"Crooks" Staffel 2 auf Netflix: Tot geglaubte Gangster leben am längsten
Christoph Krutzler und Frederick Lau wieder als zentrales Duo.
Mit der actionreichen Crime-Serie „Crooks“ ist Marvin Kren im Frühjahr 2024 ein Überraschungshit gelungen. Laut Netflix hielt sich die deutsche Produktion mit starkem Wiener Zungenschlag vier Wochen in den weltweiten Top 10 der nicht-englischsprachigen Serien. In Woche zwei kletterte die Serie auf Platz zwei aller Netflix-Serien.
Dennoch war eine Fortsetzung nicht sofort fix, erinnert sich Showrunner Marvin Kren: „Die Serie hat ihren Anlauf gebraucht. Wir hatten aber schon eine fertiggeschriebene Staffel. Dadurch, dass das Projekt kurz auf Eis gelegen ist, haben wir uns alles noch einmal angeschaut. Wir sagten, wir verlassen uns auf das, was wir wirklich gut können: Den österreichischen Humor, konzentrieren uns auf weniger Figuren und sechs Folgen. Daher haben wir die zweite Staffel noch einmal neu geschrieben.“
Entdeckungen in Thailand
Gesetzt war aber Thailand als neuer Schauplatz: „Wir wollten an einen Ort gehen, der sich neu anfühlt und womit trotzdem viele Leute eine Verbindung haben. Jeder kennt die sagenumwobenen Nächte von Bangkok. Für mich war es reizvoll, mich mit dieser dunklen Welt auseinanderzusetzen.“ Fünf Monate habe er zur Vorbereitung mit seiner Familie in Thailand verbracht. Beim Dreh war die hohe Luftfeuchtigkeit eine Herausforderung, weswegen den europäischen Schauspielern mehr Zeit zum Akklimatisieren gegeben wurde.
Bei den thailändischen Schauspielern gibt es mehrere Neuentdeckungen. D Gerrard spielt einen der Bösewichte (siehe unten), er ist ein thailändischer Popstar. Sein verführerisches Geschwisterkind spielt das Transgender-Model Mimi Tao (siehe diese Story). „Damit hatten wir gleich zwei tolle, schillernde Figuren, die außerhalb des klassischen Thai-Actor-Spektrums sind und gleichzeitig Bangkoks Essenz rübergebracht haben.“
Marvin Kren bei der Romy-Gala 2025 in Kitzbühel, wo "Crooks" als beste Serie auszeichnet wurde.
Die Story schließt direkt an die erste Staffel an, die in der georgischen Hauptstadt Tiflis endete. Joseph (Christoph Krutzler), der Hüter der wertvollen Goldmünze, deren Jagd in Staffel 1 von Berlin über Wien bis Marseille geführt hatte, hat in Bangkok ein Lokal namens „Bussi Bussi“ eröffnet und tischt dort mit seinen Kumpels (gespielt von Thomas Mraz und Florian Carove) – no na – österreichische Schmankerln auf.
Sein Buddy, der Safeknacker Charlie (Frederick Lau) hat in Berlin wieder Probleme. Samira (Svenja Jung) möchte mit der Gaunerwelt nichts mehr zu tun haben. Schlechte Karten für Charlie, der noch dazu von der deutschen Polizei erpresst wird, die Münze zu beschaffen. Denn die Politik giert nach Ermittlungserfolgen.
„Wir wollten die Zuseher auf einen verbotenen Trip nach Thailand einladen. Charlie bekommt zu Beginn eine kurze Auszeit, um dort schnell was zu erledigen“, sagt Marvin Kren.
Noch schnell was erledigen ist in Filmen schon oft schiefgegangen. Und auch in „Crooks“ ergeben sich durch die Gier nach der "g'schissenen Münze" rasch neue Verwicklungen.
Einerseits durch russische Killer, andererseits durch den niederländischen, der fernöstlichen Mystik verfallenen Unterweltler Kees (Raymond Thiry). Auch die thailändischen Geschwister Achara (Mimi Tao) und Somchai (D Gerrard), die das Nachtleben Bangkoks kontrollieren, mischen mit.
Zwei tot geglaubte Wiener Gangster tauchen allerdings wieder auf. Rio (Lukas Watzl) und Zwanzger (Georg Friedrich) bilden ein herrlich vertrotteltes Duo, das nach Samira und ihrem Sohn Jonas (Jonathan Tittel) sucht. Kren: „Mich hat die Idee fasziniert, die beiden als untot wirkende Gangster zurückzuholen. Und wie die beiden miteinander umgehen – da brauchst du als Regisseur gar nicht mehr viel inszenieren.“
Von den Toten auferstanden: Zwanziger (Georg Friedrich) und Rio (Lukas Watzl)
Tuk-Tuk und Kampfkunst
Auch der Tuk-Tuk-Fahrer „Big F“ ist eine Entdeckung. Ein persönlicher Assistent, Eddie, hat Piyaphong Dammunee auf einer Busfahrt durch Thailand gesehen. Er zeigte Kren den Instagram-Account des Jungschauspielers. „Ein liebenswürdiger Kerl, der vielleicht eine große Karriere vor sich hat“, sagt Kren.
Das Thema Kampfkunst kommt in den Bangkok-Szenen stark zum Tragen. Kren: „In der ersten Staffel war es eher eine Seite von Joseph, weil er ein guter Kämpfer ist. Dadurch habe ich so richtig meine Freude daran entdeckt. In Bangkok gibt es eine große Zahl an Stuntleuten, die gut kämpfen können, daher bin ich da voll eingetaucht.“
Joseph (Krutzler) und Charlie (Lau) mit "Big F).
Die Kampfchoreografien in einem Muay-Thai-Klub wurden mit 200 volltätowierten Komparsen mit zweifelhaftem Hintergrund gedreht. „Wir hatten mega Respekt“, sagt Kren, „aber es war das liebevollste Umgehen miteinander und in keiner Weise gefährlich.“
Gefährlich wird aber, was sich derweil in Österreich zusammenbraut. Der Nachfolger des „Roten“ (in Staffel 1 vom später verstorbenen Karl Welunschek verkörpert), möchte Charlies Liebste als Geisel nehmen.
Werden beim Wandern eingeholt: Samira (Svenja Jung) und Jonas (Jonathan Tittel)
Gangster im Alt Wien
Die Fäden zieht der von Martin Zauner gespielte Gangster im Kaffee Alt Wien. Kren ist es sehr wichtig, „Orte zu finden, zu denen ich einen Bezug habe. Das Alt Wien hat meinem Onkel gehört. Meine Oma hat da drin das beste Gulasch der Stadt gekocht. Nach der Schule habe ich dort Comics gezeichnet und Leute beobachtet. Einmal ist da Udo Proksch gesessen und mir kam vor, dass er eine Pistole in einem Holster trug. Die hat er mir dann zum Spielen gegeben. Als ich sie der Oma gezeigt habe, hat sie ihn rausgeschmissen.“
Heute zeichnet Kren die Gauner mit der Feder des Filmregisseurs. Und die müssen sich in die Berge Sportgasteins begeben. „Das Nightlife von Bangkok mit der archaischen Bergwelt zu verbinden, war ein großer Wunsch von mir. Aber das Grande Finale ist in Wien.“
Ein Finale für immer?
„Ich sage niemals nie. Schauen wir mal. Wenn es wieder gut angenommen wird, gibt’s genug Geschichten und man findet sicher auch besondere Orte, wo man die Helden wieder zusammenführt.“
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