Chris Lohner

© Kurier / Jeff Mangione

Stars Austropromis
07/31/2020

Chris Lohner erhebt Sexismus- und Rassismus-Vorwürfe gegen ORF

In den 80er-Jahren soll Lohner eigenen Angaben zufolge Opfer von Belästigung und Rassismus geworden sein. Nun fordert sie den Sender auf, seine Vergangenheit aufzuarbeiten.

Chris Lohner blickt auf eine erfolgreiche Karriere zurück. Sie ist als Autorin, Moderatorin, Kabarettistin und Schauspielerin bekannt. Auch als Stimme der Österreichischen Bundesbahnen wird sie den Österreichern im Gedächtnis bleiben. In den 80er-Jahren soll die 77-Jährige jedoch Opfer von sexuellen Übergriffen und Rassismus geworden sein, wie sie nun in einem Exklusivinterview der neuen Ausgabe des OOOM-Magazins enthüllt.

ORF-Intendant soll sie sexuell belästigt haben

1973, als Lohner 30 Jahre alt war, begann ihre Karriere beim ORF. Hinter den Kulissen musste sich die österreichische Powerfrau jedoch so einiges gefallen lassen, wie sie nun verrät.

Angesprochen auf die #metoo-Bewegung gesteht Lohner, dass auch sie Opfer sexueller Belästigung geworden ist. Ein ORF-Intendant, der namentlich ungenannt bleibt, habe ihr bei einem Termin in einem Heurigen unaufgeforfert die Zunge in den Mund geschoben.

"Ich wurde als Repräsentantin für den ORF zu einem internationalen Meeting mit der italienischen RAI geschickt. Ich saß mit dem Rücken zu X (Anm.: der angesprochene Intendant des ORF) auf einer Bank beim Heurigen, mir gegenüber die Direktoren der RAI, und er kommt von hinten, packt mich und steckt mir seine Zunge in den Mund", schildert Lohner den unangenehmen Vorfall.

Das habe sie sich natürlich nicht gefallen lassen.

"Ich bin aufgesprungen, ins Auto geflüchtet und hab weinend Wolfgang Lorenz beim ORF angerufen (…)", zitiert oe24 aus dem Interview. "Ich bin nicht mehr zurückgegangen. Ich habe es mir nicht gefallen lassen, aber du bist ja auf so was auch nicht gefasst."

Es sei jedoch nicht bei diesem einen Mal geblieben, dass Lohner ein derartiger Übergriff zugemutet wurde. "Einer hat mir beim Vorbeigehen am Gang auf den Busen gegriffen. Und ich habe ihm dann in den Schritt gegriffen, so dass er wirklich geschrien hat. Und dann haben sie erzählt: 'Die Lohner ist lesbisch'", erinnert sich die vielbeschäftigte Autorin.

Lohner über Rassismus beim ORF

Doch nicht nur mit sexuellen Übergriffen war Lohner konfrontiert. Sie soll auch sowohl in Österreich im Allgemeinen als auch beim ORF Rassismus erlebt haben. Der Grund: 15 Jahre lang was sie mit dem aus Jamaika stammenden, dunkelhäutigen Lance Lumsden liiert.

So wurde ihr etwa gesagt, sie würde eigentlich "eine Hauptabendshow moderieren" können, wenn sie nicht mehr mit "diesem Neger" zusammen wäre. Einmal sei es am Regieplatz zu einem Vorfall gekommen, wo Mitarbeiter zu ihr gesagt haben: "Neger stinken ja eigentlich."

Lohner stellt klar, dass sie sich immer gleich gewehrt habe. Trotzdem würde sie sich vom ORF wünschen, seine Vergangenheit aufzuarbeiten.

Und das Medienunternehmen reagierte mit folgender Stellungnahme:

"Der ORF bedauert und verurteilt zutiefst die geschilderten sexistischen und rassistischen Vorkommnisse. Einschlägiges, diskriminierendes Verhalten ist gesetzeswidrig, im Unternehmen unerwünscht und zieht dienstrechtliche Konsequenzen nach sich", heißt es in einer Aussendung.

Und weiter: "Wie Frau Lohner im Interview richtig sagt, sind die Entscheidungsträger von vor 40 Jahren aber längst nicht mehr Teil des Unternehmens. Da dem ORF aufgrund seiner öffentlich-rechtlichen Ausrichtung und seiner Positionierung in der Medienwelt eine besondere Vorbildwirkung auch in gesellschaftspolitisch wichtigen Bereichen wie der Gleichstellung von Frauen und Männern zukommt, trägt der ORF seit Jahren Sorge, Maßnahmen zu treffen, um Belästigungen zu vermeiden. Mitarbeiter/innen werden umfassend geschult und sensibilisiert. Führungskräfte sind zum umfangreichen Seminarangebot verpflichtet. Instrumentarien wie Gleichstellungskommission und Gleichstellungsbeauftragte stellen darüber hinaus sicher, dass bei Diskriminierungen auf Basis gesetzlicher Bestimmungen, Normen der kollektiven Rechtsgestaltung oder des Arbeitsvertrages angemessene Abhilfe geschaffen wird."