© RGE-Press/Eckharter

In der Seele wühlen
08/05/2012

Elke Winkens: Ich lass mich in Ruh

Elke Winkens hat aufgehört, in ihrer Seele zu wühlen. Es tut ihr gut. Verheiratet, mag sie sich langsam selber, verwöhnt sich, lässt sich verwöhnen. Arbeitet, was sie freut: Am 30. August in Berndorf.

Talkshows, in denen die Leute sagen „Jetzt hab ich das Gelbe vom Ei gefunden!“ gehen ihr auf die Nerven. Zu schwierig, etwas Genaues zu wissen: „Vor zehn Jahren war ich eine andere. In zehn Jahren werde ich eine andere sein.“ Bissl schiebt’s Elke Winkens auf den unsteten Beruf, die professionell bedingten Verwandlungen, vieles findet sie in ihrem Naturell angelegt. „Bin so ein Runner. Renn ja gleich weg.“ Ist sich nicht sicher, ob sie je ankommen will, lieber lernen. Experimentieren. Sich selber suchen, ja. Doch dass es zementierte Lösungen gibt, glaubt sie nicht.

„Ehe ist auch so ein Experiment“, sagt sie. Sagt sie? Lacht es, akzentuiert es, singt’s fast, als flirrend leichte Melodie mit dunklem Unterton. Die Winkens-Stimme switcht zwischen sattem Katzenschnurren, partytauglichem Zweihundertsilbeninderminute-Gezwitscher, gelassener Weisheit. Das gibt’s. Und sie singt wirklich wieder. Hat’s an der Musical School am Theater an der Wien gelernt. Ausgeklammert, weil sie Schauspielerinnen, „die alles machen“, überheblich fand. Jetzt trainiert sie ihren Mezzosopran bei einer Lehrerin. „Mach also doch auch alles“, lacht sie. Über sich selbst, über fix und nix fix.

Nun Ehe leben. „Ich wusste gar nicht, worauf ich mich einlasse. Er hat mich gefragt, und ich hab Ja gesagt.“

Wem die Segnung vergangenen Oktober im Wiener Stephansdom entgangen sein sollte: ER ist 51, sehr fesch, Unternehmer für die Mineralölfirma LC, heißt Christian Fischer, und die Braut, die sich in zartem Altrosa von Valentino traute, nahm seinen Namen an. „In guten und in schlechten Tagen“ schaut Frau Fischer auf den Ring an ihrem Finger, gewillt, „die Sache auszutragen“. Sagt, dass sie erst nach und nach kapiere, was das heißt. „Bin immer abgehaut. Was interessieren mich die schlechten Tage! Aber Weglaufen ist keine Lösung.“

Sie verändert den Aggregatzustand wie in ihrem letzten großen Film „Arschkalt“ (in dem Herbert Kamp aus dem Off von Aggregatzuständen erzählt) unmittelbar zu einem Schmusesong: „Fühl mich wie ein frischgebackener Apfelkuchen. Heiß und flaumig.“ Möchte den Zustand gern länger frisch halten, die Herausforderung annehmen, den Spagat, den sie mit sechs Jahren als Ballettkind, später als prämierte Bodenturnerin körperlich perfekt beherrschte, aufs Eheleben übertragen. Wagen. Mit leichter Hand die richtige, aushaltbare, beglückende Mischung aus Nähe und Distanz finden.

„Zusammenpicken“ findet Elke „entsetzlich“. Erzählt nachdenklich: „Meine zweiten Eltern haben einen Betrieb zusammen geführt, sind Tag und Nacht aufeinandergeklebt. Ich fand immer: Sorry, das kann doch nicht schön sein! Vater sagte: Wunderschön! Mutter zuckte milde mit den Schultern.“ Andererseits weiß die Schauspielerin von unzähligen Kollegen-Ehen, dass es gefährlich ist, „so weit ausein­anderzugehen, dass man den anderen nicht mehr sieht, sich nichts mehr zu sagen hat, sich auseinanderlebt.“ Hat beobachtet, dass das schwer lösbar ist; fragt philosophisch, warum wir immer nach Lösungen streben; hat für sich entschieden, keine vorgefertigte Lösung aus der Tasche ziehen zu wollen: „Obwohl es sich schwer im Diffusen leben lässt. Das muss man aushalten.“ Sie habe diese Nervenstärke, „wenn ich emotional gut eingebunden bin“.

