Musiker Andie Gabauer: "Bin immer in allen Zuständen auf der Bühne gestanden"

Der Musiker feiert rundes Bühnenjubiläum, bringt seine neue Platte "Perfect Work of Art" heraus und sagt, warum man nie aufgeben darf.
Ein Mann sitzt auf einem Sofa und hält ein Bild mit einer farbenfrohen Illustration.

Die Blockflöte hat er verweigert, dafür durfte der gebürtige Oberösterreicher mit sieben Jahren einen Gitarrenkurs an der Volkshochschule belegen – und schon war die Leidenschaft entfacht. "Ich hab dann zur Freude oder zum Leidwesen meiner Schulkollegen die ganze Pause musikalisch gestaltet", sagt Andie Gabauer (56) – ja, Andie tatsächlich mit "ie" geschrieben, denn als Andreas Gabauer 1993 mit dem "Hot Pants Road Club" die erste Platte aufgenommen hat, musste schnell ein Künstlername her.

"Andy mit y war mir zu volkstümlich und Andi nur mit i zu banal, also schreibe ich mich mit ie. Das war eine Blitzentscheidung und ich hab’ mir gedacht, das wird schon reichen. Im Nachhinein denke ich mir, mit einem gescheiten Künstlernamen hätte ich mir schon leichter getan", erzählt der Musiker in der KURIER TV-Sendung "Herrlich ehrlich – Menschen hautnah".

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Inspiriert dazu wurde er auch von der Schauspielerin Andie MacDowell. „Und 15 Jahre später ist dann Robbie Williams gekommen. Der hat es auch so gemacht, mit ie“, erzählt er lachend.

Gabauer, der jetzt sein 40-jähriges Bühnenjubiläum feiert, mischt in zahlreichen Bands wie eben u. a. dem "Hot Pants Road Club" oder den "Free Men Singers" mit. Sein Bandprojekt "Gabauer", gemeinsam mit dem Bassisten Helmut Schartlmüller und dem Drummer Philipp Mayer, gibt’s seit 2017.

Jetzt bringt er seine neue Platte "Perfect Work of Art", die Pop, Soul und charakterstarkes Songwriting verbindet, heraus. Quasi ein Familienprojekt, denn seine Tochter Ella Zoe gestaltete das Cover dazu.

"Ich habe drei super Kinder, die alle sehr musikalisch und sehr kreativ sind", so der stolze Vater. "Ella ist nicht nur sehr musikalisch, sondern auch bildnerisch talentiert. Livia, die Jüngste, ist Bassistin und Sängerin und wird höchstwahrscheinlich in meine Fußstapfen treten", erzählt er. Wobei er auch zugibt, dass er ihr das anfangs ausreden wollte. Auch seinen eigenen Erfahrungen im harten Musikbusiness geschuldet.

Auch harte Zeiten

Gabauer kennt nämlich auch Selbstzweifel. "Aber ich glaube, die hat jeder, der einen starken künstlerischen Anspruch hat. Aber da muss man dranbleiben. Da darf man sich nicht gleich ins Bockshorn jagen lassen", ist er sich sicher.

"Ich bin immer in allen Zuständen auf der Bühne gestanden und das waren oft sehr bedenkliche. Wenn der Sänger absagt, verdienen die anderen auch kein Geld. Da hängen ja ganze Familien dran. Also steht man immer auf der Bühne. Darum hab ich zu meiner Tochter Livia gesagt, vielleicht wäre ein zweites Standbein nicht schlecht", erzählt der Sänger, der im Jahr über hundert Auftritte absolviert.

Andie Gabauer

KURIER-Redakteurin Lisa Trompisch im Gespräch mit Andie Gabauer

Aber: "Das Wichtigste ist doch die Euphorie und die Freude und das Brennen für irgendwas. Und das darf man auf keinen Fall untergraben!“ Auch sein Sohn Aaron ist Bassist, „aber der hat Gott sei Dank auch einen richtig guten Job in der Filmbranche", sagt Gabauer schmunzelnd.

Auf seine neue Platte ist der Sänger jedenfalls mächtig stolz. "Musikalisch haben wir uns nicht wirklich einen Filter auferlegt. Man findet verschiedenste Styles drauf und ich bin eigentlich sehr stolz drauf, dass es nicht so maßgeschneidert ist, so nach dem Motto, das muss jetzt so und so klingen, denn sonst hat es kein Airplay und keinen Erfolg. Das haben wir schon gestrichen. Für Ö3 sind wir höchstwahrscheinlich schon zu alt", erzählt er lachend.

Auf der Platte ist auch der Song "Would You Call This Love", den er gemeinsam mit Musicalstar Drew Sarich geschrieben hat, zu finden. Die beiden singen ja auch im ORF-"Dancing Stars"-Orchester und das Lied entstand während eines Probentages.

"Drew ist nicht nur ein Musicalsänger, sondern eigentlich im tiefsten Herzen ja ein Rocker. Er hat seine Karriere als Musicalstar gemacht, aber was ich vorher nicht gewusst habe, ist, dass er auch so ein brillanter Texter ist."

Und was wünscht er sich für die nächsten 40 Jahre?

"Dass ich das alles noch machen darf. Abgesehen davon, dass ich es höchstwahrscheinlich machen muss, denn von der vielen Sozialversicherung, die ich eingezahlt habe, kriege ich höchstwahrscheinlich trotzdem nur eine Mindestpension und von der könnte ich nicht einmal meine Miete zahlen. Aber das stört mich nicht, denn in meinem Alter reden die meisten ja schon von der Pension. Ich denke, irgendwann wird es mir den Holzpyjama von hinten auf der Bühne anziehen."

Warum live spielen für ihn so besonders ist und er sein "musikalisches Gehör für Mehrstimmigkeit" von seiner Mutter hat, was seine Eltern überhaupt zu seinem Berufswunsch Musiker gesagt haben und noch viel mehr, sehen Sie im Video oben.

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