Al Pacino

© REUTERS/MARIO ANZUONI

Stars
04/25/2020

Al Pacino: Emotionaler Athlet mit dem Duft für Frauen

Al Pacino ist 80. Wie ein „Zwerg“ zum Riesen wuchs – ein knallharter Bursche, der statt Baseballer zum Brando wurde.

von Dieter Chmelar

Erstaunlich, dass einer selbst dann zur Leinwand-Legende wird, wenn er trotz dringlicher Anfragen die Hauptrollen in Kultklassikern leichtfertig anderen überlässt wie in „Star Wars“ (Harrison Ford, 1977), „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ (Richard Dreyfuss, 1977), „Kramer gegen Kramer“ (Dustin Hoffman, 1979), „Apocalypse Now“ (Martin Sheen, 1979) oder Pretty Woman“ (Richard Gere, 1990). Nicht nur Leichen pflastern seinen Film-Weg, da liegen auch jede Menge Oscars am Straßenrand. Bei acht Nominierungen hat er sich wenigstens einen gesichert, dazu fünf Golden Globes (einen fürs Lebenswerk), einen Tony und einen Emmy. 

Al (Alfred James) Pacino, was irrtümlich soviel wie „kleiner Frieden“ heißt, kam im bandenkriegerischen Milieu der Bronx in New York zur Welt. Sein Vater Salvatore stammte – ein Treppenwitz, den er erst jüngst preisgab – aus dem Ort Corleone in Sizilien und ließ Frau und Familie sitzen, als der kleine „Fredo“, der nie über 1,70 m hinauskam, zwei Jahre alt war. Mit neun begann er zu rauchen, mit zwölf zu kiffen, parallel jahrzehntelang zu saufen. Damals reifte wohl im Fass die Erkenntnis: „Ich bat Gott um ein Fahrrad, doch so funktionierte es nicht. Also stahl ich eines.“

Statt Baseballprofi wurde „Brando“ sein Berufsziel. Das ist der zweite Treppenwitz, denn: Der „Zwerg“, als den ihn Produzent Robert Evans verhöhnte, begegnete Marlon Brando, dem mimischen Idol, am Set von „Der Pate“ (1972) plötzlich persönlich.

„Ich wurde rot, ich begann zu stottern, er beruhigte mich und half mir.“ Am Ende des Drehs hatte der Nobody, eben noch Platzanweiser, Kartenabreißer und bloß Insidern (wie Regie-Ikone Francis Ford Coppola) aufgefallenes Gelegenheitsgenie auf Off-Bühnen, 15.000 Dollar Schulden bei Paramount. Für die Fortsetzung forderte Pacino sieben Millionen, ging aber gnädig auf fünf runter, als Coppola drohte, das Buch zu überarbeiten und mit Michael Corleones Beerdigung zu beginnen.


Bei der Oscar-Gala 1974, als Pacino für „Serpico“ als Hauptdarsteller nominiert war, schluckte er aus Nervosität Valium wie Smarties. Er betete zu Gott, nicht zu gewinnen, weil er „nicht aufstehen hätte können“ (es gewann gottlob Jack Lemmon).

Als Strasberg-Schüler („Method Acting“) hält er sich als Schauspieler für „einen emotionalen Athleten, ein schmerzhafter Prozess“. Als er 1993 für „Der Duft der Frauen“ den Goldmann endlich eroberte, fühlte er sich „wochenlang wie ein Sportler, der Olympiagold gewann“.

Trotz zeitweiliger Karriere-Durchhhänger kam Pacino nie aus der Mode. Er war der Teufel für Keanu Reeves (1997), er küsste, als kokaingepeitschter Killer Tony Montana die eigenhändig entdeckte Michelle Pfeiffer in „Scarface“ (1983), er fand das Spannendste an „Sea of Love“ (1989) Ellen Barkins Körper.

Seine Darstellungskunst fasste Javier Bardem in die Laudatio: „Ich glaube nicht an Gott, ich glaube an Al Pacino.“

Und privat? Immer verliebt, nie verheiratet. Pacino trägt Ringe lieber unter den Augen als am Finger. Er schlug Schneisen in die Champions League der Hollywood-Beautys. Jill Clayburgh, Diane Keaton, Marthe Keller, Veruschka von Lehndorff. Er hat drei Töchter (31, adoptierte Zwillinge, 19).

Sein Zigarettenkonsum ist auf Genuss reduziert und sein Lebensentwurf altersadäquat angepasst: „Ich wünschte, ich hätte die Dinge schon vor 20 Jahren so gefühlt wie jetzt.“ Damals sagte er noch: „Ich sage immer die Wahrheit, auch wenn ich lüge“ und: „Jeder kennt das Gefühl zwischen dem zweiten und dritten Martini – dieses Gefühl wollte ich immer haben.“ 

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