Howard Carpendale

© Kurier/Gilbert Novy

Stars Austropromis
10/30/2019

Carpendale: "Ich will entscheiden, wie das Ende meines Lebens ist"

Sänger Howard Carpendale in Wien über sein neues Album, Abschiedsgedanken und seinen Wunsch Schauspieler zu werden.

von Lisa Trompisch

Ein freundliches Lächeln (und das auch noch nach einem langen Promo-Tag in Wien), angenehmer Händedruck, noch angenehmere Stimme – Howard Carpendale ist auf den ersten Blick der Strahlemann, den man in der heilen Welt des Schlagers erwartet, doch es steckt weit mehr dahinter. Tiefgang statt seichtem Geplänkel. Abgesehen davon, dass er sich von genau diesem Genre schon längst entfremdet hat.

„Vor allem hat sich Schlager auch gewaltig verändert in den letzten Jahren. Alles geht mehr um die Partymusik und da habe ich mich überhaupt nicht mehr wohlgefühlt. Da habe ich mich sehr bewusst davon entfernt“, so der gebürtige Südafrikaner, der sich selbst als „Middle of the Road“-Musiker bezeichnet. Á la Lionel Richie – nur eben auf Deutsch.

Schon früh spürte er, dass er irgendwann „sehr bekannt sein würde“. Kapitän der Rugby-Mannschaft, Jugendmeister im Kugelstoßen, großes Vorbild für viele an seiner Schule in Durban/Südafrika. „Das hat mir sehr gut getan, dass ich mich an einen gewissen Bekanntheitsgrad sehr früh gewöhnt habe. Ob 10 Millionen Menschen dich lieben oder 1000 – das Gefühl ist gleich. Ich habe mich daran gewöhnt und bin Gott sei Dank im Kopf ziemlich normal geblieben. Ich nehme mich nicht so wichtig“, sagt er im KURIER-Interview.

Sein neues Album „Symphonie meines Lebens“ ist sein Innerstes, musikalisch nach außen gekehrt, sein Dankeschön an seine Fans.

Denn mit 73 schlägt er auch leisere Töne an, denkt auch ein bisschen weiter, an die Zeit danach. „Wann der Abschied kommt, weiß ich nicht. Ich weiß nur, bevor der kommt, möchte ich einmal gerne ,Danke‘ sagen. Das ist der Sinn des Titels ,Symphonie meines Lebens‘. Mein Mitbewerber Udo Jürgens hatte diese Chance nicht und ich glaube, das ist manchmal wichtig im Leben, dass man besonders seinem engsten Umkreis, seiner Familie, irgendwann Danke sagt. Irgendwann geht man, und wie oft hört man: Ich hätte so gerne das gesagt oder das gesagt.“

Der Tod ist für ihn kein Tabu, auch das heikle Thema Sterbehilfe nicht. „Ich will entscheiden, wie das Ende meines Lebens ist. Wenn es möglich ist.“ Sein Rat: Mit der Familie reden, man weiß ja nie, was kommt. Ans Schicksal glaubt Carpendale aber nicht, eigentlich überhaupt an gar nichts, außer vielleicht, „dass wir uns viel zu viele Gedanken über Dinge machen. Es gibt immer eine vernünftige Antwort für alles.“

Apropos Vernunft: Eine „Vernunftspartei“ würde er sich wünschen. „Ich mache mir sehr viel Sorgen um unsere Welt. Das soll nicht klingen wie Miesmachen. Ich bin der Meinung, dass man zwei Möglichkeiten hat. Man kann herumlaufen, nach Mallorca fahren und tanzen. Alles wunderbar. Oder man kann schon darüber reden und sagen: Wir müssen wach werden. Wir sind nicht mehr fünf vor zwölf, wir sind eine Minute vor zwölf. Es gibt so viele Themen, das ist das Problem. Wir haben Flüchtlinge, Klima, Armut, Wohnnot. Das ist unfassbar. Ich weiß nicht, wo man da anfangen soll.

Privat hat er noch einen Wunsch, er würde gerne einen Film drehen und Schauspieler werden. Aber wer glaubt, dass ihm zum Beispiel die Traumschiff-Kapitänsmütze, so wie aktuell Florian Silbereisen, reizen würde, der irrt gewaltig. "Nein, ich würde gerne einen Erwachsenenfilm spielen. Es muss nicht ein Krimi sein, aber einen Polit-Thriller würde ich sehr gerne machen. Einfach Themen, die erstens nichts mit Musik zu tun haben und bloß keine Seifenoper auf einem Schiff. Ich mag Schiffe nicht", lacht er.

Sein neues Album "Symphonie meines Lebens" hat er gemeinsam mit dem renommierten "Royal Philharmonic Orchestra" in London in den berühmten Abbey Road Studios aufgenommen. Am 8. April 2020 tritt er in der Wiener Stadthalle auf.

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