Der Deutsche Gedankenleser Thorsten Havener

© Kurier/Jeff Mangione

Stars Austropromis
11/05/2019

Mentalist Thorsten Havener: Wie dieser Mann unsere Gedanken liest

Der Gedankenleser, der nach Wien und Salzburg kommt, im KURIER-Interview über Status, die Macht der Kleidung und wie man Lügen enttarnt.

von Lisa Trompisch

Was wäre, wenn man Gedanken lesen könnte – das hat sich doch bestimmt schon jeder einmal, nicht nur seit dem Mel-Gibson-Film „Was Frauen wollen“ (2000), als aufregend vorgestellt. Und einer, der das (vermeintlich) wirklich kann, ist der bekannte deutsche Mentalist Thorsten Havener, dessen Wurzeln in der Zauberei liegen.

Mit 13 hat er damit angefangen und daher früh gelernt, ein guter Beobachter zu werden. Er beschäftigte sich viel mit Wahrnehmung und Körpersprache und verblüfft damit mittlerweile in mehr als 1000 Liveshows auf Bühne und im TV.

Havener tritt am 13. November in Wien und am 14. November in Salzburg auf.

„Feuerproben“ heißt sein neuestes Programm, in dem er mit Live-Experimenten seinem Publikum auch praktische Tipps mit auf den Weg gibt, den Blick für das Wesentliche schärfen möchte. „Wir haben sehr viel mehr Macht über unser Leben und unsere Gedanken, als uns wahrscheinlich klar ist“, behauptet er.

Menschenführung statt Manipulation.

Was andere vielleicht auch als Manipulation bezeichnen würden, sieht er als eine Art Führung. „Manipulation bedeutet ja eine Beeinflussung zu meinem Vorteil, das hat ja einen ganz klar negativen Beigeschmack und deswegen nehme ich da lieber das Wort ,Menschenführung’‘.

Kleider machen Leute.

Wobei, man kann sich auch selber positiv „manipulieren“. Und zwar ganz nach dem bekannten Motto: Kleider machen Leute. „Bei einer Recherche für mein Buch habe ich herausgefunden, dass nicht nur die Art und Weise, wie wir uns kleiden, sich darauf auswirkt, wie wir auf andere wirken, sondern auch auf uns selbst. Menschen, die einen Anzug tragen, geben schlauere Antworten bei Ankreuz-Tests, als welche, die einen Jogger anhaben. Und Leute, die einen weißen Kittel tragen, noch mal bessere. Sie können sich damit beeinflussen. Wenn Sie jetzt ein Vorstellungsgespräch haben, dann ziehen Sie etwas an, wo Sie wissen, darin sehe ich gut aus. Und wie außen, so innen, wie innen, so außen. Das beeinflusst sich gegenseitig.“

Je höher der Status, desto reduzierter die Gestik und Mimik.

Auch sehr spannend, was der Meister der psychologischen Unterhaltung zum Begriff „Status“ zu sagen hat, denn „in jedem Leben spielt Status eine große Rolle“. So bewegen sich Menschen, die den höchsten Status ausstrahlen, eher weniger, als andere. Als Beispiel nennt er da den russischen Präsidenten Putin, der übrigens auch eine sehr kontrollierte Mimik hat (man vermutet, dass er dazu gezielt Botox einsetzt).

„Schauspieler nutzen das ja auch, wie etwa Anthony Hopkins in ,Das Schweigen der Lämmer’. Warum wirkt er in diesem Film so wahnsinnig bedrohlich, gruselig und grausam?“ Verblüffende Antwort: „Er blinzelt kein einziges Mal.“

Der Mensch mit dem höchsten Status bestimmt auch über die Zeit. "Das heißt, der Chef eines Konzerns darf später in ein Meeting kommen und früher gehen, ohne sich rechtfertigen zu müssen."

Wer lügt, hat Stress.

Was bestimmt viele interessiert, kann man eigentlich Lügen enttarnen, gibt es fixe Anzeichen dafür, dass jemand die Unwahrheit sagt? Nicht ganz, wie Havener verrät, aber, man kann nach Anzeichen von Stress suchen.

