Frühstück mit Eva Rossmann

Foto: KURIER/Gruber

Facettenreich. Kochen ist das "schräge" Hobby der Bestseller-Autorin. Von weniger Kulinarischem handelt ihr 13. Krimi "Unterm Messer" - es geht nämlich um Schönheitschirurgie.

Kluger Kopf, roter Schopf

Begonnen hat alles vor 22 Jahren mit einer Anzeige im KURIER. "Bauernhaus, Wien-Nähe, Ziergarten, drei Zimmer, 170.000 Schilling." "Das waren umgerechnet 12.500 Euro, damals hätte ich mir nicht mehr leisten können", sagt die Krimi-Autorin. Heute, nach zwölf Bestsellern in Serie, ist der Dachboden ausgebaut, das Häuschen in Auersthal um einen Wintergarten und ein Glashaus im Garten, in dem Eva Rossmann ihre Bücher schreibt, erweitert.

Das Weinviertel ist seither die Heimat der gebürtigen Grazerin und ihrem Ehemann Ernest Hauer. Vor zwei Jahren wurde der 60-Jährige von Ö1 mit dem Golden Handshake in Pension geschickt. "Es geht mir hervorragend", lacht der braun gebrannte Journalist. In kein tiefes Loch sei er gefallen. "Ich hab den Umbau koordiniert und ich reise viel mit Eva zu den Lesungen, da mach` ich den Fahrer. "

Die eine Katze, Gizmo, schläft auf dem Gartensessel, die andere "alte Dame", Manda, versteckt sich genauso wie Herr Karl, das Kaninchen. Rossmann führt durch das verwinkelte Haus zum gedeckten Tisch im Wintergarten. Hier frühstückt sie nur Montag bis Mittwoch mit Ernest, mit dem sie seit 1995 verheiratet ist. "Wenn ich nicht beruflich unterwegs bin, koche ich von Donnerstag bis Sonntag beim Buchinger." Unentgeltlich, einfach weil sie total gerne kocht. Als sie für ihren Krimi Ausgekocht im "Gasthaus zur Alten Schule" bei ihrem Freund und Haubenkoch Manfred Buchinger recherchierte, kam sie auf den Geschmack. "Kochen ist für mich ein schräges Hobby. Ich hab` mir gedacht, wenn ich beim Buchinger koche, dann möchte ich die Lehrabschlussprüfung in Kochen auch noch machen." 2002 war es dann so weit.

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Facettenreich und immer unterwegs sei sie. "In jeder Beziehung. Mich interessiert alles Neue." Nach ihrem Studium arbeitete die 49-Jährige als Verfassungsjuristin im Bundeskanzleramt. "Das war zwar sehr interessant, aber doch ziemlich hierarchisch und bürokratische Abläufe sind mir eher fremd." Es folgte die Journalisten-Laufbahn beim ORF -Hörfunk und bei den Oberösterreichischen Nachrichten . Die Feministin engagierte sich fürs FrauenVolksBegehren und koordinierte den Präsidentschaftswahlkampf von Getraud Knoll (1998).

Sechs Mal pro Jahr moderiert Rossmann die Diskussionsreihe "Club 2". "Aber das Wichtigste ist sicher das Schreiben. Erstens verdiene ich mein Geld damit und zweitens könnte ich mir`s ohne Schreiben gar nicht vorstellen, auch wenn ich kein Geld dafür bekomme." Geschrieben hat die Tochter des langjährigen Chefs der Österreichischen Wohnbaugenossenschaft in der Steiermark schon immer gern. "Nicht Tagebuch, sondern erfundene Geschichten. Ich habe mir gedacht, mein Leben als Teenager ist zu fad."

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Fad ist ihr Leben jetzt so gar nicht mehr. Der Ehemann nimmt`s mit Humor. "Sie ist eine, die zu 98 Prozent das macht, was sie machen will. Die restlichen zwei Prozent sind Kompromisse. Da macht man halt einfach mit." Kinder sind sich bei dem dichten Programm nicht ausgegangen. "Es war keine bewusste Entscheidung. "

Im neuen Glas-Salettl im Garten entsteht gerade die Rohfassung ihres 14. Krimis, in dem es um die Energiewirtschaft gehen wird. "Ich schreibe von 10 bis 19 Uhr durch. Da esse ich den ganzen Tag nichts." An Einfällen mangelt es ihr nicht. "Das Sitzen, Dabeibleiben und Schreiben ist viel anstrengender als die Ideen und Recherchen." Anfang September erscheint ihr 13. Krimi. In "Unterm Messer" ermittelt die Protagonistin Mira Valensky diesmal im Milieu der Schönheitschirurgie. Startauflage 25.000. Von den Taschenbüchern werden meistens 60.000 Stück verkauft. "Die sind sogar weltweit auf den Flughäfen zu finden."

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Sie selbst würde sich nie freiwillig ins Gesicht "reinschneiden" lassen. "Mir ist es total fremd, weil ich so ein Feigling bin." Mit dem Älterwerden habe sie kein Problem. "Ich schreibe es mit Schönheitskrimis weg."

Als Jugendliche wollte sie eigentlich Schauspielerin werden. Ihr Talent bewies sie im Schultheater. Aber sie habe sich nicht getraut. "Alle, auch meine Eltern, haben gesagt, du willst nach Wien gehen und Schauspielerin werden? So auf die Art, wie du ausschaust? Richtig hübsch war ich ja auch nicht." Heute lacht sie selbstbewusst und zupft ihre markante Kurzhaarfrisur zurecht. "Wenn ich unterwegs bin, reicht ein bissl Spucke und alles ist wieder in Form. Das ist die schnellste Frisur der Welt."

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Als einen streitbaren, gestandenen Christ-Konservativen bezeichnet sie ihren 78-jährigen, rüstigen Vater. "Von ihm hab` ich das politische Interesse und das Kämpferische geerbt." Sie wähle zu 80 Prozent Grün. In ihrer Gemeinde, wo es keine Grünen gibt, "wähle ich ÖVP, aber eher die Menschen als die Ideologie". Wäre sie Regierungsmitglied, würde sie sich für eine grundlegende Bildungs- und Steuerreform einsetzen. "Wer mehr verdient, muss einfach mehr Steuern zahlen. Das betrifft mich auch, aber es ist gerecht."

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Klar strukturiert waren die Wochenenden in ihrer Kindheit. Mit den Eltern und ihrer Schwester ging es zu den Großeltern in die Oststeiermark. Im Radio lief die Sendung Autofahrer unterwegs, am Herd stand die Oma und briet im Holzofen "das beste gefüllte Hendl der Welt". Von ihr dürfte sie eher die Liebe zum Kochen, als die Verehrung der Jungfrau Maria geerbt haben.

Rossmann, die als Sonnenanbeterin und Joggerin Energie tankt, ist katholisch, geht aber nicht in die Kirche. "Die Institution der männer- und machtzentrierten römisch katholischen Hierarchie mag ich nicht." Das Spirituelle, die Kirchengemeinschaft und Einrichtungen wie die Caritas, die Strukturen ändern wollen, gefallen ihr. "Dafür zahle ich meinen Kirchenbeitrag", sagt die Frau mit dem klugen Kopf und dem roten Schopf.

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Sommertheater Hall in Tirol. "Hall und Rauch", ein Bühnenkrimi von Eva Rossmann, bis 29. 8. 2011.

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(kurier) Erstellt am
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