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Im Interview
06/12/2013

Die Molchos: Weltenbummler mit Familiensinn

Nuriel und Nadiv Molcho über ihren Familienbetrieb, Wien, Los Angeles und Eis.

von Christina Michlits

Nuriel und Nadiv Molcho sind in Wien aufgewachsen, miteinander reden tun die beiden aber ausschließlich Englisch. "In der ganzen Welt daheim" - dieses Motto passt ganz gut zu den zwei Brüdern, die im Ausland studiert und die Vienna International School besucht haben. Nuriel (29) und Nadiv (23) sind zwei von vier Söhnen der Köchin und Szenegastronomin Haya Molcho und des Star-Pantomimen und Bestseller-Autor Samy Molcho. Nuriel - der Älteste der vier - und Nadiv - das Nesthäkchen - haben unterschiedliche Lebenswege eingeschlagen.

Nuriel kümmert sich um das Familienunternehmen ("Neni", "Neni im Zweiten", "Tel Aviv Beach"), hält nach neuen Geschäftsmöglichkeiten Ausschau und mischt in der Wiener Clubszene mit. Nadiv versucht sich in Los Angeles als Schauspieler ("Uprising - der Aufstand", "Friends", "Klimt"), hat seine eigene Produktionsfirma gegründet und realisiert gerade einen selbstfinanzierten Film, in dem er die Hauptrolle spielt.

Wir haben mit den Brüdern über ihren Beruf, die Familie, Wien, Los Angeles und Eis gesprochen.

Nadiv, Sie drehen gerade einen Film, den Sie selbst produzieren. Ein Schauplatz wird auch Wien sein. Wie läuft es mit der Film-Karriere?

Nadiv: Ich nehme noch immer Schauspielkurse in Los Angeles, wo ich seit eineinhalb Jahren wohne - obwohl ich mein Theater-Studium in New York schon 2011 abgeschlossen habe. Aber man lernt einfach immer so viel dazu und hat zum Teil echt gute und bekannte Lehrer.

Zum Beispiel?

Nadiv: Jeff Goldblum oder David Schwimmer, bekannt aus "Friends". Mit ihm habe ich vor zirka zehn Jahren in einem Film gespielt ("Uprising - der Aufstand", Anm.). Ich mache zwar gern Theater, aber mich zieht es immer mehr zum Film. Gerade haben wir Szenen für unseren neuen Film in Wien gedreht, deshalb bin ich in der Stadt und ich freue mich, endlich auch in Wien arbeiten zu können und nicht nur immer auf Urlaub hier zu sein. (lacht)

Wie sieht Ihr Alltag als Schauspieler aus?

Nadiv: Von Casting zu Casting laufen. Ich habe aber im letzten Jahr auch viel an Drehbüchern geschrieben, gemeinsam mit meinem Geschäftspartner. Wir haben eine Produktionsfirma gestartet und unter anderem einen Piloten zu einer Serie verfasst - über Mädchen in der israelischen Armee. Und ich habe Geld gesammelt, um den Film verwirklichen zu können, den wir jetzt gerade drehen.

Sie spielen darin die Hauptrolle. Um was wird es gehen?

Nadiv: Der Film heißt "History of Now" und handelt von einer Liebesgeschichte, die in Wien und Marokko spielt. Wir wollen damit auf möglichst viele Festivals, wie Viennale, Sundance und so weiter. Der Film wird sehr 'Indie'. Ich hoffe, dass er am Sundance Festival gut ankommt, wo sie so etwas in der Regel mögen.

Nuriel, anders als Ihr kleiner Bruder haben Sie zwar auch im Ausland (London, Anm.) studiert, aber Sie und Ihre anderen zwei Brüder sind danach wieder nach Wien zurückgekehrt.

