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Sport Wintersport
05/15/2019

Wo ist der nächste Austrobob-Star?

Pilotin Katrin Beierl benötigt auf ihrem Weg zu den Winterspielen 2022 in Peking eine Anschieberin.

von Christoph Geiler

Wer wie Katrin Beierl in einen Bob einsteigt, der bekommt unverzüglich einen Eindruck, wie es in diesem Sport zugeht. Eng und unbequem ist es in dem Schlitten, die Fahrt durch den Eiskanal lässt einen durchschütteln wie einen Cocktail – genauso verhält es sich im gesamten Bob-Business.

Das Leben als Bobfahrer ist hart und turbulent und es erfordert von den Protagonisten schon große Leidenschaft und viel Idealismus, um die Karriere nicht schnell wieder auf Eis zu legen. So hoch die Ausgaben sind – ein Zweierbob kostet 50.000 Euro und mehr – so niedrig fallen Preisgelder und im ÖSV-dominierten Österreich die Anerkennung und Aufmerksamkeit aus. Verständlich, dass die heimische Bobszene seit Jahren Probleme mit dem Nachschub hat.

Rasante Karriere

„Dabei kann man es in keinem Sport so schnell zu den Olympischen Spielen schaffen“, sagt Katrin Beierl. Wie die meisten ist auch die Himbergerin eine Quereinsteigerin. Als Leichtathletin hätte es die 25-Jährige wohl niemals zu einer Großveranstaltung geschafft, im Bob zählt Katrin Beierl inzwischen zur absoluten Weltspitze, wie nicht zuletzt EM-Bronze und der Titel bei der Junioren-WM im letzten Winter beweisen.

Die Jus-Studentin könnte eigentlich hochzufrieden sein, wie rasant ihre Laufbahn in den letzten Wintern Fahrt aufgenommen hat, wären da nicht die Personal-Probleme, die Katrin Beierl plagen. Die Pilotin sucht verzweifelt nach Anschieberinnen, die sie zu ihrem großen Fernziel bringen: Die Winterspiele 2022 in Peking.

Schnelle Beine

Bislang hatte die 25-Jährige stets Jennifer Onasanya an ihrer Seite, im Gegensatz zu Welt- und Europameisterschaften ist die Niederländerin bei Olympia aber nicht für Österreich startberechtigt, weshalb Beierl frische Kräfte braucht. Mit der ehemaligen Kampfsportlerin Lisa Rohringer konnte sie zumindest eine neue Kandidatin finden, „aber ich werde auf alle Fälle noch eine zweite Anschieberin benötigen.“

Ein schwieriges Unterfangen, zumal nicht jede Athletin für die wichtige Aufgabe des Anschiebers geeignet ist. „Sie müsste schon 70 Kilo oder mehr haben und 30 Meter unter 4,15 Sekunden laufen können“, meint Beierl.

Im Gegenzug könnte sie gleich einen Startplatz im Weltcup sowie perfekte Trainingsbedingungen und eine Rundumbetreuung im Olympia-Zentrum in St.Pölten bieten. „Alles schon in Hinblick auf Olympia. Dort peilen wir dann die Top sechs an.“

So unbequem und eng es im Bob auch sein mag, im Gegensatz zu ihren Vorgängerinnen könnte sich die  künftige Anschieberin von Katrin Beierl sozusagen ins gemachte Nest setzen. „In der ersten Zeit sind wir ja noch häufiger gestürzt, das war nicht so fein. Aber inzwischen passiert das kaum mehr.“