Stars 05.12.2011

Frühstück mit Ingrid Burkhard

Echte Wienerin. Heute wird der 80. Geburtstag der beliebten Schauspielerin in den Kammerspielen gefeiert. "Frau Sackbauer", Serien-Ehefrau vom Mundl, erzählt bei Löskaffee und weichem Ei, warum sie noch lange auf der Bühne stehen wird.

Kaum zu glauben. Diese frisch-fröhliche Frau in Jeans, weißer Bluse und geblümtem Gilet wird am 7. Juni ihren 80er feiern. "Die Leut' glauben, ich bin jünger. Das ist eher wegen meiner Art. Schauen Sie mich näher an, ich bin ja ein einziger Faltenwurf", sagt Ingrid Burkhard lachend und lässt ihre hellblauen Augen blitzen. Starallüren kennt die beliebte Schauspielerin nicht.

Arbeitszimmer: Auf dem Schreibtisch vor dem Fenster bereitet sich die 80-Jährige auf ihre Rollen vor.
© Bild: KURIER / Kristian Bissuti

Als Frau Sackbauer in der Kultserie Ein echter Wiener geht nicht unter wurde sie geliebt. Und bedauert. "Die Leut' haben mich auf der Straße angesprochen und oft gefragt, wie ich ein Leben mit einem derartigen Mann aushalte. Sie waren dann erstaunt, wenn ich gesagt habe, dass ich mit dem Mundl nicht verheiratet bin", erinnert sich die Wienerin, während sie durch ihre Neubauwohnung im 8. Bezirk führt.

Seit ihr Mann vor zwei Jahren gestorben ist, wohnt sie hier. "Wir haben in einer sehr großen Altbauwohnung gewohnt. Die hab' ich schlagartig geräumt. Erstens, weil ich den Schauplatz verlassen wollte, zweitens, weil es mir allein zu teuer war." 56 Jahre war sie mit dem Burgschauspieler Hannes Siegl verheiratet. "Wir hatten eine tolle Ehe."

In der Küche ist ein kleiner Tisch gedeckt. Toastbrot, Margarine, zwei weiche Eier. Neben dem Teller liegen zwei Telefone, ein Kalender, das Brillenetui und "auf jeden Fall die Tschick mit Feuerzeug", sagt die leidenschaftliche Raucherin, die keine "Pulvern" schluckt und nie zum Arzt geht. "Außer für meine zwei neuen Kniegelenke." Alles hat seinen Platz in der Single-Wohnung. "Je älter man wird, desto ordentlicher muss man werden, weil sonst findet man nichts mehr."

Noch "blind" macht sich die Frühaufsteherin einen Löskaffee. "Mach ma einen Zirkus. Ich frühstücke nämlich immer im Schlafmantel", sagt Burkhard und wirft sich fürs Foto in ihr morgendliches Outfit. Viel isst sie nicht in der Früh. Gekocht wird maximal zwanzig Minuten lang. "56 Jahre habe ich jeden Tag gekocht. Das reicht. Man kann in kurzer Zeit auch gut kochen. Ich mache mir ein Gemüse, geb' ein Stück Butter drauf und esse einen Erdapfel dazu. Ich brauche keine Saucerln."

Ihren Mann lernte sie mit 19 Jahren am Reinhardt-Seminar kennen. Nach der Matura dachte die Tochter eines Arztes und einer Pianistin kurz über ein Germanistikstudium nach. "Aber eigentlich wollte ich immer Schauspielerin werden." Am Linzer Theater traf sie Hannes Siegl wieder. "Wir haben geheiratet und ein Jahr später kam Diets." Diets nennt sie ihren Sohn Dietrich Siegl (57), der in die Fußstapfen der Eltern trat und auch Schauspieler wurde (Oberst Dirnberger in SOKO Donau).

Familienglück

Arbeitszimmer: Auf dem Schreibtisch vor dem Fenster bereitet sich die 80-Jährige auf ihre Rollen vor.
© Bild: KURIER / Kristian Bissuti

"Wir waren eine Wanderfamilie. Linz, Bonn, Zürich, Wien. Mein Mann hat immer geschaut, dass wir am gleichen Theater Engagements hatten. Sonst hält das ja nicht." Für die Geburten ihrer beiden Kinder, Dietrich und Katharina, fuhr sie immer nach Wien. "Damit sie echte Wiener sind." Rückblickend gesehen, habe sie zu wenig an ihre Familie delegiert. "Ich habe gespielt, gekocht, den Haushalt gemacht. Die Texte hab' ich immer in der Straßenbahn gemacht", erinnert sich die Führerschein- und daher Autolose. Erziehungsprogramm habe sie keines gehabt.

Ingrid Burkhard war acht Jahre alt, als der Zweite Weltkrieg anfing. "Ich war mit meinen zwei älteren Brüdern allein zu Hause, da haben wir gegenüber die Bomben einschlagen gesehen. Wir sind schnell in den Keller gelaufen, das war in Simmering." Vier Jahre später kamen sie ins Kinderland nach Prein an der Rax. "Ohne Eltern. Zwei Jahre waren wir dort, hatten auch Unterricht. Dann sind wir mit Sack und Pack vor den Russen geflüchtet." Trotzdem erinnert sie sich an eine schöne Jugend. In der Vorkriegszeit machte die ganze Familie an Wochenenden Ausflüge in den Wienerwald, mit Rucksack und Proviant. "Und wir sind viel baden gegangen. Wir hatten ein Haus in der Wachau, das haben wir heute noch." Klothosen (schwarze, kurze Hosen), barfuß und mit den Buben Völkerball spielen. Das war ihre unbeschwerte Kindheit.