Nuriel: Genau. Obwohl wir jetzt keine Vorgabe von der Familie hatten oder so. Wir haben Haya (die Brüder nennen ihre Mutter beim Vornamen, Anm.) zunächst einfach einmal geholfen, das "Neni am Naschmarkt" aufzubauen. Nach einem Jahr sollten wir dann einfach mal schauen, wie uns das Ganze gefällt - und heute sind wir alle noch immer dabei.

Nadiv: Ich kann mich noch gut daran erinnern, als meine Mutter den Plan des Lokals geboren hat. Wir waren alle im Garten und sie hat plötzlich gefragt: "Was haltet ihr davon, wenn wir gemeinsam ein Restaurant aufmachen?" Die Ältesten, Nuriel und Elior waren von Beginn an involviert. Ilan studierte damals noch Schauspiel in London.

Nuriel: Als die Firma zu groß wurde und wir das zu dritt (Haya, Nuriel, Elior, Anm.) nicht mehr machen konnten, haben wir Ilan gefragt, ob er uns zwei Jahre helfen kann. "Schauspieler kannst du noch in jedem Alter werden", meinte ich zu ihm. Er hat's probiert und sich schließlich im Job voll gefunden.

Zu dem Zeitpunkt seid Ihr Brüder aber noch ziemlich jung gewesen. Interessant, dass Ihr in großen Entscheidungsfragen schon involviert wart.

Nuriel: Ja, ich war gerade einmal 22. Es war schon auch ein Risiko meiner Mutter alle derart einzubeziehen, ein 50-50 Gamble, and she won big time (lacht). Es ist auch wichtig, dass jeder seine individuellen Ziele neben der Arbeit für das Familien-Unternehmer verfolgen kann. Ich organisiere nebenbei Kunstvernissagen und Clubbings, Elior ist DJ. Und auch im Familienunternehmen hat jeder seine Aufgaben. Ich mache die PR und kümmere mich um das Product Design und so weiter, Elior organisiert alles rund um den "Tel Aviv Beach" und Ilan kümmert sich um die Finanzen, er macht das Controlling.

Nur Nadiv tanzt aus der Reihe, Sie haben nicht viel mit dem "Neni" zu tun.

Nadiv: Ja, aber ab und zu wenn ich hier bin, helfe ich noch mit in der Küche, umgeben von tausend Hummus. (lacht)

Sie kochen wirklich noch alle mit in der Küche?

Nuriel: Ja, aber selten. Das Catering für Nadivs Oscarparty machen wir dann auf jeden Fall einmal selbst. (grinst Navid an)

Wie lebt es sich zwischen Wien und L.A., Nadiv? Das sind ja zwei sehr unterschiedliche Städte.

Der könnte wirklich gar nicht größer sein. In L.A sitzt du 80 Prozent des Tages im Auto, obwohl ich eigentlich in der perfekten Gegend wohne, (West Hollywood, Anm.) um auf die unzähligen Castings zu Fuß zu gehen. Der Humor ist anders, das Essen, die Politik. Es gibt so viele Schauspieler in L.A., die alle so offen sind, das liebe ich.

In Wien ist man nicht so offen?

Nuriel: Naja, nicht ganz. Ich merke das immer, wenn ich aus Tel Aviv zurückkomme. Wenn du in Wien jemanden auf der Straße anlächelst, wird das als fremd empfunden. Das ist keine Selbstverständlichkeit hier.

Nadiv: In L.A. umarmt man sich sofort, dort herrscht eine große Offenheit.

Nuriel: In L.A. ist es vielleicht zu viel, in Wien zu wenig. Perfekt ist es in New York oder Tel Aviv. In Israel bin ich sicher drei Mal im Jahr und genieße es immer wieder. Es ist auch die Hauptinspiration, was das Essen angeht. Wir haben dort eine große Familie, viele Cousins, Onkel, Tanten. Alle Verwandten mütterlicherseits und väterlicherseits sind in Israel, keiner ist von dort ausgewandert, so wie unsere Eltern. Meine Mutter wollte - nachdem sie in Bremen studiert hat - nach Wien. Mein Vater hat innerhalb von fünf Minuten entschieden, dass er mitkommt. Für ihn war die Stadt, in der er wohnt, nicht so wichtig, er war sowieso immer auf Tour.

