Schauspieler Gerard Butler

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Stars
10/10/2020

Gerard Butler: "Habe während Corona eine Trennung durchgemacht"

Harter Kerl mit weichem Kern: Der Hollywood-Star im Interview über eine schwierige Lebensphase.

von Elisabeth Sereda

Haus abgebrannt, Motorradunfall, Freundin weg. So lassen sich die letzten drei Jahre im Leben von Gerard Butler beschreiben. Wären da nicht immer wieder erfolgreiche Actionfilme, während er durch die private Hölle geht, müsste man ihn zum Unglückspilz erklären. Aber trotz allem versprüht der 50-jährige Schotte Optimismus und reflektiert auf sein Leben mit einer neugefundenen, inneren Ruhe und dem sehr bewussten Entschluss, niemals aufzugeben, wie er in unserem ungewöhnlich offenen Interview erzählt:

KURIER: Wo sind Sie und wie stehen Sie diese schwierige Zeit durch?

Gerard Butler: Ich bin in meinem Haus in Los Angeles. Ich habe auch einen geliebten Menschen verloren, eben auf eine andere Art. Ich habe eine Trennung durchgemacht, meine Freundin hat sich verabschiedet (die beiden waren sechseinhalb Jahre zusammen.) Das war viel härter, als ich dachte. Dann wurde ich selbst krank (nicht Covid), aber es war der Höhepunkt von drei Jahren an gesundheitlichen Problemen. Es kam also alles zusammen.

Wann begannen Ihre gesundheitlichen Probleme?

Als ich vor drei Jahren einen Motorradunfall hatte, der mich fast gekillt hätte. Dann hatte ich eine vermurkste Operation, aus der sieben weitere wurden. Da beginnt man über sein Leben nachzudenken. Ich dachte, was will ich eigentlich hinterlassen? Eine Serie an DVDs von meinen Filmen? Ich habe meine gesamte Karriere in Frage gestellt. Mein Erbe kann besser sein als nur Filme. Es gibt noch etwas anderes, und ich weiß noch nicht, was das ist, aber ich möchte es herausfinden. Erkennen, was ich noch kann. Wie ich helfen kann, die Welt zu verbessern, auch wenn das immer als Klischee galt. Ich meine es ernst.

Wollen Sie wirklich mit dem Schauspielen aufhören?

Ich weiß es nicht. Ich habe Glück, weil ich immer Filme gemacht habe, die nicht allen gefallen, aber ein bestimmtes Publikum haben, mit dem ich mich identifizieren kann. Das geht zurück in meine Kindheit, wo mich die Filme, die ich im Kino sah, inspiriert haben, alle auf verschiedene Arten. Als ich dasaß und mir dachte, ich will nicht der Bösewicht sein, ich will der Gute sein. Und solange ich noch das Gefühl habe, dass ich das vermitteln kann, werde ich nicht aufhören, aber es kann nicht das Einzige im Leben sein.

Welche Filme haben Sie als Kind inspiriert?

„Poseidon Adventure“ mit Gene Hackman. Da bin ich so hineingekippt, dass ich mich in die Person dieses heldenhaften Mannes hineingelebt habe. Am Ende opfert er sich, um die anderen zu retten. Das sind die Legenden, die man sich am Lagerfeuer erzählt hat, sie sind so alt wie die Menschheit. Ich sah damals dieses Fantasy-Abenteuer „Krull“ und danach hatte ich einen Traum. Träume sind alles, sie haben eine enorme Bedeutung. Ich träumte, dass ich in diesem Film war, ich war der Prinz an der Seite der Prinzessin, ich hielt ihre Hand, als wir am Rande des Abgrunds standen. Am nächsten Morgen wachte ich auf und sagte zu meiner Mutter, ich werde Schauspieler.

Sie scheinen eine besondere Affinität zu Extremsituationen zu haben, nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im Leben…

Das können Sie laut sagen. Ich war in New York zu 9/11. Ich war in London während der sieben Bombenanschläge, ich war in New Jersey für Hurrikan Sandy. Unser Haus in Malibu brannte während der Brände im letzten Jahr ab. Was ich daraus lernte ist, dass es immer schlimmer sein kann, und dass wir am Ende alles überstehen können. Es hat den Kriegergeist in mir geweckt. Und die Gewissheit, dass es für alles einen höheren Grund gibt. Die Brände an der Westküste, die Hurrikans im Süden werden hoffentlich die Menschheit aufwecken, dass die Klimakrise echt ist, und wir etwas dagegen tun müssen. ,Black Lives Matter' gibt es, damit wir aufwachen und Rassismus ein für allemal bekämpfen. Ich persönlich habe aus all dem gelernt, dass ich keine Todesangst mehr habe.

Wie schaffen Sie das? Woher kommt der Lebenswille?

Es ist eine innere Reise, die Konsequenz erfordert. Mein Tag beginnt mit einer Meditation und einer Intention für den Tag. Die beinhaltet immer, dass ich liebevoll sein will zu anderen, mich um meine Nächsten kümmere. Wenn man anderen hilft, vergisst man die eigenen Probleme, und danach erkennt man, dass die eigenen Probleme gar nicht so schlimm sind. Kann ich ein weinerliches Baby sein, das ängstlich ist und herumraunzt? Ja, sicher. Ich bin nicht perfekt, aber ich werde nie aufgeben, es zu versuchen.

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