"Ein Anzeichen von Stress wäre zum Beispiel, wenn jemand anfangen würde, öfter zu blinzeln als vorher. Wenn man nicht mehr wegschaut, sondern die ganze Zeit Blickkontakt hält, dann wäre das ein Anzeichen dafür, dass derjenige mit irgendetwas wahnsinnig beschäftigt ist, den Eindruck wahren möchte. Denn entgegen dem, was immer gesagt wird: Wir schauen dem anderen meistens immer in die Augen, wenn wir lügen und eben nicht weg. Wir gucken weg, wenn wir überlegen, die Antwort suchen. Wenn ich also nicht weggucke, dann suche ich die Antwort nicht, dann ist sie wahrscheinlich vorgefertigt", so der Körpersprachenexperte.

Schulter, Hände und Füße können gute Hinweise geben.

Heißer Tipp: Auch die Schulter beobachten. Wenn nämlich eine Schulter nach vorne geht, kann das ein Zeichen für Distanzaufbau sein.

Aber auch die Hände und Füße können Hinweise geben. "Unheimlich oft verlagern sich Nervositätssignale von den Händen auf die Füße. Das heißt, es kann sein, dass Sie das Bedürfnis haben, mit den Händen auf den Tisch zu trommeln, weil Sie eben nervös sind. Aber, das Gegenüber würde das ja dann sehen. Also fangen Sie an, mit den Füßen zu wippen."

Hier gilt aber: "Wenn ich jetzt fünf, sechs Dinge sehe, ist das noch immer kein Zeichen dafür, dass Sie lügen. Aber es ist ein Zeichen dafür, dass Sie unheimlich gestresst sind und es nicht unbedingt kundtun wollen."  

Viele Füllwörter können ein Hinweis für eine Lüge sein.

Auch die Sprache, beziehungsweise, wie man etwas sagt, kann Aufschluss geben. "Wenn man auf die Betonung hört und wie die Geschichte erzählt wird, ob viele Füllwörter drinnen sind, dann kann man schon sehr verlässlich merken, ob jemand das ernst meint, oder nicht. Und vor allem, wenn sich jemand an jedes Detail erinnert, denn wenn Sie lügen, dann sind Sie so im Konstruieren, dass Sie immer weiter konstruieren."

Atemübungen gegen Stress.

Apropos Stress, gerade in Zeiten wie diesen, sind viele sehr getresst, vielleicht auch manchmal überfordert. Auch hier hat Havener gute Tipps parat. Das Einfachste ist dreimal ein- und ausatmen.

"Wenn Sie merken, es stresst Sie irgendetwas total, dann liegt es daran, dass Sie mit Ihren Gedanken bei all den Dingen sind, die noch zu erledigen sind. Sie können aber nicht gedanklich an zwei Orten gleichzeitig sein. Das heißt, wenn Sie sich gedanklich mit der Zukunft beschäftigen und, dass man das eigentlich nicht bewältigen kann, dann sind Sie in diesem Moment gerade handlungsunfähig. Das heißt, eine Methode, die darin besteht, mich direkt in den Moment reinzubringen, wäre dann wichtig", so der Mentalist.

Und so eine Methode kann sein, sich einfach mal im Raum umzuschauen und bestimmte Dinge wahrzunehmen. Vielleicht, wieviele Glühbirnen der Kronleuchter hat, oder welche Ohrringe das Gegenüber trägt, oder welche Uhr. 

Wer's ganz genau wissen möchte, sollte sein neues Programm "Feuerproben" (am 13. November im Wiener Theater Akzent und am 14. November im Kulturzentrum Hallwang) nicht versäumen.

 "Ich mache den Leuten ein Angebot im Abendprogramm und sage: Kommt einmal her und schaut euch an, wie die Welt aussehen würde, wenn es jemanden geben würde, der Gedanken lesen könnte. Ich finde, das ist ein sehr schöner Gedanke, den man auch 2 ½ Stunden lang einmal so stehen lassen kann. Wenn Sie dann sagen, der Abend hat mir gut gefallen, der hat mich inspiriert, dann habe ich mein Ziel erreicht."

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