© Günter Glücklich

Dönnhoff-Preis für Karl Schwarzenberg
12/03/2012

„Mein liebster Klassenfeind“

Karl Schwarzenberg: Ein Loblied auf den „Genossen Fürst“ vom Dichter Wolf Biermann

von Maria Gurmann

So gerührt, wie am Sonntag im Hamburger Schauspielhaus, sieht man Karl Schwarzenberg selten. Der tschechische Außenminister erhielt den 10. Marion Dönhoff-Preis für internationale Verständigung und Versöhnung. Keine Minute langweilten sich die 700 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur bei dem Festakt der Wochenzeitschrift Die Zeit, bei dem die Laudatoren Wolf Biermann und Iris Berben die richtigen Worte fanden. Die Schauspielerin Berben übergab den mit 20.000 Euro dotierten Förderpreis an den Künstler Gunter Demnig für sein Projekt „Stolpersteine“.

Der Filmbeitrag über das Wirken und Werken Schwarzenbergs wurde von der Laudatio des Liedermachers und Lyrikers Biermann – unter dem Titel „Der Genosse Fürst, mein liebster Klassenfeind“ – gekrönt. „Sie, der Böhme, wurden aus der Heimat vertrieben von Ost nach West und es trieb Sie dann wieder zurück nach Osten in die Heimat. Ich, der Hamburger Fischkopf, genau umgekehrt: Ich ging von West nach Ost und geriet 1976 wieder in meine geliebte Vaterstadt Hamburg.“

Gerda Neudeck brachte das ungleiche Paar 1987 zusammen. Sie heuerte Biermann damals für ein Benefizkonzert für die CSSR-Dissidenten in Wien an, wollte die Hotelkosten sparen und schnorrte für Biermann ein kostenloses Hotel-Zimmer im Palais Schwarzenberg. „Das erwies sich als ein Glück“, sagt Biermann über den Beginn dieser Freundschaft. Und Neudeck ist seither Leiterin der Schwarzenberg’schen Kanzlei und wird „das Sprachrohr des Fürsten“ genannt.
„Das viele Lob hat beinahe bewirkt, dass ich selbst vor mir Ehrfurcht habe“, scherzte Schwarzenberg bei seiner Dankesrede. „Von den anderen Preisträgern unterscheidet mich, dass ich nicht aus Nächstenliebe gehandelt habe, sondern aus Hass gegen die Diktatur.“

Damit spricht er seine jahrelange politische Unterstützung der Gegner kommunistischer Regime an.
Jetzt widmet Herr „Knize“ („Herr Fürst“, wie die Tschechen ihn nennen) seine ganze Kraft dem europäischen Gedanken. Und
wird kein bisschen müde. Mitten im Wahlkampf für das Präsidentenamt wird er am 10. Dezember seinen 75. Geburtstag feiern – just am Tag der Menschenrechte.

Nach dem Festakt verzichtete Iris Berben auf Sekt und kleine Häppchen. Sie eilte lieber zu ihrem Hund in die Garderobe. Die schnauzbärtigen Freunde aus Böhmen und Hamburg ließen sich dagegen von ihren Fans umringen. Der eine, Biermann in Lederjacke, gab seine beliebten Autogramme in Spiegelschrift. Der andere, Schwarzenberg mit Fliege, unterhielt mit markigen Sprüchen. Auf den Einwand eines tschechischen Journalisten, dass Herr Fürst nicht immer gut zu verstehen sei, antwortete er: „No, manchmal nuschel ich so, dass mich auch meine Familie nicht versteht. Wie soll mich dann erst ein Fremder verstehen? Mein Fehler, ich habe eben keine schöne Aussprache wie ein Schauspieler.“

Egal, auch wenn er manchmal schlecht zu verstehen ist, seine politische Botschaft ist immer klar.

 



 

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