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05.12.2017

Ehen der Brit-Royals: Große Dramen haben Tradition

Vor Prinz Harrys Hochzeit mit der geschiedenen Amerikanerin Meghan Markle bietet sich ein Blick zurück an: Wie sich die Zeiten im britischen Königshaus geändert haben.

Warum jubeln die Royals, wenn Prinz Harry die geschiedene Amerikanerin Meghan Markle heiratet, während sein Urgroßonkel Edward VIII. auf den Thron verzichten musste, weil auch er eine geschiedene Amerikanerin geheiratet hat, nämlich Wallis Simpson?

Nun ja, die Zeiten haben sich geändert. Seit dem Skandal um den späteren Herzog von Windsor sind mehr als 80 Jahre ins Land gezogen. Abgesehen davon war er König, was Prinz Harry aller Voraussicht nach nie werden wird – er steht an fünfter Stelle der britischen Thronfolge.

Vor allem aber haben die Royals mittlerweile in ganz Europa erkannt, dass Ehen innerhalb der wenigen als "ebenbürtig" geltenden Adelshäuser – die meist eng miteinander verwandt sind – den Monarchien nicht gut tun. Und es gibt jede Menge Beweise dafür, dass eine Vermischung mit dem Bürgertum zu glücklichen Paarungen führt: Eine ganze Reihe von Prinzen und Prinzessinnen in Spanien, Schweden, Norwegen, Dänemark und den Niederlanden haben junge Frauen und Männer "aus dem Volk" geheiratet – und jede einzelne dieser Ehen verläuft, wie es scheint, harmonisch. Was von "standesgemäßen" Verbindungen nicht immer behauptet werden kann.

Gerade in Großbritannien haben Prinzen- und Königsdramen Tradition:

-Prinzessin Margaret Die Großtante von Prinz Harry, Prinzessin Margaret – sie war die jüngere Schwester der Queen –, durfte den Luftfahrtoffizier Peter Townsend, den sie liebte, nicht heiraten. Er war nicht nur bürgerlich, sondern vor allem geschieden. Der britischen Regierung war die Trennung Margarets und Townsends so wichtig, dass er als Militärattaché nach Brüssel versetzt wurde, um von der Geliebten möglichst weit weg zu sein. Am 31. Oktober 1955 verzichtete die Prinzessin in einer öffentlichen Erklärung auf die Ehe mit Peter Townsend.

Glücklich wurde sie auch danach nicht. Margaret heiratete 1960 den Fotografen Antony Armstrong-Jones, der ebenfalls bürgerlich, aber wenigstens nicht geschieden war. Das Problem, nicht der Aristokratie anzugehören, ließ sich schnell lösen, indem die Queen ihren frisch angetrauten Schwager zum Earl of Snowdon erhob. Die Ehe, der zwei Kinder entstammen, wurde aber 1978 – nach mehreren bekannt gewordenen Affären Margarets und Lord Snowdons – geschieden.

-Charles, Diana, Camilla Auch Harrys Vater, Prinz Charles, fand sein Glück bekanntlich erst auf Umwegen. Er hatte als junger Mann eine Affäre mit seiner heutigen Frau, die damals den bürgerlichen Namen Camilla Rosemary Shand trug. Als man Camilla 1972 wissen ließ, dass für sie eine Ehe mit dem britischen Thronfolger auszuschließen sei, heiratete sie den Kavallerieoffizier Andrew Parker-Bowles. Auch in diesem Fall hat der Lauf der Zeit Unmögliches möglich gemacht. Charles heiratete die adelige Lady Diana Spencer, hielt seine Beziehung zu Camilla jedoch aufrecht – und ehelichte diese im April 2005 nach der Scheidung und dem Tod Dianas. Regierung und anglikanische Kirche sprangen über ihren Schatten und gaben der Verbindung ihren Segen, obwohl jetzt sowohl Charles als auch Camilla geschieden waren.

-Prinzessin Anne Auch bei Prinz Harrys Tante, Prinzessin Anne, klappte es erst beim zweiten Anlauf. Die Tochter der Queen heiratete 1973 den Reiter Mark Phillips, der das Angebot, in den Adelsstand erhoben zu werden, ablehnte, weshalb auch die beiden Kinder, Peter und Zarah Phillips, bürgerlich sind. Nachdem die Ehe 1992 geschieden wurde, heiratete Anne den Marineoffizier Timothy Laurence. Und wieder stellten sich Probleme ein. Diesmal, weil die Church of England die Wiederverheiratung der geschiedenen Prinzessin ablehnte. Doch es fand sich auch hier ein Weg: Die Ehe wurde im diesbezüglich liberaleren Schottland getraut. Auch Timothy Laurence wurde nicht in den Adelsstand erhoben.

-Andrew & "Fergie" Drunter und drüber verlief das Liebesleben von Harrys Onkel, Prinz Andrew, dem zweiten Sohn der Queen. Andrew geriet schon in jungen Jahren durch Affären in die Schlagzeilen, insbesondere durch die mit der amerikanischen Pornodarstellerin Koo Stark, deren Fortführung die Queen persönlich untersagte.

Aber auch Andrews 1986 geschlossene Ehe mit Sarah Ferguson, die ihm zwei Kinder schenkte, war durch Skandale geprägt. Höhepunkt war ein Zeitungsfoto, das die spärlich bekleidete "Fergie" zeigte, wie sie sich von ihrem Finanzberater und Liebhaber John Bryan die Zehen küssen ließ. Die Ehe wurde 1996 geschieden.

In einem Rotlicht-Prozess erklärte vor zwei Jahren eine Zeugin, dass Prinz Andrew Sex mit minderjährigen Mädchen gehabt haben soll (was dieser vehement bestreitet).

-William & Kate Harrys älterer Bruder William will die Fehler seiner Altvorderen ganz offensichtlich nicht wiederholen. Seine vor sechs Jahren geschlossene Ehe mit der bürgerlichen Kate Middleton verläuft allem Anschein nach makellos.

-Heinrich VIII. Blickt man in Englands Königsgeschichte etwas weiter zurück, endeten Ehen mitunter blutig, vor allem bei Heinrich VIII., der im 16. Jahrhundert zwei seiner sechs Frauen hinrichten ließ.

-Victoria Queen Victoria hingegen führte mit ihrem Mann Albert von Sachsen-Coburg eine vorbildliche Ehe. Und das, obwohl der Prinz anfangs von der britischen Aristokratie abgelehnt wurde, weil er einem "unbedeutenden" deutschen Adelsgeschlecht entstammte.

-Queen & Philip Als größtes Vorbild muss Harry aber die Ehe seiner Großeltern dienen. Queen Elizabeth und Prinz Philip sind seit 70 Jahren verheiratet. Glücklich, wie es heißt. Weil die paar Affären des Prinzgemahls längst schon vergessen sind.

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Georg Markus, "Fundstücke. Meine Entdeckungsreisen in die Geschichte", Amalthea Verlag, 280 Seiten, zahlreiche Fotos und Dokumente, € 25,-. Erhältlich im Buchhandel oder – handsigniert vom Autor – im kurierclub.at