Arbeitszimmer: Auf dem Schreibtisch vor dem Fenster bereitet sich die 80-Jährige auf ihre Rollen vor.
© Bild: KURIER / Kristian Bissuti

Gerne erinnert sie sich an ihren "guten, lieben" Vater. Mit 12 Jahren durfte sie das erste Mal in die Volksoper - Die Meistersinger . Um 23.30 Uhr ging sie ganz alleine zu Fuß nach Simmering nach Hause. Es war stockdunkel, keine Lichter, Straßenbahn fuhr auch keine mehr. Von jedem Telefonhüttel meldete sie sich bei den Eltern. "Ich war Verdunkelungsexpertin. Ich konnte ohne etwas zu sehen die Nummer wählen." Nach dem Krieg, als sie in der Himmelpfortgasse, gegenüber dem Ronacher wohnte, ging sie drei, vier Mal in der Woche mit einer Freundin um einen Schilling auf die Stehplätze. "Das Ronacher war damals das Burgtheater, das ja zerbombt war."

Sie liebt die Schauspielerei. "Man kann viel los werden, was man im normalen Leben nicht darf, weil man sich benehmen muss", sagt sie. Sehr gerne spielte die große Liebhaberin von Symphoniekonzerten die Rolle der Frau Sackbauer. "Gleichzeitig hab' ich im Theater in der Josefstadt in Goethes Hermann und Dorothea gespielt, Hexameter, das ist wie ein warmes Bad", sagt Burkhard, die oft von Leuten mit der Autorin Christine Nöstlinger verwechselt wird. Obwohl sie in den zwei Kinoversionen "Echte Wiener" mitspielte, findet sie, dass "der Mundl nicht ins Kino, sondern ins Wohnzimmer gehört. Das ist eine Schlapfenserie."

Unaufgeregt

Arbeitszimmer: Auf dem Schreibtisch vor dem Fenster bereitet sich die 80-Jährige auf ihre Rollen vor.
© Bild: KURIER / Kristian Bissuti

Auch wenn sie offiziell seit 20 Jahren in Pension ist, zur Ruhe will sie sich nicht setzen. "Ich brauch Termine, sonst würde ich zur Faulheit neigen." Sie sei wesentlich gelassener geworden. "Wenn man so lang lebt, regt man sich nicht mehr so viel auf. Was soll ich mich jetzt noch vor dem Alter fürchten, ich hab' schon den Zenit erreicht. Ich hab' nur Angst vor dem Moment, wo man deppert wird."

Sport macht die schlanke Dame nicht. Sie reist lieber. "Wenn ich frei habe, büchse ich meistens aus und bin in der Wachau." Die Gartenarbeit hält sie fit. Wenn dann, wie zum Muttertag, die ganze Familie, inklusive der drei Enkeltöchter zu ihr kommen, sitzen sie alle auf dem Vorplatzl und es heißt: "Omama, gibt's heute großes Frühstück?" Dann gibt es nicht nur Löskaffee, Toast und weiche Eier. Dann serviert die fesche 80erin "alles, was der Kühlschrank hergibt"

Sonntagsfragen

Arbeitszimmer: Auf dem Schreibtisch vor dem Fenster bereitet sich die 80-Jährige auf ihre Rollen vor.
© Bild: KURIER / Kristian Bissuti

Mein erster Gedanke beim Aufwachen
Wie spät ist es?

Ich träume oft,
dass Besuch kommt und ich nicht fertig werde.
Dabei werde ich immer fertig.

Humor ist ...
wenn man trotzdem lacht.

Wenn ich Zeit habe, höre ich am liebsten ...
schöne Musik, Symphonien.

Der erste Blick in den Spiegel
Um Gottes Willen!

Mein Luxus am Sonntag
Gemütlich frühstücken.

Kaffee oder Tee?
Löskaffee mit Milch, ohne Zucker, leider. Lieber hätte ich ihn mit Zucker, aber dann würd' ich auseinandergehen.

Das schönste Frühstück wäre mit
meinem vor zwei Jahren gestorbenen Mann
Hannes Siegl. Wir waren 56 Jahre verheiratet.

Meine Sonntagslektüre
Meistens die Zeitung vom Vortag, weil ich so früh noch keine Zeitung hole.

Ein Sonntag, den ich nie vergesse:
Da bin ich mit meinem Mann auf den Pöstlingberg in Linz gegangen, das ist hundert Jahre her. Mehr sag' ich nicht. Haben Sie sich da verliebt? Schwer.
Ja, das war ein schöner Sonntag.

Der Platz, an dem ich gerne frühstücke:
Auf meinem Vorplatzl in der Wachau. Dort haben wir schon als Kinder gefrühstückt.

Den Appetit verdirbt mir,
wenn zu viel auf dem Tisch ist.

Auf keinen Fall esse ich
Porridge.

Am liebsten esse ich
ein frisches Semmerl mit Butter.

Frühaufsteherin oder Langschläferin?
Ich gehe schlafen, wenn's dunkel wird, und stehe auf, wenn es hell wird. Außer ich habe eine
Vorstellung, dann geht es nicht.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011