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30.01.2018

Winslet bereut Zusammenarbeit mit Woody Allen

Kate Winslet dianstazierte sich nach erneuten Missbrauchvorwürfen von Filmemacher Woody Allen.

Für Woody Allens letzten Film "Wonder Wheel" stand sie noch in der Hauptrolle vor der Kamera. Nun distanziert sich Kate Winslet jedoch von dem Filmemacher.

Winslet bedauert Arbeit mit Woody Allen

Allens Adoptivtochter Dylan Farrow hatte vor wenigen Tagen erneut Missbrauchsvorwürfe gegen den Regisseur erhoben. Er habe sie als Siebenjährige im Elternhaus an ihren Geschlechtsteilen angefasst, erzählte die 32-Jährige in einem Interview mit dem TV-Sender CBS.

Winslet hatte sich bisher mit Äußerungen zu ihrer Zusammenarbeit mit Allen an dem Film "Wonder Wheel" zurückgehalten. Bei den Critics' Circle Film Awards in London gab es nach den jüngsten Anschuldigungen nun aber das erste Statement von der Schauspielerin.

"Ich könnte heute Abend nicht hier stehen und mein Bedauern über die schlechten Entscheidungen darüber, dass ich mit bestimmten Personen zusammengearbeitet habe, für mich behalten. Mir ist klargeworden, dass wenn ich nichts sage, ich zu dem Kummer der vielen mutigen Frauen und Männer beitrage. Sexueller Missbrauch ist ein Verbrechen. Das Gesetz muss sein Urteil darüber fällen, aber wir alle müssen auf die kleinsten Stimmen hören und dürfen niemals aufhören, darauf zu hören", sagte die 42-Järhige, die mit dem Dilys Powell Award für ihre schauspielerischen Leistungen ausgezeichnet wurde, in ihrer Dankesrede.

Im vergangenen Jahr hatte sich Winslet, die in "Wonder Wheel" neben Justin Timberlake und Jim Belushi zu sehen ist, zu den Vorwürfen gegen Woody Allen noch nicht kritisch äußern wollen.

"Natürlich denkt man daran. Aber ich kannte Woody nicht und wusste nichts über seine Familie. Als Schauspielerin in seinem Film musst du dich einfach davon entfernen und zugeben, dass du nichts wirklich weißt und nicht weißt, was wahr und falsch ist. Nachdem man alles durchdacht hat, legst du es dann zur Seite und arbeitest einfach mit der Person", hatte sie damals der New York Times erzählt – und wurde für ihre Worte vielfach kritisiert.

Woody Allens Ende? Hollywood wendet sich ab

Im Film "Manhattan" spielte Regisseur Woody Allen (82) 1979 den Lover einer 17-Jährigen. Die Story wurde Realität, als Allen 56-jährig eine Romanze mit der damals 21-jährigen Adoptivtochter seiner Partnerin Mia Farrow einging. Allen und die Koreanerin Soon-Yi heirateten und bekamen zwei Kinder.

Allen streitet Missbrauchsvorwürfe ab

Der Bruch mit Farrow ging 1992 mit einem weiteren Skandal einher, der Allen jetzt einzuholen scheint. Von der "Time's Up"- und "Me Too"-Bewegung bestärkt hat Allens Adoptivtochter Dylan Farrow erneut Missbrauchsvorwürfe gegen den Regisseur erhoben.

Allen habe sie als Siebenjährige im Elternhaus an ihren Geschlechtsteilen angefasst, sagte die jetzt 32 Jahre alte Frau am Donnerstag, erstmals in einem Fernseh-Interview, beim Sender CBS. Die Vorwürfe sind lange bekannt. Dylan hatte den angeblichen Missbrauch bereits 2014 in einem New York Times-Beitrag geschildert.

Mia Farrow trug die Vorwürfe schon 1992 nach der Trennung von Allen in einem Sorgerechtsprozess vor. Die Polizei ermittelte damals, es kam aber nicht zu einer Anklage. Allen verlor allerdings das Sorgerecht für die drei gemeinsamen Kinder Dylan, Moses und Ronan. Die Vorwürfe von Belästigung hat er stets zurückgewiesen.

Auch jetzt wehrte der Regisseur wieder entschieden ab.

