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Sport Wintersport
11/08/2019

Wie Österreichs Bob-Piloten Olympia-Medaillen holen wollen

Achtungserfolge, ein neuer Chefcoach und neue Schlitten geben Hoffnung. Doch zuletzt gab es auch Rückschläge.

von Christoph Geiler

Wenn Wolfgang Stampfer als großes Fernziel „eine Medaille bei den Olympischen Spielen“ ausgibt, dann bewegt sich der österreichische Bob-Cheftrainer auf dünnem Eis. Denn als 1992 das letzte Mal ein österreichischer Schlitten bei Olympia in die Medaillenränge gefahren war (Gold im Viererbob durch Ingo Appelt), war noch keiner der Vertreter der heutigen Austro-Bob-Szene auf der Welt.

Andererseits: So hoch gegriffen sind diese Ambitionen dann auch wieder nicht. Österreich mag im internationalen Vergleich zwar eine kleine Bobnation sein, „aber wir haben drei Leute, die in der absoluten Weltspitze mitfahren können“, weiß Stampfer.

Schlittenbau-Guru

Benjamin Maier hat im Weltcup schon Podestplätze eingefahren, sein Pilotenkollege Markus Treichl zeigte im letzten Winter bei der WM mit einem fünften Rang auf, und Katrin Beierl raste im Jänner zu EM-Bronze.

Das sind keine schlechten Voraussetzung für den neuen Chefcoach. Zumal der frühere Toplenker Wolfgang Stampfer dank seiner hervorragenden Kontakte auch noch Hannes Wallner für sein Piloten-Projekt gewinnen konnte. Der Tiroler ist so etwas wie der Guru unter den Bob-Konstrukteuren. Wer in einem Wallner-Bob hinter dem Steuer sitzen darf, der fährt mit der Konkurrenz schnell einmal Schlitten. „Was das Material betrifft, sind wir sicher bestens aufgestellt“, weiß auch Wolfgang Stampfer.

Und trotzdem plagen den österreichischen Trainer wenige Tage vor der Abreise zu den ersten Rennen in Nordamerika einige Sorgen. Denn Stand jetzt wäre keiner seiner drei Piloten-Schützlinge in der Lage, mit den Schnellsten der Welt mitzuhalten:

So wird die Karriere von Benjamin Maier schon seit Jahren von hartnäckigen Verletzungen gebremst. Derzeit macht dem 25-Jährigen die Achillessehne zu schaffen, weshalb das Team beim so wichtigen Startmanöver wertvolle Zeit verliert. Nicht viel besser ergeht es seinem Tiroler Steuermann-Kollegen Markus Treichl, der sich mit einem schmerzhaften Hämatom im Beckenbereich herumplagt.

Quereinsteigerinnen

Die Dritte im Bunde – Katrin Beierl – hat zwar keine körperlichen Beschwerden, doch auch sie geht gehandicapt an den Start. Denn sie muss ihre bewährte Anschieberin Jennifer Onasanya ersetzen, mit der sie im Jänner in Königssee EM-Bronze und den Titel bei der Junioren-WM gewonnen hatte.

In Hinblick auf die Olympischen Spiele 2022 in Peking musste sich Beierl von ihrer niederländischen Kollegin trennen und sich im Sommer auf die schwierige Suche nach neuen tatkräftigen Frauen machen. In der Footballerin Selina Loibner und der Hürdenläuferin Magdalena Baur hat die Himbergerin immerhin zwei Anschieberinnen gefunden, „aber es wird sicher einige Zeit und einige Fahrten brauchen“, weiß die Heeressportlerin.

Die beiden Quereinsteigerinnen sind im Herbst das erste Mal überhaupt in ihrem Leben in einem Bob gesessen – und haben gleich einmal erleben dürfen, dass im Eiskanal rauere Sitten herrschen als im Football oder in der Leichtathletik. „Ein Sturz war auch gleich dabei. Die erste Hürde ist genommen“, sagt Beierl.

In einigen Rennen im Jänner wird sie noch auf Jennifer Onasanya zurückgreifen, dann sind die neuen Anschieberinnen am Zug. „Die Top 6 müssen unser Anspruch sein. Ich bin nicht mehr der Underdog, ich muss jetzt liefern.“