Opernsängerin Natalia Ushakova

© Andreas Hochgerner

Stars Austropromis
05/29/2020

Promis wie Natalia Ushakova über Hass im Netz: „Wollte nicht mehr leben“

#unhatehuman - ein Fotoprojekt gegen Hass im Netz. Zahlreiche Prominente erzählen Unvorstellbares.

von Lisa Trompisch

Hass im Netz ist allgegenwärtig und kann einfach jeden mit voller Wucht treffen. Sogar den Bundespräsidenten. Fotograf Andreas Hochgerner bat jetzt unter dem Motto #unhatehuman zahlreiche Promis vor seine Kamera, um eben genau darauf aufmerksam zu machen – und da taten sich wahre Abgründe auf.

Rassismus, Sexismus, Bodyshaming, bis hin zu Vergewaltigungsfantasien und Morddrohungen – alles mit dabei.

Opernsängerin und Dancing-Stars-Teilnehmerin Natalia Ushakova wurde regelrecht mit Hasskommentaren überschüttet. „Die nervt mich mit ihrem Lachen, sie sollte sterben, ich kann sie nicht ertragen, blöde Kuh, so ein schirches Weib, sie soll ihre Klappe halten, solche Sachen wurden da geschrieben“, erzählt sie.

„Ich war total fertig. Ich wollte nicht mehr leben. Ich hab mir gedacht, ich bin ein Scheusal, ich nerve die Leute, sie wollen mich nicht sehen, sie ertragen mich nicht. Ich weiß nicht, wie viele Liter Tränen ich vergossen habe“, so Ushakova, die es aber schlussendlich geschafft hat, auch mit der Unterstützung ihres Dancing-Stars-Tanzpartners Stefan Herzog, darüber hinwegzukommen.

Sie habe letztlich verstanden, dass sie nicht schuld daran ist, dass das nichts mit ihr zu tun hat, dass da einfach Frust auf sie projiziert wurde, erzählt sie.

"Ich habe mal geschaut, was das überhaupt für Menschen sind, die so etwas schreiben. Und dann habe ich es verstanden. Ich nerve diese Leute, weil ich so lustig und unbeschwert wirke und ein fröhlicher und glücklicher Mensch bin. Und die sind absolut unglücklich. Und sie geben mir die Schuld daran. Und haben sich halt dann gedacht, sie machen mich fertig", so die Opernsängerin.

"Ich glaube nicht, dass das schlechte Menschen sind, sie sind einfach total frustriert", versucht sie sogar noch so etwas wie Verständnis für diese Hass-Poster aufzubringen.

Kabarettist Christoph Fälbl

„Mich kränken solche Kommentare nicht, solche Menschen können mich nicht kränken, denn dann gäbe ich ihnen zu große Wichtigkeit und diese Wichtigkeit haben sie nicht.“

Schauspielerin Kristina Sprenger

„Was ich so erschrecken finde, ist die Wortwahl, wie schnell es im Netz eskaliert. Und wie wenig Respekt es vor anderen Meinungen und Haltungen gibt.“

Sängerin, Moderatorin und Tänzerin Adriana Zartl

"Am Anfang muss ich zugeben, war ich verstört, aber dann hab ich es einfach nicht mehr ernst genommen, denn sonst hätte ich relativ viel zum ernst nehmen gehabt. Und dem möcht ich keinen Raum geben. Ich bin echt konservativ und ich kann gut abgrenzen. So bin ich recht gut gefahren bis jetzt."

Moderator Alfons Haider

„Früher war es besser, denn da hat man den Mut haben müssen, jemanden in die Augen zu schauen und zu sagen, du bist dumm, du bist blöd, du bist schirch, du bist schwul, du bist Muslim, du hast einen Schleier. Heute hat man diesen Mut nicht mehr, heute versteckt man sich hinter dieser Masse an Feindschaft.“

Ex-Kicker Andy Ogris

„Ich mache bei diesem Projekt mit, weil ich einfach auf diese Problematik aufmerksam machen möchte. Ich kann mit diversen Internetforen nicht wirklich gut umgehen, weil mir diese Anfeindungen einfach nicht schmecken. Ich habe meinen Facebook-Account nur wegen ,Dancing Stars' wieder eröffnet und bin deswegen auch auf Instagram ein bisschen aktiv, sonst hätte ich wahrscheinlich diesen ganzen Schmarrn wieder abgedreht, weil mir diese Anfeindungen, teilweise unter der Gürtellinie, einfach zuwider sind."

Kabarettistin Angelika Niedetzky

"Mir ist Gott sei Dank in meinem Leben nie was Schlimmes körperliches passiert, aber auch eine verbale Diskriminierung ist auch eine Form des Missbrauchs. Deshalb ist es mir wichtig und ich bedanke mich, dass ich da mitmachen darf. Je mehr Frauen da mitmachen, desto lauter ist unsere Stimme.“

Dirndl-Designerin Constanze Kurz

"Dadurch, dass ich körpermäßig oft schwanke mit meinen Kilos, hab ich mir sehr schnell auch eine Mauer und eine Schutzschicht aufbauen müssen, weil es sehr garstige Personen gibt. Und da kann man entweder stark werden, oder man verkriecht sich."

Musical-Star Drew Sarich

„Ich sage zu meinen Kindern immer, Arschlöcher gibt es überall. Man fühlt sich anscheinend so sicher hinter seinem Bildschirm, dass er oder sie alles rausspucken kann, was drin ist. Und Social Media bietet leider eine wahnsinnig einfache Plattform dafür."

