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14.04.2018

Claudia Cardinale: Kein Kätzchen, eine Tigerin!

Die Film-Diva, die auszog, um sich nicht auszuziehen und an der beinahe jeder Mann zerschellte, wird am 15. April 80

Als sie 1963 die engelsgleiche „Angelica“ in Viscontis Meisterwerk „Der Leopard“ verkörperte, sagte der Kult-Regisseur, der seine Muse mit Geschmeide von Cartier nur so überhäufte: „Jedermann glaubt, dass Claudia Cardinale ein gut aussehendes Kätzchen wäre, das nur ausgestreckt auf der Couch liegt und darauf wartet, gestreichelt zu werden. Aber ich sage Ihnen, dieses Kätzchen ist im Begriff, eine Tigerin zu werden, die früher oder später ihren Bändiger zerreißen wird.“

Im selben Jahr drehte die „CC“ (eine Weltmarke weiblicher Anmut wie „BB“ für Brigitte Bardot und „MM“ für Marilyn Monroe) unter Viscontis verhasstem Rivalen Federico Fellini „8“ – ein Wendepunkt und Meilenstein ihrer Karriere: Erstmals wurde die gebürtige Tunesierin mit sizilianischen Eltern nicht nachsynchronisiert.

Zuvor galt Claudias raues Timbre und ihr seltsamer Akzent als Cardinale-Fehler. „Ich hatte ja erst mit 19 Italienisch gelernt.“ Da war sie bereits „schönstes italienisches Mädchen“ in Tunis. Der Preis war eine Reise zum Filmfestival in Venedig, was ihr Leben vollkommen verändern sollte (1993 bekam sie dort den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk). Sie unterschrieb einen kuriosen Knebelvertrag, der ihr verbot, die Haare zu kürzen, zu heiraten oder an Gewicht zuzulegen.

Deshalb galt es, ihren Sohn Patrizio (heute 63), der aus einer Vergewaltigung entsprang, als Bruder auszugeben. Der erfuhr die Wahrheit auch erst mit 19, als Cardinale eine Tochter mit der größten Liebe ihres Lebens, dem Regisseur und Autor Pasquale Squitieri ( 2017), bekam. Weil dieser sie „aus Liebe“ nicht heiraten wollte, nannte sie das Mädchen Claudia, „damit Claudia Cardinale (kein Künstlername) auch noch nach meinem Tod bestehen bleibt“.

Unsterblich ist sie als Italiens Sex-Symbol sowieso – Kopf an Kopf, Körper an Körper mit Gina Lollobrigida (90) oder Sophia Loren (83). Die Cardinale wurde zum „Gegenentwurf zum Busenwunder“. Der britische Mime David Niven ( 1983), mit dem sie in „Der rosarote Panther“ (1963) spielte, flirtete: „Neben Spaghetti bist du die beste Erfindung Italiens.“

Doch auch Beaus wie Lancaster, Brando, Mastroianni und Delon zerschellten an der Bellezza, die auszog, sich nie auszuziehen: „Eine Frau ist viel erotischer, wenn nicht alles von ihr gezeigt wird. Da hat die Fantasie mehr Raum.“