Wuchteln für den einzigen jüdischen Fußballklub in Österreich

In der Wiener Leopoldstadt spielt mit Maccabi die einzige Fußball-Mannschaft eines jüdischen Vereins. Die Mannschaft ist ein Vorbild für das Zusammenspiel unterschiedlicher Kulturen.
Wolfgang Winheim
Maccabi Vielfalt in zweiten Wiener Stadtliga: Maxi (Ö),Dijar (Kasachstan), Armin (Bosnien), Antonio (Italien), Tim, Noah (beide D), Pablo (Spanien).

Etliche kleine Klubs haben nicht überlebt im inzwischen fast 120.000 Einwohner zählenden zweiten Wiener Bezirk. Der einzige Klub dort heißt Maccabi. Er ist zugleich der einzige jüdische Fußballverein in Österreich. Und rekordverdächtig.

Dem 24-köpfigen Maccabi-Kader in der zweiten Wiener Stadtliga gehören Spieler aus 17 (kein Druckfehler) Nationen an. Ungeachtet der Tragödien in Nahost haben Maccabis Kicker zumindest auf dem Sportplatz ausschließlich den Ball im Kopf. Was auch auf deren Gegner zutrifft. So gab es konträr zu Studien, wonach Antisemitismus leider auch in Österreich im Steigen ist, bei keinem Meisterschaftsspiel Maccabis diesbezüglich Vorfälle. Mr. Maccabi Michael Margules sagt im Namen seiner vier jüngeren bemühten Vorstände: „Bei uns ist jeder unabhängig von Glauben und Herkunft willkommen.“

Während Maccabis „Erste“ einer Multi-Kulti-Truppe gleicht, laufen im Nachwuchs in Wien 2 bis zu 150 großteils jüdische Kinder dem Ball nach. Es würden täglich mehr werden, wären für Maccabi im Rapid-Trainingszentrum die Kapazitäten nicht limitiert.

Bei Rapid? Grün-Weiß gewährt Maccabi auf Initiative von Stadtrat Peter Hacker Gastrecht. Weil der SK Rapid demnächst aber auch mit seiner Frauensektion vom Westen Wiens ins 35 Autominuten entfernte Trainingszentrum nahe der Donau übersiedelt und die Hütteldorfer in Hütteldorf künftig nur noch ihre Bundesliga-Heimspiele austragen, wird in Wien 2 jedes Trainingsfeld, jede Kabine, jeder Container großteils selbst beansprucht.

Zwar gleicht Maccabi noch keinem FC Obdachlos. Auch scheint der sportliche Stadtliga-Verbleib gesichert. Aber finanziell schaut’s düster aus, zumal es ein Irrglaube ist, wonach jüdische Glaubensbrüder stets (so wie zu Herbert Prohaskas aktiven Zeiten Austrias legendärer Gönner Leopold Böhm) die Spendierhos’n anhaben.

Ein aktueller austriaaffiner x-fach-Millionär stellte seine milden Gaben für Maccabi ein, zumal ihm Maccabis – obwohl nur örtliche – Nähe zu Rapid missfiel. Kein Schmäh. Der ist indes auf amüsanterem Niveau garantiert – wenn die jüdischen Humoristen Roman Grinberg und Aliosha Biz mit dem Gentlemen Music Club und Jasmin Meiri-Brauer am 7. Mai im Hernalser Metropol „Wuchteln für Maccabi“ präsentieren.

Noch gibt’s für den Benefizabend etliche der 500 Karten, noch darf der Amateurklub auf 3.000 bis 5.000 Euro Reinerlös hoffen. Ein Betrag, für den so manch Profi nicht einmal seine Stoppelschuhe schnürt.

Kommentare