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03.02.2012

Frühstück mit Peter Hofbauer

Theatermensch. Vom Juristen zum Musikspezialisten. Der "Metropol"-Chef über das Geheimnis seiner 27-jährigen Ehe mit Vera Russwurm, seine Liebe zur Musik und sein Faible für Nestroy und Grillparzer.

Sein selbstverfasster Lebenslauf liegt schon bereit. Nein, nein, das geht nicht. Wir wollen mehr von Peter Hofbauer, dem Theatermenschen mit Leib und Seele, hören. Kollege Dieter Chmelar schätzt ihn als weltoffenen Bürgerlichen, als doppelten Doktor der Musik- und Humorgeschichte und zugleich als unbeirrbaren Verwirklicher. Der Ehemann von Vera Russwurm (52) hat viel zu erzählen. Er gilt als mutig, experimentierfreudig und innovativ. Das hat der 65-Jährige sowohl als ehemaliger Unterhaltungschef des ORF als auch als Betreiber des Theaters "Metropol", das er 1995 aus einem jahrelangen Tiefschlaf erweckte, bewiesen.

Familienmensch

In Neustift am Walde – wo hinter dem Gartenzaun die Rehe vorbeispazieren – lebt das Hof-Power-Paar mit den beiden Töchtern Florentina (Germanistikstudentin,19) und Anabel (Gymnasiastin,13). Yara, die 22-jährige Juristin und Politologin, ist schon flügge.

Hofbauer führt seine Gäste ins Haus. Vorbei an einem großen Porträt: Der Hausherr mit dem markanten tiefen Seitenscheitel und Bart in Zarenpose. "Die Malerin hat mich ein bissl idealisiert." Durch den Salon mit weißer Ledercouch und weißem Klavier ins gediegene Speisezimmer. Frau Traude hat den Tisch gedeckt. Ein Laugenweckerl mit Butter und Schnittlauch, Orangensaft und Tee. "Wir essen sehr gesund, viel Gemüse, Salat, Reis, manchmal Fisch oder Geflügel, nahezu fleischlos."

Seit 27 Jahren ist der Musiktheater-Experte mit Vera verheiratet. Und auch beruflich sind sie ein hervorragendes Team. Ihre gemeinsame Firma "Hof-Power" produziert wöchentlich das ORF-Magazin "Vera exklusiv". Was ist das Geheimnis dieser Langzeitehe? "Wichtig ist, dass es nie langweilig werden darf, dass man miteinander lachen kann. Und man darf die Spannung aneinander nicht verlieren. Krisen? Nicht ernsthaft, aber wo gibt es die nicht?" Er empfindet es als Gnade, wenn die Chemie durch ein glückliches Zusammentreffen einfach stimmt.

Aufriss

Bei der Sendung "OK" lernten sie einander kennen. Gefunkt hat es aber nicht im Rundfunk, sondern im Metropol. Die Initiative ergriff damals Vera. "Sie hat mir auf einer rotweingetränkten Serviette eine Botschaft geschickt." Die Allianz hat sich ausgezahlt, beruflich und privat. „Die Kinder merken, dass wir ständig hackeln. Alle drei haben einen immensen Ehrgeiz in sich. In der Schule hat es nie Schwierigkeiten gegeben. Und die Großen sind ausgesprochene Leseratten. Das ist das Wichtigste für die Sprachentwicklung." Während Vera eine brillante Schülerin war und Medizin studierte, begnügte sich der gebürtige Klosterneuburger mit schulischem Mittelmaß. "Als Volksschüler war ich in Fünfhaus stellvertretender Bandencapo, der anderen die damals sehr beliebten bunten Glaskugeln abknöpfte."

Im Gymnasium machte er dann "auf intellektuell" und interessierte sich sehr für den Lateinunterricht, der ihn fürs Leben prägte. "Im späteren Berufsleben habe ich immer wieder mit lateinischen Redewendungen um mich geschmissen und mich dabei vor allem bei Vorgesetzten beliebt gemacht, die kein Latein in der Schule hatten" , scherzt er.

