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20.03.2018

Drew Sarich: Zwischen Jesus und Vampir

Der Musicalheld hat "tierische" Tricks, um in diametrale Rollen zu kippen.

Vom dunklen Vampirgrafen von Krolock zu Jesus und wieder zurück – der aus St. Louis (USA) stammende Musical-Darsteller Drew Sarich (42) beweist wahrlich Vielseitigkeit. Im Moment bereitet er sich auf seine Rolle als Titelheld in "Jesus Christ Superstar" vor (Premiere am Freitag). Zwischen den Proben traf ihn der KURIER zum Gespräch.

Sie haben schon oft in "Jesus Christ Superstar" gespielt. Kann man das als ihre Paraderolle bezeichnen?

Drew Sarich: Dieses Stück ist das wichtigste Stück meines Lebens. Das hat mich auf diesen Weg gebracht. Jesus Christ Superstar habe ich mit 12 Jahren gesehen und ich kam raus und sagte: Ich will das machen. Ich habe Jesus das erste Mal mit 17 gespielt und habe dieses Stück mittlerweile glaube ich 12 Mal gespielt. Es gibt kaum ein anderes Stück, das ich so gut kenne. Von beiden Seiten: Ich habe Judas gespielt, ich habe Jesus gespielt. Wenn es ein Stück gäbe, was ich mein ganzes Leben spielen könnte, wäre es Jesus Christ Superstar.

Muss man an die Rollen des Jesus bzw. Judas sensibler herangehen, weil es sich um biblische Figuren handelt?

Drew Sarich: Ich finde das gerade spannend. Jeder hat eine Vorstellung von diesen Figuren. Sei es Jesus oder Judas und ich finde das Stück so gewagt, weil jede Figur ein Argument hat. Hoffentlich versteht man beide Seiten. Es würde diese Geschichte nicht geben ohne Judas. Ich liebe, dass dieses Stück eher Fragen stellt als Antworten gibt. Aber nein, ich bin nie vorsichtig. Ich male gerne groß und bunt und ich will dann den Zuschauer auf eine Reise mitnehmen. Und das heiß manchmal, dass man dahin geht, wo man nicht unbedingt bereit ist, hinzugehen.

Gibt es da auch Kritik, weil es ja doch ein religiöser Stoff ist?

Drew Sarich: Was ich an diesem Stück schön finde, ist, dass es nichts behauptet. Ich fand Jesus Christ Superstar immer schön, weil am Ende des Stückes Jesus gestorben ist. Es gab kein "in den Himmel fliegen", es kommen keine Engel. Ein Mann stirbt und man fragt sich, ob er tatsächlich das war, was wir alle mittlerweile gelernt haben und umso wichtiger: Wer war dieser Mann Judas? Es verlangt eine Offenheit vom Publikum. Es ist kein Stück, das man willkürlich oder unvorsichtig produziert. Ich bin aber jemand, der gerne alles riskiert.

Ab Mai spielen Sie ja auch wieder den Grafen von Krolock. Wie schafft man den Spagat zwischen den doch sehr unterschiedlichen Rollen?

Drew Sarich: Ich arbeite gerne mit Tierbildern, wenn ich eine Rolle vorbereite. Und der Krolock war für mich immer eine Mischung aus Adler, Puma und Elvis Presley. Für mich ist Jesus ein Löve, der sich entscheidet, sich wie ein Lamm zu verhalten. Dadurch ist es immer aktiv, es ist nie fad. Tiere agieren und reagieren nach Instinkt und das heißt, ich brauche nicht zu viel überlegen. Ich baue ein Gerüst für mich und dann gehe ich spielen.

Die Verwandlung zum Grafen von Krolock wird ja auch eine Zeit dauern. Was machen Sie während Sie in der Maske sind?

Drew Sarich: Ich habe unglaublich nette und geduldige Maskenbildnerinnen. Ich spiele meine Musik wahnsinning laut und ich singe mit. Das ist mein Einsingen. Ich singe mit Metallica und ich versuche immer, ein Musikbild zu bauen für die Pre-Show. Bei Krolock ist Marilyn Manson dabei, Johnny Cash, Metallica und Guns n' Roses. Dunkel, gewalttätig, verführerisch.

Sie haben auch schon am Broadway gespielt. Ist das dort eine andere Welt?

Drew Sarich: An Qualität ist kaum ein Unterschied. Es gibt wunderbare Darsteller hier, es gibt wunderbare Darsteller in Amerika. Was ich immer wieder merke, ist, dass es hier im deutschsprachigen Europa, aber vor allem in Wien, dieses Kastendenken gibt. Es gibt Kunst, es gibt Theater, es gibt Musik und dann gibt es dieses Unwort namens Musical. Meine Frau (Musicaldarstellerin Ann Mandrella - Anm. d. Red.) und ich kämpfen seit Jahren dagegen. Noch ein Vorteil: In Amerika ist es einfach größer. Es gibt eine größere Auswahl an Stücken. Weil alles privatisiert ist, gibt es eine gesunde Konkurrenz. Das sieht man im deutschsprachigen Europa nicht so. Das heißt, es kommt immer wieder was Neues, aber von der Qualität her kann man nichts sagen.

Und nun zur Zukunft: Welche Rollen würden Sie gerne noch spielen?

Drew Sarich: Da gibt es viele. Sweene Todd, Billy Bigelow in Carousel, Ravenal in Showboat. Ganz viele von den alten Diamanten liebe ich. Aber ich würde auch liebend gerne ein David Mamet-Schauspiel machen. Irgendwann würde ich gerne Richtung Sprechtheater gehen, also das wieder machen dürfen, weil ich es so lange nicht machen durfte. Ich bete, dass irgendwann, irgendjemand eine Bühnenproduktion von Pink Floyds "The Wall" macht. Das würde ich auch gerne machen.

Und was machen Sie, wenn Sie nicht auf der Bühne stehen?

Drew Sarich: Ich schreibe selber Musik. Ich arbeite jetzt gerade an meinem fünften Album. Es heißt "Hunting for Heaven". Und da arbeite ich mit Titus Vadon. Er spielt Schlagzeug bei mir und produziert. Ich habe auch eine Familie. Ich bin verheiratet mit zwei Kindern, Amelie und Noah. Und da verbringe ich so viel Zeit, wie ich kann. Ich koche gerne, ich male. Es gibt ganz oft einfach zu wenige Stunden am Tag.