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07/03/2020

Epstein-Skandal: Der Werdegang der Ghislaine Maxwell

Im Leben von Jeffrey Epstein spielte seine mutmaßliche Gehilfin eine wichtige Rolle.

"Sie ist meine beste Freundin", sagte der inzwischen verstorbene Multimillionär und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein einmal über Ghislaine Maxwell in einem Interview mit der Vanity Fair.

Maxwell organisiere "weite Teile seines Lebens", hieß es in dem Artikel, der 2003 veröffentlicht wurde. Bereits damals deutete der Immobilienanbieter an, welch wichtige Rolle Ghislaine Maxwell in seinem Leben spielte: Sie würde seine Termine verwalten, sich um seine verschiedenen Haushalte kümmern und sogar Yoga-Lehrer für ihn organisieren, schwärmte Epstein über seine langjährige Gefährtin. Doch Ghislaine Maxwell soll allem Anschein nach noch eine andere, weniger rühmliche, Aufgabe gehabt haben.

Mutmaßliche Epstein-Gehilfin angeklagt

Die 58-Jährige soll junge Mädchen für Epstein rekrutiert haben, dem vorgeworfen worden war, Minderjährige missbraucht und zur Prostitution gezwungen zu haben.

Am Donnerstag wurde die frühere Vertraute von Jeffrey Epstein im US-Ostküstenstaat New Hampshire festgenommen, wie eine Sprecherin der Bundespolizei FBI bestätigte.

Inzwischen wurde die vermeintliche Epstein-Helferin offiziell angeklagt. Insgesamt sechs Punkte umfasst die Anklageschrift der Bundesanwaltschaft in Manhattan gegen die Britin. Unter anderem soll Maxwell die Reisen von Minderjährigen zu den Häusern des US-Milliardärs Jeffrey Epstein für "illegale" und "kriminelle" sexuelle Handlungen organisiert haben.

Doch wer ist die Frau, die sich für den Multimillionär Medienberichten zufolge zur Kriminellen machte?

Die Frau im Zentrum der Epstein-Affäre

Geboren wurde Ghislaine Maxwell als jüngstes von neun Kindern des britischen Medien-Moguls Robert Maxwell und dessen Frau Elisabeth im französischen Maisons-Lafitte. Sie wächst im britischen Headington Hill auf, in der Nähe von Oxford. Hier besucht sie auch die Headington-Hill-Mädchenschule und später das Balliol College.

Als jüngstes Kind hat sie eine besondere Beziehung zu ihrem schwerreichen Vater, der auch ihre Karriere fördert. Ghislaine Maxwell begründet zunächst in London einen Kit-Cat-Klub und wird Direktorin beim Fußballverein Oxford United, in der Zeit, als ihr Vater Eigentümer des Klubs ist. Zudem arbeitet sie beim European, einer von ihrem Vater gegründeten Wochenzeitung.

Als ihr Vater am 5. November 1991 in der nähe der Kanarischen Inseln tot aufgefunden wird, ist sie am Boden zerstört. Die Theorie, dass ihr Vater von der nach ihr benannten Yacht "Lady Ghislaine" aus Suizid begangen haben soll, glaubt sie nie. Wiederholt äußert sie den Verdacht, dass ihr Vater ermordet wurde.

Laut Daily Mail soll Maxwell in der Vergangenheit einmal gesagt haben, dass Epstein ihr geholfen habe, den schmerzvollen Verlust ihres Vaters zu bewältigen.

"Eine begnadete Netzwerkerin"

Nach dem Tod von Robert Maxwell zieht seine Tochter nach New York. Hier arbeitet sie zunächst als Immobilienmaklerin in der Madison Avenue. Schon bald avanciert sie in der New Yorker High Society zum bekannten Party-Girl und pflegt Beziehungen zu Prominenten. Im Big Apple lernt sie mit Anfang  dreißig auch Jeffrey Epstein näher kennen, der ihr Berichten zufolge aber bereits zuvor von ihrem Vater vorgestellt worden sein soll.

