und sagten: Sowas habe ich noch nie in meinem Leben gesehen. Es war alles picopicobello.

Sie schreiben, dass Sie was Neues planen?
Ja, das hätte ich gerne. Wenn ich mein linkes Knie operieren lasse, kann ich wieder laufen und arbeiten, lachen und tanzen. So Gott will.

Und was sagt der Ehemann dazu?
Baldur: Mir ist das recht. Mir ist das egal, ob sie lachen oder tanzen will.
Nina: Ach, er muss ruhig sein, ob er will oder nicht.

Buchtipp: Das Buch „Madame Nina weiß alles. Memoiren einer Wiener Nachtclub-Königin“ ist im Verlag edition-a erschienen und kostet 19,95 €, www.edition-a.at

… Foto: /Verlag Edition a

Ninas Bar wurde abgerissen

Vor Kurzem war es so weit –   das Haus Bauernmarkt 21 wurde abgetragen. Dort hatte  Madame Nina  über 30 Jahre lang ihren Nachtclub „Ninas Bar“ geführt. Selbst langjährige Gerichtsverfahren  hatten  nichts genützt, um die Institution zu retten.

Ninas Bar, Madame Nina mit Mann… Foto: KURIER/Gerhard Deutsch

Noch heute blutet Nina Janousek das Herz: „Nachdem ich im Jänner den letzten Tag im Club war, bin ich  heim und mir war schlecht. Mein Mann Baldur rief die Rettung – ich war fast tot, mein Herz gebrochen. Die Bar war mein Baby.“ Sie war weit über die Grenzen Österreichs hinweg berühmt – Prominenz aus Kunst, Kultur und Politik ging hier ein und aus.

Welche Geschichten Nina über Promi-Kunden wie Falco zu erzählen hat, lesen Sie am Samstag auf KURIER.at

(kurier) Erstellt am
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