Wie wichtig ist Wien für Sie? Könnten Sie sich auch vorstellen, woanders zu leben?

Nuriel: Ich liebe Wien, ich bin sehr sehr glücklich hier. Aber man muss auch immer wieder raus. Ich glaube, sich woanders umzusehen, ist ganz wichtig für den Erfolg unserer Lokale. Du darfst nicht faul werden.

Reisen ist also Arbeit? Nach was suchen Sie in anderen Städten?

Nuriel: Ja, auf jeden Fall. Ich suche nichts Bestimmtes, ich sehe mir einfach nur an, was sich so tut in anderen Gegenden. Das Packaging, das wir zum Beispiel mit den Produkten von "Neni am Tisch" machen, das bei Spar vertrieben wird, ist einzigartig in Österreich. Das habe ich in New York gesehen und mir gedacht "Ah, so kann man also auch verpacken".

Von so einem Job träumen viele.

Nuriel: Ja, das kann sein. Du musst dich aber eben auch trauen, es umzusetzen. Wir überlegen nicht lange und kalkulieren herum - wir versuchen es einfach. Unser Motto war immer: 'We are doers, not thinkers'. Wir hatten auch keinen Businessplan als wir das Neni geplant haben oder so.

Sie hatten keinen Businessplan als sie das Lokal am Naschmarkt eröffneten?

Nuriel: Wir haben der Bank das Konzept nur mit Bildern vorgestellt. Es war quasi ein Bilderbuch, ohne einer einzigen Zahl darin. Die Bankangestellte hat gemeint, so etwas habe sie noch nie gesehen. Wir haben sie mit Leidenschaft überzeugt, nicht mit Nummern. Jede Kooperation ist auf dieser Basis aufgebaut. Es gibt bei uns nur Leidenschaft, Bilder und verbale Präsentationen.

Apropos Kooperation. Sie machen seit kurzer Zeit eine Produktlinie für die Supermarktkette Spar.

Nuriel: Ja, hier haben wir das genauso gemacht. Nicht einmal Spar wollte Zahlen von uns.

Sie machen ja ziemlich viel, da muss man sich auch die Kritik gefallen lassen, dass bei der Quantität die Qualität leidet.

Nuriel: Das stimmt zum Teil. Die Qualität unseres Hummus hat etwas geschwankt, weil wir einfach die richtigen Partner gesucht haben, die uns Kichererbsen und so weiter in diesem großen Ausmaß liefern konnten. Wir haben immer wieder verbessert und gepimpt. Jetzt ist unsere Produkt-Qualität konstant. Wir sagen nicht zu allem 'ja'. Spar hätte zum Beispiel gerne, dass wir alle Märkte in Österreich beliefern. Wir sagen, dass wir das nicht schaffen. Damit die Qualität nicht leidet, darf man eben nicht Größenwahnsinnig werden oder nur an das Geld denken.

Ist in nächster Zeit was Neues von Neni geplant?

Es wird ab 12. Juni Eis von uns auf den Markt kommen, um unsere Produktlinie zu erweitern. Auch hier haben wir lange nach idealen Partnern gesucht, damit wir das ganz nach unseren Vorstellungen realisieren können.

Was ist das Besondere an dem neuen Eis?

Nuriel: Dass jeder von uns eine eigene Sorte bekommen hat. Es gibt vier verschiedene Produkte - Haya, Elior, Ilan und ich durften eigene Eis-Variationen kreieren, die uns auch irgendwie darstellen sollen. Wir sind sogar mit einem kleinen Bild auf der Verpackung zu sehen und es wird einen kurzen Text dazu geben.

Nadiv: Haya hat mir versprochen, dass ich nächstes Jahr auch meine eigene Sorte bekomme. (lacht)

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