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27.04.2018

Bill Cosby droht Haft: Urteil in Missbrauchsfällen gesprochen

Geschworene befanden Bill Cosby im Missbrauchsprozess für schuldig. Die Details.

Der ehemalige US-Fernsehstar Bill Cosby ist wegen sexuellen Missbrauchs schuldig gesprochen worden. Die Jury des Geschworenengerichts in Norristown im Bundesstaat Pennsylvania sah die Schuld des 80-Jährigen am Donnerstag in allen Punkten der Anklage als erwiesen an.

Cosby könnte nun den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen - mit der Verkündung des Strafmaßes wird in den kommenden 60 bis 90 Tagen gerechnet. Cosbys Verteidiger Tom Mesereau kündigte Berufung an.

60 Frauen beschuldigten ihn

Der einstige Comedy-Star wird von etwa 60 Frauen des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, jedoch sind die meisten Fälle verjährt. Vor Gericht musste er sich wegen eines Falls aus dem Jahr 2004 verantworten. Die ehemalige Universitätsmitarbeiterin Andrea Constand beschuldigte ihn, sie in seinem Haus in Philadelphia mit Tabletten betäubt und sich an ihr vergangen zu haben. Im Zuge einer außergerichtlichen Einigung hatte ihr Cosby vor zwölf Jahren 3,38 Millionen Dollar gezahlt.

Ein erster Prozess gegen Cosby im Fall Constand war im Juni geplatzt, nachdem sich die Geschworenen nach 52-stündigen Beratungen nicht auf ein Urteil einigen konnten.

Die aktuelle Jury hatte an zwei Tagen insgesamt mehr als 14 Stunden lang beraten. Sie befand Cosby in allen drei Anklagepunkten für schuldig: Penetration ohne Einwilligung, bei Bewusstlosigkeit des Opfers und nach der Verabreichung von Medikamenten. Die Höchststrafe dafür sind jeweils zehn Jahre Gefängnis.

Cosby nahm Urteil schweigend zur Kenntnis

Die 45-jährige Kanadierin befand sich bei der Verlesung des Urteils im Gerichtssaal. Cosby hörte sich das Urteil schweigend an und machte dann seinem Ärger in einer Schimpftirade Luft. Sein Anwalt Meserau zeigte sich "sehr, sehr enttäuscht" und kündigte Berufung an. "Der Kampf ist noch nicht vorbei", sagte er.

Dagegen zeigte sich der Staatsanwalt Kevin Steele hoch erfreut. "Heute können wir endlich sagen, dass der Gerechtigkeit genüge getan wurde", sagte er in einer Pressekonferenz an der Seite von Constand. Er hoffe, das Urteil sende eine "starke Botschaft" an alle Missbrauchsopfer, dass sie solche Verbrechen anzeigen sollten. Cosby sei "zu lange" straffrei geblieben. "Er nutzte seine Prominenz. Er nutzte seinen Wohlstand, sein Netzwerk aus Unterstützern, um seine Verbrechen zu vertuschen. Jetzt wissen wir, wer der wahre Bill Cosby war."

Der neue Prozess gegen Cosby stand im Zeichen der Belästigungs- und Vergewaltigungsvorwürfe gegen den einstigen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein und die MeToo-Debatte. Anders als im ersten Verfahren waren zudem fünf weitere mutmaßliche Missbrauchsopfer Cosbys als Zeuginnen zugelassen worden. Beim ersten Prozess war es nur eine Frau.

Cosbys Anwalt vertrat auch schon Michael Jackson

Cosbys neuer Anwalt Mesereau hatte sich vor diesem Hintergrund entschieden, Constand als "krankhafte Lügnerin" und geldgierige "Betrügerin" darzustellen, um ihre Glaubwürdigkeit bei den zwölf Geschworenen - sieben Männer und fünf Frauen - infrage zu stellen und einen Freispruch für seinen Mandanten zu erreichen. Er schilderte Cosby als einsamen Mann, der noch unter der Ermordung seines Sohnes Ennis 1997 litt und sich "von einer jungen Frau angezogen fühlte".

"Aber er hat kein Verbrechen gegangen", sagte der Anwalt. 2005 hatte Mesereau Superstar Michael Jackson erfolgreich gegen den Vorwurf des Kindesmissbrauchs verteidigt.

Komiker ist der "wahre Betrüger"

Die Staatsanwältin Kristen Feden sagte in ihrem Schlussplädoyer, der wahre Betrüger sei Cosby. Er habe seine Berühmtheit genutzt, um sich das Vertrauen seiner Opfer zu erschleichen.

Cosbys Ehefrau Camille, die seit mehr als 50 Jahren mit dem berühmten Schauspieler verheiratet ist, hatte ihren Mann am Dienstag zu den Schlussplädoyers der Verteidigung begleitet.

Cosby wurde in den USA jahrzehntelang als "America's Dad" verehrt. In der Rolle als liebenswürdiger Arzt und gutmütiger Familienvater in seiner "Cosby Show" war er einer der beliebtesten TV-Stars des Landes. Doch die meisten Kollegen aus dem Showbusiness wandten sich zuletzt von ihm ab.