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Dieter im Interview
10/18/2013

Bohlen: "Bekomme alles geschenkt"

Dieter Bohlen ist ein Modemuffel und geht nie einkaufen. Trotzdem war er Stargast in einem Shoppingcenter.

von Christina Michlits

Über 100 Millionen Euro soll er schwer sein, dennoch lässt sich Dieter Bohlen die Jubiläumsparty eines Einkaufscenters bei Wien nicht entgehen – wenn die Gage stimmt.
Zeit, um das erarbeitete Geld zu verprassen, hat er nicht: „Ich kann kaum Geld ausgeben, ich arbeite ja immer. Was soll ich kaufen, ich bekomme doch alles geschenkt.“ Sogar in seiner Stammbäckerei müsse der Showman nicht bezahlen.

Durch seine Popularität könne er in seiner Heimat Hamburg nicht mehr einkaufen gehen: „Das bringt nichts, selbst wenn da nur 50 Leute um mich herumstehen“, erklärt er im KURIER-Interview. Der passende Typ für eine Shoppingcenter-Werbung sei er nicht, gibt der Ostfriese zu. „Von Mode und diesem Pipapo habe ich überhaupt keine Ahnung.“ Dennoch ist der Sprüchklopfer bei einem Mode-Label unter Vertrag. Für das richtige Outfit hat er dann noch „tolle Damen“, die sich um ihn kümmern.

Zahmer als früher

Sein Vermögen hat Bohlen vor allem als Produzent von Musikhits verdient, die Castingshows spülen jetzt noch extra ein paar Millionen jährlich auf sein Konto.

Der 59-Jährige wirkt zahmer als vor einigen Jahren, auch wenn er das nicht wirklich zugeben will. In der aktuellen Ausgabe von „Supertalent“ sei er nur nicht so gemein, „weil es eben weniger schlechte Kandidaten gibt“. „Es ist die beste Jury, die wir je hatten“, gibt er sich begeistert. Die Quoten der Show gehen in der Tat wieder nach oben. Wieso sich Bohlen daher Shoppingcenter-Besuche antut und sich von Frank Stronach buchen lässt, ist fraglich.

Nötig hätte er das nicht. Aber Bohlen verdient offenbar lieber Geld, als es auszugeben. Und seine sechs Kinder muss schließlich auch jemand durchfüttern.

Bohlen, der Rotzlöffel Deutschlands

Dieter Bohlen ist die erfolgreichste TV-Persönlichkeit der Saison 2011/12. Das berichtet der Mediendienst kress report. Andere Fernsehunterhalter wie Stefan Raab oder Markus Lanz ließ er hinter sich. Trotz schrumpfender Zuseherzahlen bei "DSDS" gilt er als der Quoten-König Deutschlands. Sogar dem gefallenen TV-Kaiser Thomas Gottschalk gewährt er das Gnadenbrot in der nächsten Ausgabe von "Das Supertalent". Was macht den millionenschweren Musikproduzenten und Sprücheklopfer eigentlich so erfolgreich?

Gnadenbrot für GottschalkBohlen nimmt den ehemals größten Showmaster Deutschlands in seine Casting-Sendung auf und krallt sich damit automatisch den Titel. Vor einigen Jahren noch undenkbar - doch nun "darf" Thomas Gottschalk als Jurymitglied neben Dieter bei "Das Supertalent" sitzen.

Bohlen sieht sich mit knapp 60 als Typ für die Jungen, Gottschalk darf die Alten unterhalten. Bohlen über seinen neuen Jury-Kollegen: "Ich glaube schon, dass Thomas ein anderes moralisches Empfinden hat als ich. Und sein kommoder, netter Umgangston ist vielen Älteren bestimmt lieber als dieses Raue, das von mir kommt. In der Musikindustrie herrscht eben ein anderer Umgangston. Da wird nicht nur mit Wattebäuschchen gekämpft."

Freche SprücheUnd genau das macht Didder aus - seine flapsigen, nicht selten beleidigenden Sprüche, die er genau einstudiert hat. Einige Beispiele aus "DSDS" gefällig? "Das klingt, als wenn sie dir den Arsch zugenäht haben und die Scheiße oben raus kommt", "Wenn Heather Mills ihr Holzbein auf die Kegelbahn schmeißt, fallen die Kegel immer noch rhythmischer um als du singst" oder "Du bist die personifizierte Talentfreiheit aus Deutschland!"

Wirklich beliebt ist der 58-Jährige nicht unbedingt, doch er weiß aufzuregen - und das bringt Quote. Sich im Fernsehen kein Blatt vor den Mund zu nehmen, gilt noch immer als gewagt - bei Kai Pflaume oder Jörg Pilawa gibt`s sowas nicht zu hören. Mit seinem selbstsicheren, arroganten Verhalten macht er immer noch so einige staunen. "Der traut sich was" ist der Tenor der Bewunderer.

