Adelsexpertin: Queen Elizabeth war "eine recht schüchterne Frau"
Königin Elizabeth II.
Am 21. April wäre Queen Elizabeth II. 100 Jahre alt geworden, mit warmen Worten erinnerte König Charles III. an das Leben seiner verstorbenen Mutter – und nahm dabei Bezug zu aktuellen Krisen. "Vieles in der Zeit, in der wir heute leben, hätte sie, so vermute ich, zutiefst beunruhigt, doch ich schöpfe Zuversicht aus ihrem Glauben, dass das Gute immer siegen wird", sagte der britische Monarch in einer Videobotschaft. Auf welche Ereignisse sich Charles konkret bezog, ist unklar. Aus Sicht ihres Sohnes setzte sich Elizabeth stets für das Gute ein.
"Letztendlich gefiel es ihr sehr gut, Königin zu sein"
Die britische Adelsexpertin und frühere BBC–Korrespondentin Jennie Bond erinnert sich in einem Beitrag für die Zeitung Mirror an "eine recht schüchterne Frau, die wahrscheinlich am liebsten so etwas wie eine Bauernfrau geworden wäre, die jedoch in eine der öffentlichsten und prominentesten Positionen der Welt hineingeworfen wurde". In diese Rolle dürfte die Queen nach und nach hineingewachsen sein, wie Bond schreibt: "Letztendlich gefiel es ihr sehr gut, Königin zu sein. Sie hatte einen trockenen, aber recht schelmischen Sinn für Humor. Es gefiel ihr sogar, wenn bei einem offiziellen Termin etwas schiefging - wenn das Auto stehen blieb oder ihr Flugzeug wegen eines Gewitters am Boden bleiben musste. Was kaum verwunderlich ist, wenn man ein so durchplaniertes und geregeltes Leben führt."
Rätselhafte Queen
Sie selbst habe die Queen oft bei Auftritten als Journalistin begleitet. "Trotzdem blieb sie für mich immer ein Rätsel." Bond schreibt im Mirror weiter: "Ihre große Kunst bestand darin, keinen von uns wirklich wissen zu lassen, was sie dachte oder fühlte. Aber ich schätze die Momente, in denen ich sie ein wenig unvorbereitet sah, für einen Augenblick nicht im Dienst. Zum Beispiel, als ich sie kurz vor dem Betreten eines der großen Empfangssäle im Palast dabei beobachtete, wie sie sich ohne Spiegel den Lippenstift auftrug."
Queen Elizabeth starb im September 2022 im Alter von 96 Jahren auf ihrem Landsitz Schloss Balmoral in den schottischen Highlands. Sie gehörte ohne Zweifel zu den bekanntesten Menschen der Welt.
Bond hatte die Queen einst als "eisig" beschrieben. In den 14 Jahren, in denen sie ausschließlich vom Hof berichtet habe, habe die Queen nie ein persönliches Wort mit ihr gewechselt, sagte Bond 2003 nach einem Bericht der Daily Mail. Das sei "sehr traurig". Einmal zum Beispiel habe sie die Königin nach Südkorea begleitet. Bei einem Empfang wurde sie von ihr gefragt, ob sie speziell für die Berichterstattung über dieses Ereignis mitgekommen sei. "Am liebsten hätte ich gesagt: "Nein, nein, ich bin zufällig gerade in Südkorea.'"
Nur ein Mal wagte Bond den Versuch, ein gelöstes Gespräch in Gang zu bringen. "Die Queen hatte gerade etwas Langweiliges gefragt, so in der Art, in welcher Richtung wir um die Erde fliegen, ob über Los Angeles oder Singapur." Da habe sie die Gelegenheit wahrgenommen und der Königin etwas Lustiges über ein Pferd aus der berittenen Garde erzählt. Die Reaktion sei vernichtend gewesen: "Sie hat mich nur angestarrt und dann weggeschaut und gesagt: "Ich glaube, wir fliegen über Los Angeles.'" Noch schlimmer sei ihr Ehemann Prinz Philip gewesen: "Der Herzog hat die Fähigkeit perfektioniert, mit demselben Handschlag Guten Tag und Auf Wiedersehen zu sagen", so Bond damals.
Zu Lebzeiten wurde Elizabeth II. vor allem wegen ihres unerschütterlichen Pflichtbewusstseins und ihres würdevollen Auftretens geschätzt - schon als 14-jährige Kronprinzessin wandte sie sich im Zweiten Weltkrieg in einer live übertragenen Radioansprache ans Volk. Ein Foto von damals wählte die Royal Mail für eine Reihe von Sondermarken aus, die nun herausgegeben wurden. Auf etlichen der Marken ist sie mit Pferden und ihren geliebten Corgi-Hündchen zu sehen.
Anders als im Umgang mit Menschen waren Gesten der Zuneigung im Verhältnis zu Tieren auch in der Öffentlichkeit kein Tabu für die Monarchin und ihre Familienmitglieder. Ansonsten zeigte sie stets Selbstbeherrschung oder wie man in Großbritannien sagt, eine "steife Oberlippe".
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