Nein, an Kinder denkt sie nicht. Erklärt, so jung und schön sie aussieht: „Bin viel zu alt. 42. Man muss auch an das Kind denken, nicht nur daran, dass ich’s vielleicht lustig fände. Es sei denn, der liebe Gott will es mir zuteilen.“ Ja, den gibt es. Für sie ist es ein katholischer. „Er ist da, wenn ich ihn rufe.“

Nein, Herr und Frau Fischer wohnen nicht zusammen. Die Blondine mit dem gar nicht blonden Hirn lacht diesmal laut und lustig: „Aber wir haben genügend Plätze, um uns zu treffen. Vier Wohnungen, klein aber fein. Seine in Wien achtzehn, meine in Wien sechs (mit Blick auf den Flakturm), eine, die wir uns gemeinsam in Kirchberg / Tirol genommen haben, und das Appartement in Berlin Mommsenstraße. Heinz Mareceks Tochter Sarah wohnte darin, Elke schlief eine Nacht dort, während des Filmdrehs von „Rottmann schlägt zurück“. Ein Jahr später waren die 50 Quadratmeter frei. Die Vielreisende und Gerneputzende stellte sich vor, dass der große Raum wie ein Hotelzimmer aussehen müsste. Begann zu renovieren. „Ha! Gestern endlich fertig geworden. Das Letzte getan: Das Geschirr gekauft.“ Nach monatelangem Tüfteln, Planen, Gestalten. „Allein die Wandfarbe. Schlamm. Gut. Aber oben mit Rand oder ohne Rand? Millionen Fragen zu beantworten.“

Elke wundert sich: „War der ungeduldigste Mensch der Welt. Bin allein in Wien zumindest zwanzig Mal umgezogen. Einmal hab ich die ganze Einrichtung in zwei Stunden in einem einzigen Geschäft zusammengerafft. Musste immer sofort fertig sein.“ Bis ihr Freundin „Ulmchen“ – „sie hat mir auch meinen Mann vorgestellt und war meine Trauzeugin – beibrachte, „dass eine Wohnung wachsen muss. Dass man die Möbel so aufstellen muss, dass der Raum nicht kippt. Dass Farben, Stoffe, Lichttemperatur Stimmungen steuern.“

Gut, findet die Schauspielerin, die 2002 mit Temperament und Pistole als Kollegin von Schäferhund Rex serienmäßig durchgestartet ist. So sexy, dass Playboy sie zum Cover­shooting bat und sie auf tausend Festen tanzen hätte können. Gut, denn sie habe sich „aus vielen Dingen zurückgezogen“, sei gern auch alleine. Um sich nach „einer schwierigen Kindheit“ bissl selber zu verwöhnen: Ist immer vorangestürmt, fleißig, ehrgeizig, hat sich Verletzungen lange nicht eingestanden, weit weg geschoben. Zwischenlösungen gesucht, von der Mutter, einer holländischen Tänzerin, dem Vater, einem deutschen Ingenieur, der Webmaschinen in Entwicklungsländern aufgebaut hat. Cholerisch. Elke beschützte den Zwillingsbruder vor seinem Zorn. In Holland, Belgien, Afrika. Sie vertanzte und verturnte ihre ganze Jugend, verdiente gut damit. Angetrieben. Bis sie sich irgendwann neue Eltern suchte. Die in Wien bei ihrer Hochzeit waren. Ihren richtigen Vater hat sie nicht wiedergesehen, ihre Mutter starb an Krebs. Elke hat sie begleitet.