ErfolgsproduzentSeine Blasiertheit liegt nicht zuletzt seinem ernormen Erfolg als Produzent und Komponist zugrunde. Bohlen produzierte ab Ende der 70er Jahre Schlager- und Volksmusikgrößen wie Andrea Berg, Peter Alexander, Nino de Angelo, Rex Gildo, ...

... Bonnie Tyler, Howard Carpendale, Roland Kaiser, Engelbert, Yvonne Catterfeld, Roger Whittaker oder Roy Black und wurde damit zum Multi-Millionär.

Nicht hitverdächtig: Die ersten GehversucheAngefangen hat aber auch Herr Bohlen klein. Nicht einmal einen Plattenvertrag bekam er auf Anhieb. Als er es dann doch schaffte bei Schallplattenfirmen wie "Intersong" und "Hansa" anzuheuern, war er zunächst in der Band "Sunday" (im Bild) tätig.

Misserfolge als Steve BensonEr veröffentlichte auch Songs als Solo-Künstler unter dem Pseudonym Steve Benson und komponierte und produzierte bereits für andere - damals aber noch mit mäßigem Erfolg. Steve Benson ließ er bald wieder sterben, alle Singles hatten es nicht in die Top 100 geschafft.

Die großen Hits mit Modern TalkingDem Schlagerbarden Thomas Anders schrieb er sechs Songs - alles Misserfolge. Bis sich Bohlen selbst mit Anders auf die Bühne stellte und Modern Talking geboren wurde.

Mit "You’re My Heart, You’re My Soul" oder Songs wie "Cheri Cheri Lady" und "Brother Louie" stürmten sie in den 80ern die Charts in ganz Europa. Wie keine anderen verkörperten sie die Bad-Taste Ära der 80er - aus heutiger Sicht zumindest - Gnackmattn und Goldketterl inklusive.

Das Popduo Modern Talking - Thomas Anders und Dieter Bohlen (r) - singt am 22.2.2002 in Kiel im Rahmenprogramm der deutschen Vorentscheidung fürGrand Prix Prix Eurovision 2002 ivfoto). Der ehemalige Mode Modern-Talking-Sängemas Ande Anders ein Ex-Partn

Drei Akkorde müssen reichenMit dem Soloprojekt Blue System machte Bohlen weiter - die Songs wurden noch einfacher, mehr als drei Akkorde gab`s in den Liedern nicht zu hören. Gutes Geld verdiente er bereits als Komponist für andere Sänger - die besser sangen als er selbst. Damals war Bohlen, der in Ostfriesland und Niedersachsen aufwuchs, noch mit Erika Sauerland verheiratet, mit der er drei Kinder hat. 

Naddel1989 kam allerdings Nadja Abd el Farrag - besser bekannt als Naddel - ins Spiel. Bohlen ließ sich scheiden, lebte mit Nadja zusammen bis er 1996 Verona Feldbusch traf.

VeronaÜber die kurze Beziehung und noch kürzere Ehe (einen Monat) haben Verona als auch Dieter heute nichts Positives zu berichten.

Winterlich wirkt die Villa des Musikproduzenten Dieter Bohlen am Montag (15.12.2003) in Tötensenis Hais Harburg)lens Villa war erneut Ziel von Einbrechern.hern. Nach Angaben der Polizei nahmen die unbekannten Täter unter anderem einen Tresomälde, Schm

Das Archivbild vom 11.04.2002 zeigt den verliebten "Modern Talking"-Sänger Dietel Bohlen (48) mit seineeundstefsia (22) in der ZDF ZDF-"#34-"Johs B. KernKerner-Show" in Ham. Weriger harmonisch geht est es zwischen Bohlen und seiner Ex-Frau Verona Feldbu

Nachdem es Estefania schaffte, sechs Jahre bei ihm zu bleiben und einen Sohn mit dem eitlen Produzenten bekam, ging er fast nahtlos in eine Beziehung mit der heute 28-jährigen Fatma Carina Walz über.

CarinaMit ihr hat er nun sein fünftes Kind. Sorgen um die Erhaltung der kleinen Bohlens muss man sich keine machen - sein Vermögen wird auf mehr als 150 Millionen Euro geschätzt.

MillionenschwerEinige Euros hat auch das Erfolgsformat "Deutschland sucht den Superstar" gebracht. Seit 2002 sitzt er in der Jury - die Kollegen wechseln, nur Bohlen bleibt. 1,2 Millionen Euro soll er pro Staffel kassieren, dazu kommen noch die Einnahmen, die er mit den Alben der neuen, deutschen Möchtegern-Superstars macht.

