Michael Patrick Kelly tritt am 4. September in der Arena Wien auf

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08/23/2019

Michael Patrick Kelly: "Mein Papa hat mich in Wien gezeugt"

Der Künstler Michael Patrick Kelly ist auf Friedensmission und bringt die Glocke „Peacebell“ jetzt auch nach Wien.

von Lisa Trompisch

Die Welt ist eine Glocke, die einen Riss hat: sie klappert, aber klingt nicht“ – dieses Zitat von Johann Wolfgang von Goethe hat immer noch erschreckende Relevanz. Es wäre endlich an der Zeit, den Riss zu kitten, die Glocke zum Klingen zu bringen – der Sänger Michael Patrick Kelly (ja genau, ein Mitglied der legendären Kelly-Familie, jetzt als Solo-Künstler unterwegs) hat sich genau dem verschrieben und die Initiative „Peacebell“ ins Leben gerufen.

Peace Bell für Wien

„Ein kleiner Künstler mit einer großen Idee“, meinte er am Donnerstag bescheiden bei seiner Pressekonferenz in der „Social City Wien“. Er selbst hat seit Jahren schon eine solche Glocke auf seinen Konzert-Tourneen mit – gegossen aus Kriegsschrott, der Schlegel ein Gewehr. „Mir war es wichtig, dass man irgendwas hört, sieht und anfassen kann. Ich wollte Frieden sichtbar machen.“

Im Laufe des Ersten Weltkrieges wurden 150.000 Glocken eingeschmolzen und zu Waffen verarbeitet. Kelly kehrt diesen Prozess jetzt um. „Wenn wir Metalle aus gebrauchten Waffen in eine Glocke umschmieden, dann nur, um damit auch Hetze und hasserfüllte Herzen in gegenseitigen Respekt umzuschmieden.“ Bald soll so eine auch in Wien erklingen, dafür werden jetzt Spenden gesammelt.

Zu Wien hat Michael Patrick einen ganz besonderen Bezug. „Mein Papa hat mir erzählt, dass ich hier gezeugt wurde“, lacht er.

Peace Bell für Wien

Charmant, freundlich und extrem reflektiert zeigt er sich im Interview – ein Künstler auch mit einer politischen Meinung. „Ich habe das Gefühl, dass es einfach Veränderung in unserer Gesellschaft gibt und Veränderungen bringen immer Unruhe und Angst mit sich und dadurch entstehen radikalisierende Tendenzen“, so Kelly. „Ich muss zugeben, manchmal erinnert mich das an die ‚Weimarer Republik‘ (1918–1933), wo die Mehrheit das Vertrauen in die großen Volksparteien verloren hatte und sich in Richtung des Extremen orientierte. Das macht schon Angst“, sagt er.

„Vielleicht sind in der Mitte ein paar Sachen nicht gelungen, deswegen haben rechte Parteien so viel Erfolg. Vielleicht müssen wir, die mittig denken, uns selbst noch einmal infrage stellen?“ Aber schlussendlich sind „wir alle Menschen und wollen in Frieden leben“, so sein Appell.