Vielseitig: Die Steirerin Elisabeth Görgl, die in Innsbruck lebt, fährt am Freitag um eine WM-Medaille

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WM-Abfahrt: Zweites Highlight für die Damen
02/06/2015

WM-Abfahrt: Zweites Highlight für die Damen

Gold im Super-G haben die österreichischen Damen schon. Nun folgt das zweite Speedrennen.

von Christina Pertl, Stefan Sigwarth

Anna Fenninger hatte am Tag nach ihrem Triumph im Super-G frei. Erholen von den Strapazen, die ein Weltmeistertitel so mit sich bringt; ein wenig Zeit für die Lieben im Vail Valley haben; einfach einmal verschnaufen.

Anna Fenninger hat ihren Kolleginnen nicht nur eine Goldmedaille bei dieser WM in Colorado voraus, die Salzburgerin hat auch einen fixen Startplatz in der Abfahrt am Freitag (Start 19 Uhr MEZ). Und dort zählt die Salzburgerin ebenso zu den Podestkandidatinnen wie die gleichfalls gesetzten Elisabeth Görgl und Cornelia Hütter. Die eine Steirerin, aus Kapfenberg stammend, ist mit 33 nicht weit von der Form ihres Lebens entfernt, die sie 2011 zur Speed-Doppelweltmeisterin von Garmisch-Partenkirchen gemacht hat.

Und sie ist ebenso chancenreich wie die andere Steirerin aus Kumberg im Bezirk Graz-Umgebung, die es heute als Skifahrerin vielleicht gar nicht geben würde, wenn sie ihre Zeit an der Skihauptschule Eisenerz als Gradmesser genommen hätte. Die Spätstarterin, die mit zehn Jahren bei einer Autofahrt mit dem Papa auf die Idee kam, Skirennfahrerin zu werden (der antwortete: "Dann musst’ aber auch trainieren"), war auf ihrer ersten Etappe Richtung Skizirkus "immer Vorletzte" – besser wurde es erst ein Jahr später an der Skihaupt- und Handelsschule Schladming. 2011 debütierte sie im Weltcup, im Dezember 2013 fuhr sie in Val d’Isère erstmals aufs Podest im Weltcup.

Die Benzinschwester

Bis dato war es der einzige Podestplatz der Benzinschwester aus dem Flachland, die mit vier Jahren ihr erstes Go-Kart-Bike bekommen hat. Das hatte zuweilen aber auch mit Pech zu tun. Schlag’ nach im WM-Super-G vom Dienstag, als Hütter gerade einmal elf Hundertstelsekunden auf eine gewisse Lindsey Vonn und den Bronzerang gefehlt haben. "Im letzten Jahr habe ich sehr viel weitergebracht", sagt sie denn auch.

Speziell die Tatsache, dass sie die Bedeutung des Materials für sich entdeckt hat, sei neben beharrlicher Arbeit ausschlaggebend gewesen. "Bis dahin habe ich immer gedacht, dass das Material schon passen würde, das mir zur Verfügung gestellt wird."

Klar ist für die aufstrebende junge Dame, die Teile des letzten Sommers im Lotus Ladies Cup auf der Auto-Rennstrecke verbracht hat, "dass ich nicht verkopfen darf. Denn das Skifahren ist immer noch das Wichtigste." Ein Star aber, das sei sie noch lange nicht. "Ich hab’ ja auch noch nix gewonnen."

Die Routinierte

Das kann Elisabeth Görgl von sich nun gar nicht behaupten, und das würde sie auch nie tun. Aber mit ihren 33 Jahren vermag sie auch die Bedeutung von Anna Fenningers Super-G-Gold einzuschätzen: "Es macht das ganze Arbeiten entspannter, für die Trainer, für uns. Natürlich, mir persönlich bringt das nix – aber die Stimmung im Team ist einfach besser."

Und die Routinière im österreichischen Damen-Team weiß, worauf es auf dieser schwierigen Abfahrt ankommt: die Skier so gut wie möglich auf Zug zu halten, die Kurven zu treffen, damit Einfahrtswinkel und Timing passen. Mit der Erfahrung von knapp 15 Jahren im Weltcup hat es die Wahl-Innsbruckerin recht leicht: "Mir reicht es oft schon, wenn ich den Schnee spüre. Denn dann weiß ich schon, was ich auf der Piste zu tun habe."

Die österreichischen Starterinnen

Läuferin Startnummer
Anna Fenninger 16
Elisabeth Görgl 18
Cornelia Hütter 23
Nicole Schmidhofer 4

Zweite Chance für Lindsey Vonn

Soll noch einer sagen, im Vail Valley hätten sie keinen Sinn für Wintersport: „Beim Super-G der Damen konnte ich nicht zuschauen, weil ich meinen Sohn zu einem Skirennen begleitet hab“, sagt der Mittvierziger im Bus von Beaver Creek hinunter nach Avon. Und KZYR 97.7, der lokale Radiosender, trommelt nicht nur das Programm und die Ergebnisse der Rennen, sondern hat auch ein Gewinnspiel für die Hörer: Zehn mal 50 Kuhglocken werden verlost, und am Ende geht es um eine Reise nach Alaska, zum Heliskiing. „Im Fall von schlechtem Wetter haben wir auch eine Pistenraupe“, heißt es im folgenden Werbespot.

Das ganze Tal ist in Bewegung, jeden Abend sind an der Solaris Plaza in Vail Tausende, um das Rahmenprogramm zu genießen und Konzerte zu hören; und wer nicht gerade als Helfer im Einsatz ist, versucht, noch einen Platz auf der Zieltribüne zu finden, deren 3500 Plätze an Renntagen rasch gefüllt sind – wenigstens gibt es auch genügend viele Plätze entlang der beiden WM-Strecken.

Am Freitag soll nunLindsey Vonnendlich ihre zweite WM-Goldene in der Abfahrt nach jener im Jahr 2009 holen; Olympiasiegerin war die 30-Jährige 2010 auch schon.

Freilich hat die aus St. Paul in Minnesota stammende und in Vail wohnende Rekord-Weltcupsiegerin harte Konkurrenz, allen voran die Slowenin Tina Maze und die Schweizerin Lara Gut, die nach ihrem siebenten Rang im Super-G auf Revanche sinnt. Dass die 23-jährige Schweizerin dazu in der Lage ist, hat sie oft bewiesen: Eine Gut mit Wut im Bauch ist oftmals besser. Nicht am Start ist die Co-Olympiasiegerin (neben Tina Maze): Die Schweizerin Dominique Gisin hofft, dass ihr Schienbeinkopfbruch wenigstens einen Start im Riesenslalom zulässt.

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