Kloster, Model, Netflix-Star: Mimi Taos unglaubliche Reise
Model und Schauspielerin Mimi Tao
Zusammenfassung
- Mimi Tao wuchs als Mönch in Thailand auf, entdeckte dort ihre Identität und verfolgte inspiriert von einem Supermodel ihren Traum als Model.
- Sie wurde das erste Transgender-Model bei "Project Runway" und feierte nun in Wien ihr Schauspieldebüt als Mafia-Queen in "Crooks 2" auf Netflix.
- Trotz internationaler Karriere bleibt sie bodenständig, sucht Ruhe in der Natur und träumt von einem einfachen Leben auf einer Farm.
Sie scheint beim Gehen fast zu schweben – eine anmutige Grazie mit buddhistischer Gelassenheit. Mimi Tao (33) wurde in Thailand geboren und ist dort auch aufgewachsen.
Mit elf Jahren trat sie in eine buddhistische Tempelschule ein und wurde zum Mönch. Nach etwa sechs Jahren im Kloster verließ sie es aber wieder, um ihre Familie, die mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfte, zu unterstützen.
Im Kloster wurde ihr auch bewusst, dass in ihrem männlichen Körper ein weiblicher Geist wohnt und sie sich als Mädchen fühlt.
Eine TV-Dokumentation über das einstige thailändische Supermodel Rojjana „Yui“ Phetkanha (war eines der ersten asiatischen Gesichter von Chanel) entfachte in Mimi den Traum einer großen Modelkarriere. Phetkanha wurde dann auch nach mehrmaliger hartnäckiger Bitte eine Zeit lang ihre Mentorin und brachte ihr die Model-Grundkenntnisse bei.
Mimi Tao
Aufs Gute fokussieren
Aufgeben gibt es für Mimi nämlich nicht, wie sie im KURIER-Interview erzählt. Sie habe im Kloster gelernt, ruhig zu bleiben und auch mit schlechten Situationen gut umzugehen.
„Jedes Leben ist schwierig, aber wir müssen uns nicht darauf fokussieren. Ich möchte mich nicht auf die negative Energie konzentrieren. Jede schwierige Situation lehrt dich, stärker zu werden“, so Mimi Tao. „Alles passiert in deinem Geist. Wenn du dich immer auf das Negative fokussierst, wird es auch so sein. Wenn du dich auf die schönen Seiten konzentrierst und das Negative nicht allzu oft äußerst – ich weiß, es gibt negative Dinge im Leben – aber wenn wir uns nicht darauf fokussieren, dann macht das unser Leben um so vieles besser und einfacher für jeden.“
2017 zog sie nach New York und forcierte ihre Modelkarriere. Sie wurde sogar das erste Transgender-Model von Heidi Klums Show „Project Runway“, bei der sie nach wie vor dabei ist.
Erste Schauspielrolle
In Wien war die thailändische Schönheit jetzt aus einem besonderen Grund. Ihr nächster Karriereschritt ist nämlich die Schauspielerei.
Sie ergatterte ihre erste Rolle in Regisseur Marvin Krens zweiter Netflix-Staffel „Crooks“, welche Montagabend eben in Wien Premiere feierte. Darin spielt sie die Rolle „einer thailändischen Mafia-Queen“. „Es ist eine große Rolle für mich. Es ist nicht nur eine Frau, sondern eine mächtige Frau“, so Mimi.
„Es war sehr aufregend. Im Cast sind alle professionell, jeder ist schon berühmt und ich war die Neue. Ich bin ja eigentlich ein Model.“ Akribisch hat sie sich darauf vorbereitet, das Skript mithilfe von Google Translate übersetzt, sich in die Rolle hineinversetzt und am Set dann ihr Bestes gegeben. Und sie konnte Kren auch ohne vorherige Schauspielerfahrung restlos überzeugen.
Da sie selbst auch Designerin ist und viele ihrer Outfits kreiert und näht, brachte sie sich diesbezüglich auch bei ihren Filmkostümen ein.
„Ich wollte jedes Mal, wenn ich auf dem Bildschirm erscheine, aussehen, als würde ich von ,Project Runway’ kommen. So als würde ich gerade vom Laufsteg kommen. Jedes Outfit, das ich in der Serie zeige, ist WOW!“
Weitere Schauspielprojekte sind ebenfalls in Planung. „Ich liebe es zu schauspielern. Da gebe ich jetzt Vollgas“, lacht sie im KURIER-Gespräch.
Tiefe Seele
Und Vollgas gibt sie auch nach wie vor vor der Fotokamera, denn Künstler Franz-Josef Baur, der übrigens eine Mini-Statistenrolle in „Crooks 2“ hat, lud Mimi Tao zu sich in sein Atelier und fotografierte mit ihr außergewöhnliche Skulptur-Kleider.
„Ihre Aura und Professionalität haben mich begeistert. Sie hat etwas ganz Besonderes, eine tiefe Seele. Und ich bin überzeugt, dass man noch viel von ihr hören wird“, so Baur.
Und wenn es Mimi dann einmal doch ein bisschen zu viel wird, geht sie hinaus in die Natur. In New York zum Beispiel in den Central Park „zum Meditieren“.
Ihr größter Wunsch? „Ich hätte gerne in Thailand eine kleine, eigene Farm mit Tieren. Ich möchte ein einfaches Leben haben. Mein größter Traum ist, ein kleines Haus zu haben und mit der Natur zu sein.
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