Das ErfolgsgeheimnisBohlen hat ein Gespür für die breite Masse. Mainstream-Allüren gepaart mit dem Charme eines kindlichen Rotzlöffels - diese Kombination ist wohl sein Erfolgsgeheimnis.

Schlagzeilen mit derben SprüchenSeine einfach strukturierten Kompositionen kann jeder mitträllern. Und auch die frechen Sprüche scheinen das Fernseh-Publikum noch immer zu interessieren. So keck und anmaßend wie Bohlen sind nur wenige - das erfrischt und bringt auch nach unzähligen "DSDS"-Sendungen immer wieder Schlagzeilen.

Bohlens AblebenBeten tut Herr Bohlen übrigens jeden Tag, das beruhige ihn. Und auch über sein Ableben hat sich der Pop-Titan, wie er von der Presse gern betitelt wird, schon Gedanken gemacht. "Auf meiner Beerdigung sollen sie "Midnight Lady` spielen. Will ja was Gutes da unten hören", erklärte Bohlen, der den Song selbst für Chris Norman und eine Folge von "Tatort" komponiert hat.

Hype um Dieter und Knight Rider

Mit gestylten Haaren und Brille im Gesicht betrat Freitagvormittag Dieter Bohlen das G3. Dicht gefolgt vom wohl bekanntesten Bademeister, David Hasselhoff. An den Absperrungen drängten sich sofort die Fans. Jeder wollte ein Foto und die Stars hautnah erleben.

Zum einjährigen Geburtstag hatte sich das Shoppingcenter in Gerasdorf bei Wien (NÖ) zwei Weltstars eingeladen. Und die Kunden folgten. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl Dieter live zu sehen“, strahlt Sebastian Kern, der für sein Idol aus St. Pölten gekommen ist.

„Wir haben uns von der Schule freigenommen“, lässt eine junge Dame durchklingen. Die Anziehungskraft der beiden Stars wirkt aber auch auf das älteres Publikum. „Dieter und ich sind ungefähr derselbe Jahrgang und ich habe ihn natürlich schon zu Modern-Talking-Zeiten zugejubelt“, erzählt Renate Grois, die den Musiker zum ersten Mal live sah.

Publikumsmagnet

Beim anschließenden Einkaufsbummel ließ sich der Pop-Titan in gewohnter Manier von Journalisten und Autogrammjägern umkreisen. Für Frau und Tochter wurden gleich die ersten Weihnachtseinkäufe erledigt.

Auch wenn viele der Kunden bereits vor dem Ansturm wieder geflüchtet sind, das Einkaufszentrum in der direkten Umgebung wird regelmäßig angenommen.

„Ich bin in fünf Minuten hier und bekomme sowohl für mich, als auch für meine Enkelkinder alles angeboten“, sagt Rita Schnabl aus Wolkersdorf. Ganz ähnlich sieht es Gerhard Brey aus Schrattenberg: „Ich wohne zwar an der tschechischen Grenze, mit der Autobahn sind wir in kurzer Zeit hier. Bei dem großen Sortiment zahlt es sich auch aus.“

Erfolgsprojekt

Höchst zufrieden mit dem ersten Jahr zeigt sich deshalb auch Thomas Jakoubek, Geschäftsführer des Ressorts. „Allein im heurigen Jahr haben wir über fünf Millionen Besucher. Mit dieser Anzahl liegen wir sogar über unseren Erwartungen. Das Konzept eines Shopping-Ressorts ist jedenfalls voll aufgegangen und mit keinem anderen vergleichbar“, freut sich Jakoubek. Das Ziel bis zum zweiten Geburtstag steht jedenfalls fest. „Heuer ist uns ein Umsatz von 200 Millionen Euro gelungen. In einem Jahr sollen 240 Millionen sein“, gibt Kurt Schneider, Geschäftsführer des Ekazent Immobilien Managements die Richtung vor.

Mit dem Modeunternehmen Zara wird 2014 ein weiteres Luxuslabel vertreten sein. Auf die Konkurrenz, wie SCS, Donau Zentrum oder SCN, hat sich die Eröffnung seither nicht ausgewirkt. Umsatz und Besucherzahlen sind laut Angaben der Geschäftsführer trotzdem gestiegen, nur die SCN wollte dazu keine Angaben machen. Zum Branchenriesen SCS, mit 760 Millionen Jahresumsatz bei 70.000 Besuchern täglich, bleibt für das G3 noch Luft nach oben.

Den Besuchern wird jedenfalls einiges geboten. Neben den Autogrammstunden wird eine Modenschau veranstaltet und Fans der Serie „Knight Rider“ dürfen im originalen, sprechenden Auto Platz nehmen.

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