Die traurige Kindheit von Topmodel Cindy Crawford - und ihr fulminanter Aufstieg

Cindy Crawford zählt zu den bekanntesten Models der Welt. Am 20. Februar feiert sie ihren 60. Geburtstag.
Cindy Crawford

Bevor Cindy Crawford eines der berühmtesten Models der Welt wurde, wusste sie nicht einmal, dass es diesen Beruf überhaupt gab. Zwar träumte sie schon als junges Mädchen davon, mal etwas ganz Großes zu werden ("Kernphysikerin oder die erste Präsidentin"). Aber nicht, dass ihr Weg über den Laufsteg führen würde. Gemeinsam mit Models wie Naomi Campbell und Linda Evangelista wurde sie zu den ersten Superstars der Branche. Jetzt wird die Ikone 60 Jahre alt.

Crawford beendete ihre Vollzeit-Modelkarriere offiziell im Jahr 2000, ist aber weiterhin gelegentlich als Model tätig und arbeitet mit verschiedenen Marken zusammen. So war sie wie beispielsweise bei den Versace-Shows 2017 und 2023 zu sehen, außerdem hält sie bestehende Markenpartnerschaften aufrecht, unter anderem mit Zara.

Kindheit von Schicksalsschlag überschattet

Cindy Crawford kam als Cynthia Ann Crawford am 20. Februar 1966 in der Nähe von Chicago zur Welt. Sie wuchs als Tochter eines Elektrikers und einer Bankangestellten auf. Ihre idealtypische Kindheit im mittleren Westen der USA wurde erschüttert, als ihr Bruder Jeffrey an Leukämie erkrankte und mit nur drei Jahren starb. Crawford war zu diesem Zeitpunkt zehn Jahre alt.

In ihr löste das Schuldgefühle aus, da sie und ihre Schwestern sich fragten, warum sie noch leben durften, während der einzige Sohn der Familie starb, wie sie 1994 in einem Interview des Magazins Vanity Fair erzählte. Fortan habe sie versucht, das perfekte Kind zu sein. 

Auch im Podcast "Kelly Corrigan Wonders" sprach das Supermodel im vergangenen Jahr offen über den Tod des jüngeren Bruders. Dabei enthüllte Crawford auch, dass sie und ihre drei Geschwister als kleine Kinder von ihren Eltern geschlagen wurden. "Ich weiß, das klingt sehr nach Kindesmisshandlung, aber wir wurden als Kinder definitiv geschlagen", erzählte sie. "Meine Mutter sagte immer: 'Geh auf dein Zimmer, du bekommst eine Tracht Prügel.' Und diese Wartezeit war, wie Sie schon sagten, einfach das Schlimmste."

"Ich habe einen Bruder, der gestorben ist, er hatte Leukämie. Und bevor wir wussten, dass er Leukämie hatte, war eines der Symptome von Leukämie, dass man sehr leicht blaue Flecken bekam", erzählte das Model an anderer Stelle. "Mein Vater hatte ihn geschlagen, aber es blieb ein Handabdruck auf ihm zurück."

1984 schloss sie als Jahrgangsbeste die Highschool ab und erhielt ein Stipendium für eine der Top-Universitäten des Landes. Sie wollte Chemieingenieurin werden. Schon damals hatte sie erste Model-Erfahrung gesammelt. In ihrem vorletzten Schuljahr lichtete sie ein lokaler Fotograf ab. Dort, am Pool ihres damaligen Freundes, entstand das Bild, von dem sie 2016 sagte, dass es alles verändert habe. Mit 17 Jahren gewann Crawford den Wettbewerb "Look of the Year". Ihr Studium brach sie kurz nach Beginn wieder ab und zog 1986 nach New York. Der Leberfleck an ihrer Lippe wurde schnell ihr unverwechselbares Markenzeichen – und zog bisweilen so viel Aufmerksamkeit auf sich, dass Crawford in einem Interview scherzte, das Muttermal stehe kurz davor, "eine eigene Talkshow" zu bekommen.

1990er: Der Aufstieg der Supermodels

Was folgte, war ein bis dahin beispielloser Aufstieg in der Supermodel-Ära der 1990er. Den Hype um Models hatte es vorher so nicht gegeben. Models waren nicht viel mehr als Kleiderständer, sollten nicht wiedererkannt werden und anonym bleiben, damit die Mode im Vordergrund stehen konnte. Sie sagte einmal, ihr Vater habe etwa gedacht, Modeln sei nur ein anderer Begriff für Prostitution.

Ein Wendepunkt ist das Vogue-Cover gemeinsam mit Naomi Campbell, Linda Evangelista, Tatjana Patitz und Christy Turlington vom Jänner 1990 von Peter Lindbergh. Der Starfotografen brach mit der Tradition glattretuschierter Bilder und läutete ein neues Zeitalter der Modefotografie ein. Seine Porträts verliehen den Supermodels ein öffentliches Gesicht und Persönlichkeit. Ein weiterer symbolischer Moment für den Aufstieg des Supermodels zur Marke ist das Musikvideo "Freedom! '90" von George Michael, in dem die fünf Models die Hauptdarstellerinnen sind. Die Frauen wurden selbst Teil der Popgeschichte.

Crawford zieht Strategiespiel den sozialen Medien vor

Mit ihrer MTV-Sendung "House of Style" trug Crawford auch entscheidend dazu bei, Modeberichterstattung neu zu definieren: Darin nahm sie die Zuschauenden mit hinter die Kulissen der Modewelt. Dabei zusehen, wie Naomi Campbell Pickelcreme aufträgt? Damals etwas völlig Neues. Mode wurde Popkultur und Cindy Crawford zur Ikone. Aufträge wie die Pepsi-Werbung machten sie vollends zu einem Weltstar, ihre Fitness-Videokassetten wurde ein Hit und aus dem Model eine Unternehmerin.

Schon 1994 beschrieb die bekannte Fashion-Kritikerin Cathy Horyn in Vanity Fair über Crawford: "Cindy Crawford ist mehr als nur das Supermodel der 90er. Sie ist eine amerikanische Ikone, die ihre Verträge mit Revlon und MTV genutzt hat, um ihr Image als Cindy zu einem Millionenimperium auszubauen." Crawford machte sich zur Marke. "Ich bin immer schon sehr strategisch an Dinge herangegangen", sagte sie vor ein paar Monaten im Podcast "Reclaiming with Monica Lewinsky".

Vom Supermodel zur Unternehmerin

Crawford und die anderen Supermodels wurden auch darum als die ersten Fashion-Influencer gesehen. Die New York Post etwa nannte Crawford die Wegbereiterin von Tiktok. Dem kann die Pionierin heute eher weniger abgewinnen: "Ich spiele lieber Mahjong", sagte sie im Podcast.

Heute wohnt Crawford in Malibu, ist Mitgründerin einer Hautpflegemarke, seit fast 28 Jahren verheiratet mit Rande Gerber und Mutter eines Sohnes und einer Tochter, die beide beruflich in ihre Fußstapfen treten. Die 2023 erschienene Dokuserie "The Super Models" auf Apple+ geht maßgeblich auch Crawford zurück. Im Podcast erzählte sie, sie habe ihre Geschichte selbst erzählen wollen. Crawford hat ihre Karriere stets versucht selbst zu steuern und sich nie ganz von ihr bestimmen lassen. In einem Interview mit der New York Times sagte sie einmal: "Ich sage immer, ich habe gemodelt. Es ist ein Verb für mich, keine Identität."

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