Was „Unsere kleine Farm“-Star Karen Grassle vom neuen Reboot hält
Karen Grassle, bekannt als Caroline Ingalls aus der TV-Serie "Unsere kleine Farm"
Sie war die fürsorgliche Mutter, die in stressigen Situationen einen kühlen Kopf bewahrte und anderen Menschen immer mit Respekt begegnete: Caroline Ingalls, gespielt von Karen Grassle, prägte „Unsere kleine Farm“ über neun Staffeln lang als warmherzige Mama.
Die eigentliche Hauptfigur der Serie war Tochter Laura Ingalls (gespielt von Melissa Gilbert), doch „Ma“ war der emotionale Halt der Familie. Von 1974 bis 1982 lockte der TV-Hit weltweit Millionen Menschen vor die Bildschirme. Sogar US-Präsident Ronald Reagan soll einst gesagt haben, dass „Unsere kleine Farm“ zu seinen Lieblingsserien zählt.
Grassle über das Reboot
Inzwischen hat die Streaming-Welt den Stoff wiederentdeckt: Die Neuauflage läuft derzeit auf Netflix (KURIER berichtete). Schauspielerin Karen Grassle hat die erste Folge gesehen und resümiert im Zoom-Interview mit dem KURIER: „Ich habe den Eindruck, sie wollen die Rolle von Caroline stärken. Das finde ich interessant.“ Eine Szene blieb ihr besonders in Erinnerung: So sei ihr aufgefallen, als sich Caroline in einer Szene mitten in der Wildnis verletzt, aus dem Nichts plötzlich ein Arzt auf einem Pferd angeritten kommt. „Ich dachte mir nur: Wo kommt der denn her?“, lacht sie.
Die Familie Ingalls in der Neuauflage von "Unsere kleine Farm" - mit Papa Charles, Mama Caroline und den beiden Töchtern Laura und Mary.
Gute Zeiten am Set
Das Reboot weckt bei der 84-Jährigen viele Erinnerungen an die Dreharbeiten der Originalserie. Zu ihren Lieblingsmenschen am Set zählte Larry Germain (1981), der Hairstylist der Serie, der auch Stars wie Schauspielerin Bette Davis (1989) und KISS-Urgestein Gene Simmons (76) frisierte.
Grassle musste meist bereits frühmorgens um 6.30 Uhr am Set sein: „Wenn man Menschen zu dieser Tageszeit sehen muss, hilft es, wenn die Atmosphäre angenehm und herzlich ist.“ Auch zu Schauspielkollegin Katherine MacGregor (2018), die Harriet Oleson in der Serie darstellte, hatte sie ein enges Verhältnis. Sie soll wie in der Serie auch im echten Leben „eine witzige Person mit trockenem Humor“ gewesen sein.
Nach dem Serienende von „Unsere kleine Farm“ war Karen Grassle unter anderem in TV-Filmen sowie in „Mord ist ihr Hobby“ zu sehen. Daneben unterstützte sie Frauenhäuser in den USA bei der Finanzierung. Sie war dreimal verheiratet und lebt in San Francisco.
Doch es gibt nicht nur gute Erinnerungen. Herausfordernd sei vor allem die Zusammenarbeit mit Co-Star und TV-Ehemann Michael Landon (1991), der gleichzeitig auch der Produzent der Serie war, gewesen: „Am unangenehmsten waren für mich die Szenen, in denen wir im Bett saßen und Popcorn naschten. Die Crew drängte sich rings ums Bett, die Kamera war ganz nah dran. In den Pausen konnte ich nicht mal den Fuß ausstrecken, weil es so eng war. Also blieb ich da in meinem kurzen Nachthemd liegen. Dabei machte Michael obszöne Witze. Ich fand das sehr peinlich und demütigend“, erzählt sie.
Die Schauspielerin packte bereits vor fünf Jahren in ihrer Autobiografie „Bright Lights, Prairie Dust“ über ihren Kollegen aus. Darin schrieb sie etwa, dass Landon am Set unangebrachte Bemerkungen über weibliche Geschlechtsteile machte.
„Bright Lights, Prairie Dust“ von Karen Grassle, Verlag: She Writes Press. 376 Seiten. 19 Euro
Doch das war längst nicht alles: Grassle musste bei ihm um eine Gehaltserhöhung kämpfen. „Mir war klar, dass ich nicht so viel verdienen werde wie Michael. Er war ein Weltklasse-Star: Produzent, Regisseur, Autor und Hauptdarsteller. Ich wollte nur das bekommen, was man als Co-Star in einer erfolgreichen Serie bekommt“, stellt sie klar und betont, dass sie deshalb keinen einzigen Arbeitstag verpasst habe. Am Ende konnte sich Grassle aber durchsetzen. „Manchmal blicke ich zurück und frage mich: War es das alles wert? Jetzt, wo ich alt bin, denke ich: Ja. Als Schauspielerin kann man nie sicher sein, wie lange die Karriere weitergeht.“
Die Originalserie "Unsere kleine Farm" - mit Papa Charles, Mama Caroline und den beiden Töchtern Laura und Mary.
Probleme mit Alkohol
Auch privat hatte Grassle zu kämpfen – mit Alkohol. Früher sei sie immer schnell betrunken gewesen, ihr Umfeld habe das als „süß“ abgetan. Mit der Zeit fiel es ihr immer schwerer, mit dem Trinken aufzuhören, wenn sie einmal begonnen hatte. Seit 1977 ist Grassle trocken. Die Nüchternheit beschreibt sie als Neuanfang. 1985 erfüllte sich zudem ein großer Wunsch: Sie adoptierte ihren Sohn Zachary.
Ihren Tagesrhythmus beschreibt sie als ruhig und strukturiert. Der Vormittag gehört dem Tagebuch und der spirituellen Reflexion, danach widmet sich Grassle ihrem neuen Roman: „Worum es geht, möchte ich noch nicht verraten.“
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