Jus studierte Hofbauer auf Wunsch seiner Eltern. "Bei den Vorlesungen der Theaterwissenschaften war ich lieber und häufiger zu Gast – auch der netten Kolleginnen wegen", sagt der Doktor Juris, der vor 32 Jahren beim KURIER volontierte, bevor er bei Radio NÖ ein wöchentliches Magazin zu einem täglichen Radio-Familienprogramm ("Hereinspaziert") umfunktionierte.

Als er 1979 zum ORF kam, war der kürzlich verstorbene Ernst Wolfram Marboe sein Mentor. "Er hat mich gelehrt, wie man mit Menschen umgeht. Die psychologische Behandlung von Künstlern brauche ich auch als Theaterdirektor." Hofbauer hat gelernt, dass sich Kreativität nicht organisieren lässt, es auf die Balance zwischen Hirn und Bauch ankommt. "Marboe hat Kreativität zugelassen. Das ist heute leider mühsam geworden. Er war eine brennende Fackel, wortgewaltig. Sprunghaft. Aber das ist mir nicht ganz fremd, ich bin ein typischer Zwilling."

Erst sein ORF-Ausstieg in die selbstständige Szene ermöglichte den Aufstieg seiner Frau. "Siehe da, kaum war ich weg, war die Vera die Beste und die Größte, ihre Sendung der große Renner. Vorher hat es immer geheißen, ist das korrekt, wenn der Mann Unterhaltungschef ist?", erinnert sich der Nichtraucher, der sich als schnorrender Spaßraucher bezeichnet.

Einen perfektionistischen Zug habe er. In beruflichem Sinn sei er ein verspielter Mensch, der mit jedem auskommt. "Meine Einstiegsdroge in dieses Metier ist, dass man Freude daran hat, anderen eine Freude zu machen, sie auf andere Gedanken bringt", sagt der Sohn eines ehemaligen Abteilungsdirektors der Creditanstalt. Als Peter Hofbauer klein war, ließen sich die Eltern scheiden. Wohlbehütet fühlte er sich aber auch bei seinem Stiefvater, einem Polizeifunktionär und seiner Mutter, einer Chefkassiererin einer Handelskette.

"Nicht als bürgerlich, sondern wertkonservativ würde ich uns bezeichnen. Das Weltoffene besteht darin, dass man nicht im konservierenden, statischen Sinn die bürgerliche Idylle pflegt und spießbürgerlich daher kommt, sondern immer offen für das Neue, das Andersartige ist. Sonst wäre man ja nicht ein guter Medienmann", erklärt der Musikfanatiker und Sammler von Noten, Schallplatten und Büchern.

Sammler

Platz für mehr als 12.000 Schallplatten und CDs gibt es genug im Haus. In der Freizeit versucht er das Notenarchiv zu ordnen. "Ich hab’ die Notenblätter der Großeltern noch, die ganzen Wienerlieder und Schlager und die internationalen Standards der 20er-, 30er- und 40er-Jahre", sagt der schlanke Hobby-Tennisspieler und beißt ins Laugenweckerl.

Früher war er ein ausschließlicher Nestroyaner. "Jetzt bin ich auch ein glühender Grillparzer-Fan. Man muss alt werden, bis man draufkommt, dass das bestes psychologisches Theater ist, das von Lebensweisheit nur so tropft. Grillparzer ist das meistverkannte österreichische Genie."

Bildung und Allgemeinwissen steht im Hause Hofbauer-Russwurm an erster Stelle. "Für Luxus gebe ich nichts aus. Geld ist Energie, die man sinnvoll einsetzen soll." Noch einmal nimmt er seinen "Launigen Lebenslauf" zur Hand. Hinten ist er auch bedruckt: "In die Ecke, Besen, Besen!" Tochter Anabel lernt gerade den "Zauberlehrling" für die Schule. Hofbauer, der Sparmeister? "Vor allem meine Frau."

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