"Ich habe meine Tochter nie belästigt - wie all die Untersuchungen schon vor einem Vierteljahrhundert erwiesen haben", teilte Allen dem Sender CBS mit. Das Kind sei viel mehr von ihrer verärgerten Mutter dazu gebracht worden, diese Geschichte zu erzählen, legte Allen nahe.

So sieht es offenbar auch Dylans älterer Bruder Moses Farrow (39), der seinen Vater jetzt erneut in Schutz nahm.

"So oft habe ich gesehen, wie meine Mutter versucht hat, sie (Dylan) von Missbrauch zu überzeugen - es ist ihr gelungen", schrieb Moses nach Dylans TV-Auftritt auf Twitter.

Sohn Ronan Farrow (30), der von Allen seit Jahren entfremdet ist, steht auf der Seite seiner Schwester und Mutter. Als Reporter hatte er im vorigen Herbst zahlreiche Frauen aufgespürt, die über Harvey Weinsteins sexuelle Übergriffe auspackten.

Mitwisser?

Im Magazin The New Yorker zeichnete Farrow ein Bild von vielen Mitwissern im Umfeld des Produzenten, die sein Verhalten stillschweigend duldeten. Im Jahr zuvor hatte er US-Medien vorgeworfen, die Missbrauchsvorwürfe seiner Schwester gegen ihren Vater aus Angst vor Allens mächtiger PR-Rückendeckung klein zu halten.

Durch Filme wie "Der Stadtneurotiker" und "Blue Jasmine" zählt der vierfache Oscar-Preisträger seit Jahrzehnten zu Amerikas Starregisseuren. Für seine fast jährlich erscheinenden Filme konnte Allen stets ein prominentes Ensemble gewinnen. Für "Wonder Wheel" holte er zuletzt Kate Winslet und Justin Timberlake vor die Kamera. Seinen nächsten Film "A Rainy Day in New York" dreht er unter anderem mit Elle Fanning, Selena Gomez, Jude Law und Timothée Chalamet.

Kollegen gehen auf Distanz

"Das wird sein letzter Film sein", schrieb kürzlich der US-Filmkritiker David Ehrlich vom Branchenportal Indiewire.

Allens Karriere sei vorbei, so wie die anderer Männer nach den jüngsten Vorwürfen von Belästigung und Machtmissbrauch, spekulierte der Kritiker.

Tatsächlich distanzieren sich immer mehr prominente Schauspieler von dem Regisseur. Timothée Chalamet kündigte vorige Woche an, er werde seine Gage für "A Rainy Day in New York" abgeben. "Ich möchte nicht von meiner Arbeit an dem Film profitieren. Darum werde ich mein gesamtes Gehalt spenden", schrieb der Nachwuchsstar ("Call Me by Your Name") auf Instagram.

Das Geld solle unter anderem an die Bewegung "Time's Up" gegen sexuelle Belästigung sowie an einen Homosexuellenverband gehen. Auch die Schauspieler Griffin Newman und Rebecca Hall wollen ihre Einnahmen aus dem Film spenden. Colin Firth ("Magic in the Moonlight") teilte ebenfalls eine Abfuhr aus.

Er würde nie mehr mit Allen arbeiten, sagte der britische Oscar-Preisträger der Zeitung The Guardian. Auch die Schauspielerinnen Mira Sorvino ("Geliebte Aphrodite") und Greta Gerwig und Ellen Page, die mit Allen "To Rome with Love" drehten, machen gegen den Regisseur Front. Alec Baldwin ("Blue Jasmine") zählt zu den wenigen Kollegen, die Allen öffentlich in Schutz nehmen. Er findet es "unfair und traurig" dass Allen und seine Filme eine derartige Absage erhalten, schrieb der Schauspieler auf Twitter. Die Missbrauchs-Ermittlungen hätten damals zu keiner Anklage geführt. Es sei ein "Privileg" gewesen, drei Filme mit Allen zu drehen.

Allens Hauptdarstellerin in "Wonder Wheel", Kate Winslet, pries kürzlich sein Schreib- und Regietalent. Im Interview des Kinoportals Deadline.com schwärmte die Engländerin von Allens starken, mitreißenden und geistreichen Dialogen für ihre Figur. Die Story der vom Leben bitter enttäuschten Frau Ginny habe sie sehr betroffen gemacht, sagte Winslet.