Mochte lange wenig an sich. Wir erinnern uns an die Talk-Show, in der sie erklärte, wie sie ihre Magersucht überwunden hat. Endlich findet sie: „Bin eigentlich die beste Elke, die ich sein kann. Hab aufgehört, an mir herumzukritteln: Das nicht und das nicht. . . und in meiner Seele zu wühlen.“ Sagt den Satz der Sätze für Melancholiker: „Ich lass mich in Ruhe. Und es tut mir gut.“

Dreht einen „schönen“ Film pro Jahr, moderierte Opernball, Lifeball, wird am 30. August im Stadttheater Berndorf ihre komödiantischen Talente blühen lassen: Gibt in der für Frauen adaptierten Version des Neil-Simon-Hits „Ein ungleiches Paar“ die perfektionssüchtige Florence – eine Nervensäge, die alles besser weiß, sich aber grad umbringen will, weil ihr Mann sie verlassen hat. Ihre legere Freundin Olive (Nina Hartmann) nimmt sie bei sich auf. . .

Im Film, übersetzt mit „Ein seltsames Paar“, gab Jack Lemmon den Kontrollfreak, der seinen schlamperten Freund Walter Matthau auf Vordermann und zum Wahnsinn bringt. Zweiflerin Elke liebt die Rolle schon beim Lernen. Glaubt ihrer Florence nicht im Geringsten, „dass sie alles weiß“, glaubt, „sie wird auch den nächsten Typen vergraulen“. Glaubt „dass wir alle so leben, von einem Desaster zum nächsten. Ein Leben lässt sich nur in Phasen beschreiben.“

Frau Fischer versucht es. Ab 7. November in der Wiener Eden Bar. Klein, aber sie möchte, dass „das Publikum ganz nah an mir dran ist“. Bei ihrem ersten Soloprogramm „Alles gelogen“, in dem alles wahr ist, denn die Schauspielerin, Tänzerin, Sängerin, erzählt, tanzt, singt Geschichten aus ihrem Leben, aufgezeichnet von Gabriel Castaneda-Senn. Lustiges, wie sie ihre Eltern am Besuch ihres Debütfilms „Helden von Tirol“ hindern wollte, „weil ich da nackt gevögelt und gejodelt hab. Aber es wird auch traurig“, sagt sie, und dass sie die Zuschauer zum Lachen und Berührtsein bringen will.

Weil sie mit den „Kranken Schwestern“ begonnen hat, weil sie Sarkasmen liebt, weil sie in der traurigsten Situation noch einen Witz versteckt findet. „Als meine Mutter krebskrank war, hab ich immer angeklopft, bevor ich ihr Zimmer betreten habe. Als sie tot war, haben wir sie gewaschen, geschminkt, gekleidet, wie sie es wollte. Aufgebahrt. Als ich noch einmal hineinging, hab ich automatisch wieder angeklopft – und musste wahnsinnig lachen. Hab sie angefasst, doch sie war natürlich kalt.“

Stampft kurz auf, als sie von der Bemerkung eines nicht näher Bekannten erzählt: „Wovon lebt die Winkens eigentlich?“. Hat sie gekränkt, denn sie ernährt sich gut von ihrer Arbeit. Dreht halt in Deutschland. Findet’s deshalb ebenso ärgerlich, wenn Zeitungen von „Comeback“ sprechen, nur weil sie nicht mehr ständig in Österreichs Societyseiten und auf dem Cover von Programmillustrierten auftaucht. „Hab so viel gearbeitet! Jetzt beschäftigt’s mich mehr, wo ich den besten Delika­tessenladen finde, den richtigen Vorhangstoff.

Nachzuholen, was ich als Teenager versäumt hab: Alle „100 besten Filme“ zu sehen, Ski zu fahren, den ganzen Winter lang. Trotz Legasthenie ein Buch zu lesen. Sie gesteht, es war „Shades of Grey“, und es sei schon so, „dass man durchrast, weil man wissen will, ob SIE ihn vielleicht doch in die Wüste schickt, und ob ER sich vielleicht doch zum echten Traummann entwickelt – aber leider ist es banal geschrieben.“

P.S: Die ultimativen Neuigkeiten schießt Elke durchs Telefon nach: Erstens bekam sie „ein riesiges Auto“, einen Volvo XC 90, weil sie so viel zwischen den Wohnungen hin- und herschleppt. Zweitens bekommt sie den Hund ihrer Träume, den ihr Eltern und Männer bisher immer ausgeredet haben. Einen Mops. Das blonde Fräulein Schneider aus Berlin Bernau.
PPS.: Herr Fischer scheint anders als Mr. Grey ein echter Traummann zu sein.

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