"Ghislaine war immer schon eine begnadete Netzwerkerin", erzählt ein Bekannter der Epstein-Vertrauten gegenüber dem US-Magazin People.

Ihre väterlich bedingten Kontakte in die Upper Class sollen es auch gewesen sein, die Jeffrey Epstein halfen, ein angesagter Party-Veranstalter zu werden. Epstein schmiss exklusive Feiern, auf denen Persönlichkeiten wie die Clintons, Donald Trump und Woody Allen verkehrten.

Doch Maxwell wurde nicht nur Epsteins Geschäftspartnerin. Medienberichten zufolge soll sie kurze Zeit auch mit ihm liiert gewesen sein. Glaubt man Gerüchten, soll Epstein aber das Bedürfnis gehabt haben, anderen Frauen nahe zu sein. Aus der angeblichen Beziehung entwickelte sich schließlich eine langjährige Freundschaft.

Schwere Vorwürfe

Heute steht Ghislaine Maxwell im Zentrum der Ermittlungen gegen den verurteilten Sexualstraftäter. Nach außen gab Maxwell die Wohltätige, gründete 2012 die Hilfsorganisation TerraMar Project, die sich dem Schutz der Ozeane widmet. Im Verborgenen soll sie aber jahrelang junge Mächden für Epstein ausgesucht und diese für Sex mit ihm regelrecht "trainiert" haben.

Zahlreiche Frauen beschuldigen die enge Vertraute von Jeffrey Epstein. Unter anderem Virginia Roberts. Die damals 15-Jährige soll 1998 im Spa von Trumps Mar-a-lago Club in Palm Beach (Florida) gearbietet haben, als sie dort Maxwell kennengekernt habe. Diese habe sie wiederum mit Jeffrey Epstein bekannt gemacht.

In einem Video der Zeitung Miami Herald schildert Roberts, dass sie nach ihrer Zusage darin unterrichtet worden sein soll, wie man einen Mann oral befriedigt und wie man sich unterwürfig verhält - Epstein nach Roberts Worten "gibt, was er will".

"Viel von diesem Training kam von Ghislaine selbst. Es überrascht, dass eine Frau so etwas zuließ. Und sie ließ es nicht nur zu, sondern brachte mich dazu, es zu tun", behauptet das mutmaßliche Opfer.

Auch Prinz Andrew in Bedrängnis

In den vermeintlichen Sexhandelsring könnten auch andere Prominente involviert gewesen sein. So gerät auch Prinz Andrew aufgrund seiner langjährigen Freundschaft zu Maxwell und seiner Bekanntschaft mit Jeffrey Epstein zunehmend unter Druck: Eine US-Amerikanerin behauptet, zum Geschlechtverkehr mit dem Sohn der Queen gezwungen worden zu sein.

Die Frau namens Virginia Giuffre berichtet unter anderem, dazu aufgefordert worden zu sein, mit Andrew Sex in Maxwells Haus in London zu haben, als sie gerade einmal 17 Jahre alt war. Vorwürfe, die der Prinz "kategorisch" dementiert.

Bei einer Pressekonferenz in New York, bei der die Vorwürfe gegen Epsteins frühere Freundin dargelegt wurden, wurde laut Guardian der 60-Jährige nun aber dazu aufgefordert, sich einer Einvernahme zu stellen.

Jeffrey Epstein soll jahrelang minderjährige Mädchen und junge Frauen sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Der Investmentbanker war bereits 2008 wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt worden und wurde seitdem als Sexualverbrecher geführt.

Epstein wurde vor einem Jahr erneut festgenommen und später tot in seiner Gefängniszelle in Manhattan gefunden. Nach Angaben des US-Justizministeriums nahm er sich das Leben. Bei einer Verurteilung hätten dem Multimillionär, der gute Kontakte zu zahlreichen Politikern und Prominenten hatte, bis zu 45 Jahre Haft gedroht.

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