Puls4-Moderatorin Verena Schneider

„Ich bin sehr sensibel auf Worte, ich finde es kommt immer auf die Art und Weise an, wie man Dinge rüberbringt. Ich nehme gerne Kritik an, wenn sie konstruktiv ist und auch wenn sie von Menschen kommt, die mir wichtig sind. Aber einfach nur beleidigen und draufhauen, geht sich gar nicht aus. Und wenn es um Bodyshaming geht, ich weiß nicht, was die von mir hören wollen. Soll ich mich ins Eck setzen und weinen?"

ORF-Wettermoderatorin Eser Akbaba

"Ich habe sehr, sehr viel erlebt. Gleich am Anfang, als ich vor elf Jahren beim ORF angefangen habe, hat man gefragt, warum man keine Österreicherin für den Job gefunden hat. Es war nicht nur mein Aussehen, nicht nur meine Haare, sondern auch mein Name ist halt nicht österreichisch. Und schon viel früher hat man mich auch gefragt, warum ich eigentlich so gut Deutsch spreche."

Ex-Thaiboxer Fadi Merza

"Es gibt genug Leute, die mit diesem Druck nicht zurecht kommen, die sich vielleicht irgendwann mal sogar etwas antun, damit dieses ganze Elend, dieser Hass endlich einmal aufhört. Ich war stark genug und hab das dann irgendwie selbst in die Hand genommen und hab durch den Sport so viel Selbstvertrauen aufgebaut, dass das mit den Jahren kein Thema mehr für mich war.“  

Sänger James Cottriall

"Mobbing ist durch das Internet um einiges einfacher und auch schlimmer geworden. Früher war das Face to Face, aber jetzt ist es auf sämtlichen Plattformen möglich. Und noch schlimmer – anonym! Und da kann man sich völlig verstecken und nur für einen schnellen Lacher und einen doofen Scherz, Leute auf Dauer schwer verletzen. Und das kann Auswirkungen über Jahre haben."

Model Kerstin Lechner

"Wie schaust denn du aus? Du schaust ja gar nicht aus wie ein Topmodel? Die verschiedenen Facetten einer Frau sollte man eigentlich unterstützen und nicht immer bashen."

Designer Niko Niko

"Ich bin ein positiver Mensch und versuche auch positiv zu denken. Das Modebusiness ist aber schon auch eine harte Welt und natürlich gibt es da auch viel Neid, denn Wien ist klein."

Profitänzer Stefan Herzog

"Zu mir haben sie am Anfang auch gesagt, ich soll lieber Tennis lernen. Das ist dann schon im Nachhinein betrachtet hart und extrem verletzend. Weil das heißt ja eigentlich, du bist nicht gut genug für das, was du gerne machen möchtest. Und ich finde das steht niemanden zu, so zu urteilen. Ich passe da auch als Trainer extrem auf, wie ich Feedback rüberbringe, wie ich jemanden unterrichte. Das ist so wichtig, dass das wertschätzend ist."

Kabarettistin Nadja Maleh

"Ich glaube jeder von uns hat mehr oder weniger schon Erfahrungen damit gemacht. Ich habe tatsächlich das Glück, dass ich das kaum erlebt habe, das sind bei mir eher die Ausnahmen, aber wenn ich auf Facebook schaue und mir die Kommentare von anderen durchlese, dann vergeht es einem. Da muss man auch wirklich dieses digitale Detox machen, weil man sonst den Eindruck hätte, dass lauter Menschen herumlaufen, die voller Hass sind, wie ein Kelomat kurz vorm Platzen und sie suchen einfach irgendwo eine Möglichkeit, ihren Dampf abzulassen."

DJane Mel Merio

"Internet-Bashing, Internet-Mobbing ist ein Riesen-Thema, das ganz viel Verletzung verursacht. Ich weiß nicht, ob sich die Leute trauen würden, solche Dinge auch ins Gesicht zu sagen."

Sängerin Samira Dadashi

„Ich finde, das ist ein Thema, das uns alle betrifft. Sowohl Frauen, als auch Männer, weil wir täglich damit konfrontiert werden, sei es jetzt im Internet, oder eben auch im normalen Leben. Ich denke es ist wichtig, das Thema anzugehen, es zu präsentieren und es publik zu machen, damit es nicht zur Normalität wird.“

„#unhatehuman ist ein sehr sinnvolles Projekt. Wörter können Waffen sein und man darf die Macht, Kraft und Wirkung von Wörtern im Netz nicht unterschätzen“, ist sich Kabarettistin Nadja Maleh sicher.

Auch Schauspielerin Kristina Sprenger musste schon so einiges über sich ergehen lassen. „Es fangen ja manche Dinge ganz nett an, du gefällst mir so, bitte schreib mir zurück und so weiter. Aber wenn man dann nicht reagiert, dann wird das ganz schnell ungeduldig und sehr böse und meistens auch sehr ordinär“, so die Mimin.

Wir sind im 21. Jahrhundert, wir rennen alle mit dieser Trottel-Maske herum, aber die Leute sind nicht so gescheit und kapieren, dass wir nicht einmal einen halben Promille unterschiedlich sind – gentechnisch und überhaupt. Und ich mag es nicht, wenn man aufgrund der Herkunft, der Hautfarbe, der Religion,  einer Einschränkung, weil's eine Frau ist, weil's ein Mann ist, weil er eine Glatze hat oder weil er Brillenträger ist, beurteilt wird", meint Fälbl.

Das Shooting soll noch weitergehen, in weiter Folge können sich dann auch Betroffenen melden, die ihre Geschichte öffentlich machen und beim Foto-Projekt dabei sein wollen.

Auf der Instagramseite "unhate_human" und auf Facebook unter "Unhatehuman" werden dann nach und nach alle fertigen Bilder veröffentlicht.

 

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