In „Die zwei Päpste“ gibt Hopkins Benedikt XVI.: Ein Priester aus Österreich prophezeite ihm Großes

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Interview
12/21/2019

Anthony Hopkins: "Je älter ich bin, desto mehr weine ich"

Der „Kannibale“, der zum „Papst“ wurde, im Interview über Illuminierungen und Erleuchtungen.

von Elisabeth Sereda

Er war Nixon, Picasso, King Lear und natürlich Hannibal Lecter. Aber eine Karriere wäre nichts, wenn man nicht aufsteigen würde. In seinem Fall in den Vatikan. Da ist Anthony Hopkins, heuer zu Silvester 82, zwar nicht päpstlicher als der Papst, aber immerhin ein sehr menschlicher Benedikt XVI. Der Film heißt „Die zwei Päpste“ und ist Sir Anthonys 135. Schauspielarbeit.

Dabei ist der gebürtige Waliser nur wenig religiös. Seine einzige „Erleuchtung“ hatte er in den 1970ern nach tage- und nächtelangem Tequila-Konsum, als er sich gar für Johannes der Täufer hielt und dabei „mit dem Ozean redete“.

KURIER: Im Film „Die zwei Päpste“ gibt es sehr viel Konversation, eine Kunst, die wir verlernt haben?

Anthony Hopkins: Die Handys haben viel kaputtgemacht. Und der Humor scheint uns abhandengekommen zu sein. Humor fördert Offenheit in uns selbst und anderen. Heute sind die Leute nur noch zornig und verbittert, keiner redet mehr mit dem anderen, und man sieht allen nur noch den inneren Schmerz an. Ich denke mir, was soll das? Wir werden alle sterben, ich kann meine Zeit nicht damit verschwenden, mich elend zu fühlen. Und wenn du nicht lachen kannst, bist du ohnehin tot.

Ist Ihnen Religion jetzt wichtiger als früher?

Mein Vater war Atheist, ich war immer Agnostiker. Vor einigen Jahren habe ich erkannt, dass ich nichts weiß. Und das war ein gutes Gefühl. Ich war auf einmal dankbar, dass man mich akzeptiert hat, obwohl ich mich selbst unakzeptabel fand. Das war der Moment, in dem ich wusste, ich muss mit dem Saufen aufhören. Und da erinnerte ich mich ans Jahr 1984, als ich in Rom den Film „Mussolini and I“ drehte. Ich war nicht sehr gut drauf, stand auf der Spanischen Treppe und da war dieser alte Mann, der mich fragte, was mein Problem ist.

Wir sprachen ein paar Minuten miteinander. Er war ein Priester aus Österreich, der den Einmarsch Hitlers erlebt und schreckliche Dinge gesehen hatte und der daraufhin seinen Glauben für eine Weile verlor. Er ermutigte mich dazu, Vertrauen zu haben. Am Ende meinte er: „Sie werden eines Tages nach Rom zurückkehren, und etwas Überraschendes tun.“ Seine Worte sind mir kürzlich wieder eingefallen und ich dachte: Mein Gott, ich habe den Papst gespielt!

Sie haben Mörder, Monarchen, Bettler und Väter gespielt. Wie bereiten Sie sich auf all diese verschiedenen Rollen vor?

Ich bin da nicht sehr wissenschaftlich. Wie habe ich den Hannibal Lecter gespielt? Rumgestanden und nicht viel gesprochen. Wie spiele ich den Papst? Ich ziehe die Robe an. Ich bin kein großer Vertreter einer bestimmten Schauspielmethode. Ich lese nur die Drehbücher so oft, dass ich mir meinen Text merke.

Weinen Sie leicht?

Ja, ununterbrochen. Und je älter ich werde, desto leichter kommen mir die Tränen. Wenn ich etwas schrecklich finde, wenn ich gerührt bin, oft aus dem kleinsten Grund. Wenn ich vor einer Kamera weinen muss, dann erinnere ich mich an eine Begebenheit aus meiner Kindheit, als ein Cousin einem Tier etwas Grauenhaftes zugefügt hat. Ich könnte heute noch heulen, wenn ich daran denke. Ich habe ihm irgendwann verziehen, und auch mir selbst, dass ich ihn so lange dafür gehasst habe, aber es war nicht leicht. Und je älter ich werde, desto emotionaler bin ich bei jeder Kleinigkeit.

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