Paul Chaim Eisenberg mit Heinz Fischer, der ihm zum 70er gratulierte

© Kurier/Gerhard Deutsch

Stars Austropromis
06/26/2020

Der "Rockin’ Rabbi" Paul Chaim Eisenberg wird 70

Der Oberrabbiner im KURIER-Interview über Humor, das Rauchen und sein neues Projekt.

von Lisa Trompisch

Sein hebräischer Name „Chaim“ bedeutet Leben – die Freude kann man sich dazu denken, denn Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg sprüht förmlich davon. Dass er heute, Freitag, 70 Jahre alt wird, sieht man ihm mitnichten an.

Ihm zu Ehren gab’s Donnerstagvormittag im „Christian Brandstätter Verlag“ (seine hier erschienen Bücher „Auf das Leben!“ und „ABC vom Glück“ verkauften sich über 20.000 Mal) einen kleinen Umtrunk, wo sogar der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer zum Gratulieren vorbeischaute.

Mit dem Amtierenden war danach ein Mittagessen geplant. Und da musste sich Alexander Van der Bellen bestimmt auch etwas übers Rauchen anhören, denn bei diesem Thema ist Eisenberg, der normalerweise immer dafür ist „kompromisslos den Mittelweg zu gehen“, unerbittlich.

„Ich wollte sogar mit Hollywood darüber sprechen, dass in keinem neuen Film mehr geraucht wird. Da hat man mir gesagt, dass das eh nicht mehr gemacht wird, aber ich sehe das noch sehr viel, zum Beispiel auf Netflix. Wenn einer nervös ist, zündet er sich eine an. Und wir reden da nicht nur von ,Casablanca’, wo Bogart die Zigarette den ganzen Film lang nicht einmal abgetötet hat. Da bin ich kompromisslos, weil ich ja den Menschen helfen möchte. “

Zum Geburtstag wünscht sich der Rabbi mit Weisheit und Witz nur eines, „dass ich noch ein paar gesunde Jahre habe und die Kräfte, die in mir noch stecken zum Wohle der Menschheit entfalten kann.“

Und da plant er Großes, nämlich eine Art Kulturzentrum, wo „jeder willkommen ist“ – und das in seinen privaten Räumlichkeiten. Die sechs Kinder (er hat übrigens 30 Enkerln) sind längst außer Haus, die Zimmer aber voll mit Büchern und Tonträgern mit jüdischer Musik. Eisenberg wird nicht umsonst auch „Rockin’ Rabbi“ genannt, er selbst ist nämlich leidenschaftlicher Sänger.

Und eine große Leidenschaft hat er auch nach wie vor fürs Brückenbauen, für den religiösen Dialog. „Das Wichtigste ist, dass man die Unterschiede nicht verwischt, sondern dass man sie friedlich bespricht“, so Eisenberg.

„Ich werde zum Beispiel nie glauben, dass Jesus der Erlöser ist. Die Christen werden das aber immer glauben. Aber deshalb muss man sich nicht die Köpfe einschlagen“, sagt er.

Man kann seinen Ausführungen, die immer mit ganz viel Witz und Charme gespickt sind, stundenlang zuhören. Und immer wieder spielt er auch mit den Klischees. „Ja, schon. Zum Beispiel gehe ich nur zu Vorträgen, die ich selber halte – und da nicht immer“, lacht er.

„Humor ist ein zweischneidiges Schwert. Wenn man schlechte Witze macht oder in Witzen die Menschen schlechtmacht, ist das kein guter Humor. Humor ist das Gegenteil von fundamentalistisch“, ist er sich sicher.

Beispiel gefällig? „Ein Rabbiner, ein Imam und ein Priester wurden gefragt: ,Was hätten Sie gerne, dass man bei Ihrem Begräbnis sagt?’ Der christliche Priester meint: ,Ich möchte gerne, dass man sagen soll, dass ich nicht nur Jesus Liebe gepredigt habe, sondern, dass ich auch so gelebt habe.’ Der Imam sagt: ,Ich möchte, dass man von mir sagt, dass ich nicht nur den Koran auswendig kann, sondern auch nach den Regeln des Korans gelebt habe.’ Und der Rabbiner sagt: ,Mir wäre am liebsten, wenn man bei meinem Begräbnis sagt: Schaut, er bewegt sich noch.“

So gehe ein guter Witz, niemand käme dabei schlecht weg. „Wenn man das Leben mit Humor nehmen kann, ist man auch ein gläubigerer Mensch“, ist er sich sicher.

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